FAZ 06.02.2026
14:02 Uhr

Business-Ticker: Schlaganfall-Medikament wird neuer Hoffnungsträger für Bayer – die Börse reagiert


650 Milliarden Investitionen in KI: Die Angst vor einer Blase wächst +++ Stellantis schockt mit Milliardenabschreibung +++ Toyota tauscht den Chef aus +++ alle Neuigkeiten im Unternehmen-Liveblog.

Business-Ticker: Schlaganfall-Medikament wird neuer Hoffnungsträger für Bayer – die Börse reagiert

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) im Epstein-Sumpf: Das Forum hat gegenüber der FAZ bestätigt, dass der Prüfungs- und Risikoausschuss des Kuratoriums nach den jüngsten Enthüllungen über den Präsidenten und CEO des WEF, Borge Brende, im Zusammenhang mit den Kontakten zum verstorbenen Sexualstraftäter eine unabhängige Überprüfung durch einen externen Rechtsberater eingeleitet hat. Diese Überprüfung soll gründlich und unparteiisch sein, und es ist wichtig, dass alle Parteien während ihrer Dauer von Spekulationen Abstand nehmen, heißt es. \"Herr Brende hat das WEF durch eine Phase des Führungswechsels begleitet, und wir schätzen sein Engagement für die Organisation.\"Das Forum verpflichtet sich zu Transparenz und einem ordnungsgemäßen Verfahren und wird nach Abschluss der unabhängigen Untersuchung über den aktuellen Stand informieren. Im Umfeld des WEF wird mit einem Ergebnis schon in den kommenden Wochen gerechnet.Der 60 Jahre alte frühere norwegische Außenminister Brende hat laut den vom amerikanischen Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten in den Jahren 2018 und 2019 an mehreren Abendessen mit Epstein teilgenommen. Diese hat er nun als Fehler bezeichnet und sein Bedauern ausgedrückt. Zudem habe er 2019 seine Vorgesetzten darüber informiert. Gegenüber der FAZ hat allerdings sein damaliger Chef, der WEF-Gründer Klaus Schwab, bestritten, darüber informiert worden zu sein. Wegen Epstein: WEF-Chef Børge Brende im Clinch mit Klaus Schwab | FAZ 

 Der in Essen ansässige Energiekonzern RWE hat im Beisein des Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU) in Abu Dhabi zwei Absichtserklärungen abgeschlossen. Merz ist zu Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten, unter anderem, um die Beziehungen im Energiebereich voranzubringen. Während die Bundesregierung bemüht ist, den Rahmen zu schaffen, kommt am Ende Unternehmen die Rolle zu, Verträge abzuschließen. Eine der beiden Vereinbarungen schloss RWE mit der staatlichen Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc), heißt es in einer Mitteilung. Hier geht es darum, Möglichkeiten für die Lieferung von Flüssigerdgas (LNG) nach Deutschland und in andere europäische Märkte auszuloten. Die Rede ist davon, dass die Lieferungen bis zu eine Million Tonnen LNG pro Jahr bis zu zehn Jahre umfassen könnten. Deutschland setzt für seine zukünftige Energieversorgung stark auf Erdgas; etliche neue Gaskraftwerke sollen in den kommenden Jahren neu gebaut werden, um Dunkelflauten zu überbrücken, in denen die Erneuerbaren nicht genügend Strom produzieren. RWE und Adnoc hätten neben der Absicht zur langfristigen Zusammenarbeit außerdem erklärt, eine Kooperation bei kurzfristigen LNG-Handelsaktivitäten zwischen ihren jeweiligen globalen LNG-Portfolios zu prüfen. RWE-Chef Markus Krebber sagte, die „strategische Zusammenarbeit“ mit Adnoc unterstreiche „unser gemeinsames Engagement für die Sicherung der Energieversorgung Europas“. Die zweite Vereinbarung schloss RWE mit dem Energieunternehmen Masdar, auch bekannt als Abu Dhabi Future Energy Company. Hier geht es um mögliche gemeinsame Investitionen in Projekte für Batterie-Energiespeichersysteme. Masdar werde bis 2030 Investitionen in bestehende Batteriespeichervorhaben von RWE in Deutschland mit einer Kapazität von bis zu einem Gigawatt prüfen, heißt es in der Mitteilung. Großbatteriespeicher werden unter anderem verwendet, um überschüssigen Erneuerbaren-Strom zwischenzuspeichern und später mit Gewinn wieder zu verkaufen. Krebber verwies hier auf die Bedeutung der flexiblen Energiespeicherung als „Grundlage für Netzstabilität, Versorgungssicherheit und Integration erneuerbarer Energien“. 

