Niko Lamprecht nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, den Geschichtsunterricht zu verteidigen. Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Geschichtslehrerinnen und -lehrer (VGD) hat enge Verbindungen in die Landesverbände und schreitet ein, wenn es wohlfeilen Sonntagsreden zum Trotz dem Geschichtsunterricht an den Kragen gehen soll. In Berlin hat der Bundesverband in den vergangenen Jahren besonders oft intervenieren müssen. Denn Wirkung entfaltet der Protest eines Landesverbandes nur mit der Rückendeckung des Bundesverbandes. Lamprechts Erklärungen sind gewichtig, weil sie gewissenhaft argumentieren und sich plumper Polemik enthalten. So war es auch beim Protestschreiben an Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Deren Behörde plante, ausgerechnet in Berlin die Verpflichtung für die Beschäftigung mit der DDR-Geschichte in der Oberstufe des Gymnasiums aufzuheben. Die Bildungssenatorin hat eingelenkt Inzwischen hat sie im Gespräch mit dem Landesverband eingelenkt und ihre ursprünglichen Pläne verworfen. Sowohl die NS-Zeit als auch die zweite deutsche Diktatur in der DDR und die Überwindung der deutsch-deutschen Teilung bleiben für die Oberstufenschüler verpflichtend. Der 62 Jahre alte Lamprecht steht seit 2023 an der Spitze des Bundesverbandes. Im September vergangenen Jahres haben die Geschichtslehrer ihn als Bundesvorsitzenden bestätigt. Er unterrichtet neben Geschichte auch Politik und Wirtschaft sowie Musik. Er kennt das Problem eines Verbundfachs Gesellschaftswissenschaften (Geschichte, Geographie, Politik) wie in Berlin und anderswo. Fehlen Geschichtslehrer, wird Geschichte fachfremd unterrichtet oder gekürzt. „Historie ist ein hochaktuelles Thema und wird es auch bleiben“, sagt er. Umso entschiedener wendet er sich gegen die Auszehrung des Schulfachs Geschichte und die Auflösung der Chronologie in problemgeschichtliche Themen. Warum Quellen lesen wichtig ist Aus seiner Sicht muss die thematische Orientierung mit dem chronologischen Überblick verbunden werden. Er weiß, dass es auch im Geschichtsunterricht schwieriger wird, Originalquellen zu lesen, aber kämpft dafür, weil mehr und mehr behauptet und weniger belegt wird. Das geschehe durch Esoteriker und Linksradikale, auch die AfD sei bei der Geschichtsfälschung aktiv. Nach Stationen an unterschiedlichen Schultypen in Hessen – vom Vogelsberg-Landgymnasium über die Wiesbadener Niemöllerschule und die Internatsschule Hansenberg für Hochbegabte leitet Lamprecht heute das Klarenthaler Oberstufengymnasium Carl-von-Ossietzky-Schule. Er ist Vater dreier erwachsener Kinder und lebt im Rheingau, „in der schönsten Gegend Deutschlands“, wie er sagt.
