Die Krise der deutschen Chemiebranche spiegeln die vorläufigen Zahlen von Wacker Chemie im vergangenen Jahr. Das bayerische Spezialchemieunternehmen verzeichnete 2025 einen Rekordverlust von 800 Millionen Euro. Der Vorstand um den Vorsitzenden Christian Hartel führte dies am Mittwoch in einer Pressemitteilung auf das schwache Marktumfeld zurück, das sich in einer geringeren Auslastung in allen Geschäftsbereichen sowie zum Teil niedrigeren Absatzmengen und Preisen niedergeschlagen habe. Darüber hinaus belasteten negative Währungseffekte das Ergebnis. Die Beteiligung von 31 Prozent an dem Chipzulieferer Siltronic wurde um 310 Millionen Euro abgeschrieben. Insgesamt beliefen sich die Wertberichtigungen, darunter 195 Millionen Euro auf nicht mehr werthaltige aktive latente Steuern, auf 600 Millionen Euro. An der Börse verlor die im M-Dax der mittelgroßen Werte gelistete Wacker-Chemie-Aktie nach anfänglichen Gewinnen vier Prozent im Kurs. Hartel, der Vizepräsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) ist, forderte die Politik zum Handeln auf, damit die Chemiebranche am Standort Deutschland weiterhin eine Zukunft hat: „Wir brauchen vor allem international wettbewerbsfähige Energiepreise und einen konsequenten Bürokratieabbau.“ Wacker Chemie produziert sehr energieintensiv und verbraucht knapp ein Prozent des deutschen Stroms. Das Hauptwerk in Burghausen versorgen ein eigenes Wasserstoff- und ein Gaskraftwerk. Das Unternehmen spricht sich für einen Industriestrompreis von vier Cent je Kilowattstunde aus. Die von der Politik in Aussicht gestellten fünf Cent dürften dem Vorstand nicht reichen, zumal die Details des Industriestrompreises noch nicht feststehen. Kritik am Industriestrompreis Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin hält Hartel unverändert an seiner schon im November geäußerten Kritik fest. Schon damals befürchtete er eine komplizierte Ausgestaltung, insbesondere die sogenannte Vier-mal-Fünfzig-Regelung stößt ihm sauer auf. Demnach würde der Preis für eine Megawattstunde um 50 Prozent sinken, mit 50 Euro Minimalpreis. Allerdings nur für 50 Prozent der Strommenge. Schließlich sollen 50 Prozent der Entlastung in Energie-Effizienzmaßnahmen reinvestiert werden. „Zudem soll der Industriestrompreis nur für drei Jahre eingeführt werden – viel zu kurz für die Investitionszyklen in der Chemieindustrie“, kritisiert Hartel und fügt hinzu: „Am Ende könnte es sogar sein, dass ein energieintensives Unternehmen wie Wacker komplett leer ausgeht, wenn – wie aktuell diskutiert – eine Strompreiskompensation die Nutzung des Industriestrompreises ausschließt.“ Der Vorstand hat auf die Nachfrageschwäche schon Ende November mit einem Sparprogramm reagiert. So sollen bis Ende 2027 die jährlichen Kosten im Produktionsumfeld und in der Verwaltung um über 300 Millionen Euro gesenkt werden. Mehr als 1500 Stellen fallen weg, das entspricht fast jedem zehnten Arbeitsplatz. Es handelt sich nach seinen Angaben um das größte Kosteneinsparprojekt in der Geschichte von Wacker. „2025 ist die chemische Industrie insbesondere in Deutschland und Europa massiv unter Druck geraten“, erklärte Hartel in der Pressemitteilung. „Darauf müssen wir reagieren“, fügte er hinzu: „Wir konzentrieren uns auf Wachstum, Cash und Kosten.“ Vorstand will Geschäftsmodell schärfen Erste Maßnahmen des Sparprogramms mit dem Namen „Pace“ seien mittlerweile in der Umsetzung. Gleichzeitig will der Vorstand das Geschäftsmodell schärfen. Wie Hartel weiter ausführte, wird sich Wacker in den Chemiebereichen auf Spezialitäten, im Polysilicum-Geschäft auf den Halbleitermarkt und in der Life-Science-Sparte Biosolutions auf innovative Biotech-Anwendungen konzentrieren. „Damit sind wir für die Zukunft gut aufgestellt, um unsere Kunden bestmöglich zu bedienen und perspektivisch weiter profitabel zu wachsen.“ Im vergangenen Geschäftsjahr sank der Umsatz um vier Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um 42 Prozent auf 430 Millionen Euro zurück. Belastet wurde das operative Ergebnis von einer Rückstellung in Höhe von rund 100 Millionen Euro, die im Rahmen des laufenden Kostenprojekts Pace gebildet wurde. Der Netto-Cashflow, also der Mittelfluss, verbesserte sich im Geschäftsjahr 2025 auf minus fünf Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren noch 326 Millionen Euro abgeflossen. Die Investitionen sanken 2025 um 30 Prozent auf 465 Millionen Euro.