Der österreichisch-kanadische Milliardär Frank Stronach muss sich wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht verantworten. Der Strafprozess in Toronto dürfte am kommenden Donnerstag offiziell starten. Das meldete die kanadische Nachrichtenagentur \"The Canadian Press\" nach einem Gerichtstermin am gestrigen Donnerstag. Stronachs Anwältin hatte angekündigt, einen Antrag auf Aussetzung des Verfahrens stellen zu wollen. Sie vermutet, dass Klägerinnen durch die Staatsanwaltschaft beeinflusst wurden. Die Vorwürfe von mehr als einem Dutzend Frauen gehen bis in die 1970er Jahre zurück.Stronach hat in Nordamerika den Magna-Konzern aufgebaut, der zur Riege der großen Autozulieferkonzerne gehört. In Österreich wurde der heute 93-Jährige durch sein Sport-Investment im Fußball und Pferdesport sowie als Gründer der kurzzeitig auch im Nationalrat vertretenen Partei Team Stronach einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Der Autokonzern Stellantis zieht die Reißleine bei seiner Elektrostrategie ​und verbucht milliardenschwere Abschreibungen. Wegen der Drosselung der Entwicklungspläne für Elektroautos fielen in der zweiten Jahreshälfte 2025 Belastungen von rund 22,2 Milliarden Euro an, teilte der französisch-italienische Hersteller am Freitag mit. Unter dem Strich entstehe dadurch für diesen Zeitraum ​ein vorläufiger Verlust von 19 bis 21 Milliarden Euro.Die Aktionäre sollen leer ausgehen: Eine Dividende werde in diesem Jahr nicht gezahlt. „Das Unternehmen hat ​die überwiegende Mehrheit der Entscheidungen getroffen, die zur Korrektur der Richtung erforderlich sind“, hieß es in der Mitteilung. Dabei gehe es vor allem darum, das Produktportfolio an die Marktnachfrage anzupassen.Die Hiobsbotschaft riss ⁠die Stellantis-Aktien um mehr als ​14 Prozent nach unten und belastete auch andere französische Branchenwerte: Die Aktien von Valeo, Renault und Forvia gaben ⁠zwischen 2,1 und 2,5 Prozent nach. Auch in Deutschland zählten Autowerte zu den größten ‍Verlierern: Volkswagen verloren im ‍Dax 2,3 Prozent, BMW 1,5 Prozent und Porsche im M-Dax sogar 3,2 Prozent. 

Die Fluggesellschaft Condor stellt ihre Flüge zwischen Berlin und Dubai  ein. Diese Strecke war zuletzt in Diskussionen in den Vordergrund gerückt, da die Gesellschaft Emirates aus Dubai sie auch bedienen will, es wegen Beschränkungen im Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten bislang aber nicht darf. Im Bund gibt es aber Stimmen, die diese Regelung lockern wollen.Condor begründet die Streichung, die schon zum April wirkt, mit der mangelnden Wirtschaftlichkeit der Strecke. Einen Zusammenhang mit der Emirates-Debatte gebe es nicht. Im Sommer sei die Urlaubernachfrage wegen der hohen Temperaturen am Golf geringer, zudem würden Kreuzfahrten von den Emiraten aus, für die Passagiere zum Starthafen gebracht werden, vornehmlich im Winter starten. Im Winter will Condor weiterhin Dubai ansteuern. Mit der Sommerverbindung hatte Condor Hoffnungen verbunden. Es sollten Passagiere gewonnen werden, die in Dubai zur Weiterreise umsteigen. Dafür hatte die Gesellschaft Abkommen mit Emirates geschlossen. Mitglieder des Emirates-Kundenbindungsprogramms konnten auch auf den Condor-Dubai-Flügen Bonusmeilen sammeln. 

 Der österreichische Maschinen- und Anlagenbauer Andritz behauptet seine Ertragskraft. Das zu den führenden Anbietern von Technik- und Produktionssystemen für die Zellstoff- und Papierindustrie, die Wasserkraftindustrie, die Stahlindustrie und andere spezialisierte Wirtschaftszweige gehörende Industrieunternehmen wird in diesem Jahr eine operative Marge zwischen 8,7 und 9,1 Prozent bei steigendem Umsatz auf zumindest acht Milliarden Euro erwirtschaften. Im vergangenen Jahr betrug die Marge 8,9 Prozent, wie Andritz mitteilte. Der Auftragseingang stieg von 8,3 Milliarden Euro auf 8,9 Milliarden, der Umsatz aber sank um gut 5 Prozent auf 7,9 Milliarden. 

