Die CDU hat eine neue Wahlkampfmasche, um zu retten, was noch zu retten ist: Sie sagt Entschuldigung. Stimmt, sagt sie vielstimmig, das war bisher alles nichts. In der katholischen Beichte ist es ja so, dass ohne aufrichtige Reue – „contritio cordis“, Zerknirschung des Herzens – keine Vergebung zu haben ist, wobei der Zerknirschungsgrad naturgemäß eine schwer zu messende Größe ist. Niemand kann gewiss sein, ob auf einer imaginierten Skala von eins bis zehn die Marke sieben als Untergrenze einer vergebungswirksamen Zerknirschung erreicht wurde oder nicht. Weswegen sich alles Zählen und Messen im Beichtstuhl am Ende der gläubigen Einsicht zu fügen hat, dass Gott die erfindungsreiche Liebe ist und kein im Positivismus gefangener Scharfrichter. Das weist dann als ritueller Plot mit der sakramentalen Taktung Bekenntnis, Reue, Vergebung eine innere Kohärenz auf, die man bei der CDU und ihrem derzeit freihändig ausgelebten Bekenntniszwang vermisst. Die journalistische Operation „Einordnung“ misslang Dieser Partei geht auch beim Bußgang jedwedes Formbewusstsein ab. Nehmen wir den soeben bei einem Bürgergespräch in Marzahn gefallenen Satz „Wir haben einfach verkackt.“ Was bei Gott die Vergebung ist, ist im Journalismus die Operation „Einordnung“. Beides kommt als ontologisch-objektiver Move daher. Allzeit einordnungsbereite Journalisten haben das Bekenntnis „Wir haben einfach verkackt“ sogleich der anwesenden Bundestagspräsidentin zugeschrieben, die zusammen mit Bernd Siggelkow, dem CDU-Direktkandidaten für das Berliner Abgeordnetenhaus, bei den Menschen Nähe suchte. Doch die Journalisten hatten sich verhört, Julia Klöckner hatte den Satz unscripted gar nicht gesprochen. Die „Berliner Zeitung“ veröffentlicht eine Korrekturmeldung, die ihre journalistische Ersteinordnung nun noch einmal als Fake News in eigener Sache einordnet, wenn es heißt: „In einer früheren Version dieses Artikels wurde das Zitat ,Wir haben einfach verkackt’ fälschlicherweise Julia Klöckner zugeschrieben. Tatsächlich stammt die Aussage von Bernd Siggelkow. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.“ Da nicht für, „Berliner Zeitung“! Denn immerhin unkorrigiert wird Klöckner von dem Blatt mit der weiteren Aussage wiedergegeben: Die AfD benenne (ergänze: berechtigterweise) die Themen, welche die Union viele Jahre lang aus Angst verschwiegen habe. Zerknirschte CDU-Sätze wie dieser sind in ihrer taktischen Torheit so kurz vor den nächsten Wahlgängen einfach nicht vergebungsfähig. Wer erklärt der CDU, dass ihre redseligen Schulderklärungen zum jetzigen Zeitpunkt nur der AfD zugutekommen?
