Wenn endlich einmal wieder Schnee fällt in Deutschland (und das auch noch im Winter!), muss der politische Aufbruch zu neuen Ufern noch etwas warten. Die Stimmung im Land will nicht gestört werden. Die CDU-Parteiführung liegt da ganz im Trend: Wenn sie ihre Klausurtagung in Mainz wegen des Wetters absagt, muss es ihr geradezu verantwortungslos erscheinen, dass die Arbeitgeber darauf hinweisen, dass Arbeitnehmer auch dann am Arbeitsplatz irgendwann aufzutauchen haben, wenn sich ihnen Eis und Schnee in den Weg stellen. Eine Zumutung? Irgendwann kommt dann mal der Aufbruch – oder auch nicht Es ist nicht nur Sarkasmus, wenn man feststellt, dass zwischen der Dramatik im Brief des Kanzlers zu Jahresbeginn („Die Lage ist sehr kritisch“) und den Bequemlichkeiten des deutschen Alltags ein gewisses Spannungsverhältnis besteht. Das gilt auch für die Koalitionsparteien. Die SPD hat zu Jahresbeginn gleich zwei Fässer aufgemacht, die nichts Gutes ahnen lassen. Die Verquickung von Flüchtlingspolitik („Bleiberecht“) und Fachkräftemangel war schon immer ein Irrweg gewesen, die SPD geht ihn unverdrossen weiter. Die Neuregelung der Erbschaftsteuer geht die Partei sicher nicht deshalb an, um „Oma ihr Haus“ zu schützen, sondern um eine Gegenleistung für Steuererleichterungen zu bekommen. Und: Keine Sozialkürzungen! Immerhin besteht Einigkeit in der Koalition, dass der Strompreis alsbald generell gesenkt werden sollte. Irgendwann kommt dann auch die Aufbruchstimmung.
