Leiden Sie unter einer Allergie gegen Schalentiere wie Krebse oder gegen Hausstaubmilben? Dann sind die vom Café Satz in Marburg angebotenen Leckereien eher nichts für Sie. Andernfalls könnte sich ein Ausflug unter der Woche in die Uni-Stadt an der Lahn gerade wegen dieser kleinen Gaststätte an der Gutenbergstraße lohnen. Denn das Café Satz im Erdgeschoss eines Studentenwohnheims bietet außer Salaten aus der Mensa-Großküche auch allerlei proteinreiche Süßigkeiten und Knabbereien an. Proteine stehen derzeit bei vielen Menschen hoch im Kurs, gerade bei Fitnessstudiogängern. Die Süßigkeiten und Knabbereien aus dem Haus Gutenbergstraße 31 gelten zudem als umweltfreundlich, reich an Mineralstoffen und gesundheitsfördernden Fettsäuren. Der Haken: In den Augen einiger Menschen bestehen sie aus Ungeziefer. Denn auf der Speisekarte stehen zum Beispiel Mehlwurmwaffeln. Sie kosten 2,75 Euro. Für Studenten gibt es, anders als bei Salaten, keinen Nachlass. Wer seine Waffel mit einer beliebten Nuss-Nougat-Creme anreichern lassen will, muss 35 Cent mehr auf den Tresen legen oder abbuchen lassen. Gleiches gilt für die Version mit Sahne. Brezeln mit Mehlwürmern gibt es für 1,80 Euro das Stück, Buttercroissants ebenso mit diesen Tierchen. Keine Bange: Sie winden sich nicht auf dem Gebäck, sondern werden in getrockneter Form verarbeitet. Gleiches gilt für Toppings aus Mehlwürmern, Heuschrecken oder Heimchen, das sind Langfühlerschrecken. Menschen über 50 zucken vor Insekten-Speisen zurück Das Studentenwerk verspricht: „Die kleinen Tierchen sind proteinreich, lecker und nachhaltig.“ Mehlwurm, Heuschrecke und Heimchen als Alternative zum Schnitzel oder Döner? „Klingt schräg“, gesteht der Hausherr zu. Aber: Für die Produktion von einem Kilogramm tierischen Proteins werden im Falle von Insekten demnach 100-mal weniger Kohlendioxid und 2500-mal weniger Wasser verbraucht als in der Aufzucht von Rindern. Zudem produzierten Insekten wesentlich weniger Treibhausgase als herkömmliche Nutztiere, und eine effiziente Verwertung sei auch möglich. Immerhin werden bis zu 80 Prozent des Tieres verwertet, im Gegensatz zu rund 40 Prozent bei Rindern, wie es heißt. Das ist die rationale Ebene. Aber dann gibt es noch die emotionale Komponente, wie der freundliche Mann hinter dem Tresen weiß. „Viele lesen zunächst begeistert unsere Speisekarte, aber wenn sie dann zu dem Abschnitt mit den Insekten kommen, weichen doch einige zurück“, berichtet er. Dies gelte besonders für Männer und Frauen jenseits der 50. Jüngere begegneten dagegen den Würmern und Schrecken viel aufgeschlossener. Die Kundschaft bestehe vor allem aus Studenten. Hinzu kämen Menschen, die Insekten schon im Urlaub, etwa in Asien oder Afrika, gegessen hätten. Dessen ungeachtet nähmen Neugierige durchaus weitere Anreisen auf sich. Demnach hat er nicht nur Gäste aus der Uni-Stadt und ihrem Umland begrüßt, sondern auch aus Gießen und Frankfurt. Zumal das Angebot im Café Satz weithin einzigartig ist. Die kleine Gaststätte gegenüber dem Fachbereich Psychologie gilt seit der Eröffnung im Spätherbst als regelmäßig rege besucht. Heuschrecken schmecken wie knusprige Hähnchenhaut Neugierige wollen nach seinen Worten einfach probieren, wie die in großen Gläsern feilgebotenen Insekten schmecken. Er rate dazu, sowohl Heimchen als auch Mehlwürmer und Heuschrecken zu kosten. Dabei reiche er gerne zuerst Heuschrecken. Denn die haben ein ausgeprägteres Aroma, wie er sagt. Sie schmeckten wie knusprige Hähnchenhaut, heißt es im Internet, und fühlten sich im Mund an wie Kartoffelchips. Heimchen dagegen wird ein milder und nussiger Geschmack attestiert. Wer sich gleichwohl nicht überwinden kann, muss das Café keinesfalls hungrig verlassen. An Ort und Stelle können Gäste etwa einen Glasnudelsalat, einen arabischen Couscoussalat oder auch einen Griechischen Bauernsalat genießen. Für die 150-Gramm-Portionen werden höchstens drei Euro je Schale fällig, Studenten zahlen noch weniger. Und der aus fair gehandelten Biobohnen in einer Siebträgermaschine zubereitete Kaffee Crema ist eine Wucht und für 1,50 Euro je Becher dazu sehr preiswert.
