FAZ 19.11.2025
14:18 Uhr

Curaçao, Kap Verde und Co.: Zauberhaft? Von wegen


Märchenhafter Fußball? WM-Teilnehmer wie Curaçao und Kap Verde bedienen ein Kalkül. Das mag vielen Menschen Freude bereiten, aber es verändert den Charakter einer Weltmeisterschaft. Das muss man nicht gut finden.

Curaçao, Kap Verde und Co.: Zauberhaft? Von wegen

Der Fußball macht mal wieder Fußballdinge. Erzählt Geschichten, die das Herz berühren. Die dann Märchen heißen, weil sie so unglaublich klingen. Curaçao hat sich für die WM qualifiziert. Haiti hat sich für die WM qualifiziert hat. Panama, die Kapverden, Jordanien und Usbekistan haben sich für die WM qualifiziert. Neukaledonien, Suriname, Irak oder die Demokratische Republik Kongo könnten es noch schaffen. Und wenn dann etwa Europäer darauf hinweisen, dass das ganz schön viele Märchen sind für so eine WM, dass das Niveau darunter leiden wird, gelten sie als Miesepeter, die dem Rest der Welt mal wieder nicht gönnen, auch beim großen Fußballfest mitzufeiern. Dabei ist eine WM auch deshalb faszinierend, weil hier die besten Nationalmannschaften aus allen Teilen der Welt gegeneinander antreten. Exoten, die sich mit besonders guten Jahrgängen oder besonders guter Arbeit eine Teilnahme verdient haben, sind seit jeher bereichernde Farbtupfer. Doch wenn ein Bild fast nur noch aus Farbtupfern besteht, kann das zwar moderne Kunst sein – aber auch schlicht das Gekleckse eines Zweijährigen. Zumal manche Märchen bei genauerer Betrachtung einiges von ihrem Zauber verlieren. Weil viele der Erfolgsgeschichten schlicht das Ergebnis rationaler Kalkulationen sind. Die Kapverden suchten auf der ganzen Welt nach Fußballprofis, die für ihre Nationalmannschaft spielen können. Kein einziger Spieler Curaçaos ist auf der Karibikinsel geboren. Malaysia versuchte es mit zwei Spaniern, drei Argentiniern, einem Brasilianer und einem Niederländer. Das war dann sogar dem Internationalen Fußball-Verband FIFA zu viel. Sie sperrten die Spieler und sanktionierten den Verband, weil dieser mutmaßlich gefälschte Papiere vorgelegt hatte. Das Märchen von den Märchen Für welche Nationalmannschaft ein Spieler aufläuft, ist längst Teil der Karriereplanung. Davon kann auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein Lied singen, der deshalb jüngst laut darüber nachdachte, von anderen Nationen Kompensationen für die Ausbildung der Talente mit zweitem Pass einzufordern. Wer den Kuchen größer macht, wie die FIFA bei ihrer WM, sorgt dafür, dass das Fußball-Business expandiert. Das mag vielen Menschen Freude bereiten. Doch man muss nicht gut finden, wie es den Charakter der WM verändert. Dass unter den nunmehr 48 Teilnehmern etliche Neulinge und Kleinstnationen sind, ist schließlich keine Überraschung. Es ist die logische Folge der FIFA-Maxime: mehr Teams, mehr Spiele, mehr Geld. Der Fußball macht Fußballdinge. Dass es dabei noch echte Fußball-Märchen gäbe, ist ein Märchen.