 Das für Dübel und Befestigungstechnik bekannte baden-württembergische Unternehmen Fischer hat trotz des schwierigen Marktumfelds sein Geschäft stabil gehalten. Im ersten vollständigen Geschäftsjahr nach dem Verkauf der Autosparte 2024 erwirtschafte Fischer einen Umsatz von 1,05 Milliarden Euro. Das Jahr 2024 hatte das Traditionsunternehmen noch mit Erlösen von 1,11 Milliarden Euro abgeschlossen. Der größte Bereich Befestigungssysteme legte nach Unternehmensangaben währungsbereinigt um drei Prozent zu. Angaben zum Gewinn machte Fischer nicht.  Im Juni 2024 hatte das Unternehmen mit Sitz in Waldachtal (Kreis Freudenstadt) den Geschäftsbereich Automotive, der vor allem Lüftungsdüsen, Ablagefächer, Cupholder und Ladeklappen aus Kunststoff für Elektro- und Verbrennerautos produzierte und einen Umsatz von 166 Millionen Euro erwirtschaftete, an die Beteiligungsgesellschaft Mutares mit Sitz in München abgegeben. Als Grund gab das Unternehmen damals die sinkenden Absätze und die schwierige Situation in der Automobilwirtschaft an, ein Sanierungsfall sei die Sparte aber nicht gewesen.  Für das laufende Jahr strebt das Unternehmen ein Umsatzwachstum an. Eine genaue Prognose wagte es nicht. Voraussichtlich werde 2026 das Wachstum von geopolitischen Rahmenbedingungen geprägt sein, die sich der unmittelbaren Einflussnahme der Industrie entzögen. Herausforderungen in Deutschland seien weiterhin die hohen Energiekosten und hohe bürokratische Hürden in der Europäischen Union. Die breite internationale Aufstellung habe es der Unternehmensgruppe 2025 ermöglicht, weitgehend unabhängig von negativen geopolitischen Einflüssen zu agieren. Es werde in rund 120 Länder exportiert. Weltweit beschäftigt Fischer 4.800 Männer und Frauen. 

Die Zugtechniksparte des Technologiekonzerns Siemens hat einen Großauftrag für die S-Bahn in Kopenhagen erhalten. Das Konsortium aus Siemens Mobility und dem Schweizer Zughersteller Stadler wird für die Dänischen Staatsbahnen 226 vollautomatisierte vierteilige Triebzüge liefern. Der Vertrag beinhaltet darüber hinaus eine Option auf bis zu 100 weitere Züge. Das Gesamtvertragsvolumen für das Siemens-Konsortium beträgt rund drei Milliarden Euro. Die Flotte wird nach Angaben von Siemens das weltweit größte offene Bahnsystem mit automatisiertem Zugbetrieb (Automatic Train Operation, ATO) schaffen. Siemens Mobility übernimmt als Konsortialführer die elektrische Ausrüstung, einschließlich Antriebs- und Bremstechnik, Bordstromversorgung, Fahrzeug- und Zugsteuerung, Fahrgastinformationssystem sowie Drehgestelle. Stadler liefert die Wagenkästen, die Kupplungen, die gesamte Innenausstattung mit Sitzen, Klimaanlagen sowie Türen und übernimmt zudem die Endmontage der Züge.Für die Dänischen Staatsbahnen stellt der Auftrag die größte Investition in der 90-jährigen Geschichte der S-Bahn Kopenhagen dar. Mit dem Übergang zum vollautomatischen Zugbetrieb soll die Taktfrequenz der Kopenhagener S‑Bahn deutlich erhöht werden. 

Die französische Großbank Société Générale blickt nach einem ​überraschend starken Schlussquartal optimistischer in die Zukunft. Als Zeichen des Vertrauens verlängerte der Verwaltungsrat den Vertrag von Bankchef Slawomir Krupa ab dem Jahr 2027 um weitere vier Jahre, wie die zweitgrößte börsennotierte Bank Frankreichs am ​Freitag mitteilte. Im vierten Quartal kletterte der Nettogewinn dank Sparmaßnahmen und eines starken Privatkundengeschäfts um 36 Prozent auf 1,42 Milliarden Euro. Damit übertraf ​die Bank die Erwartungen der Analysten deutlich. Für 2026 peilt das Management nun eine Eigenkapitalrendite (ROTE) von mehr als zehn Prozent an, nachdem zuvor eine Spanne von neun bis ⁠zehn Prozent in Aussicht gestellt worden ​war.Während das französische Privatkundengeschäft sowie die Versicherungs- und Vermögensverwaltungssparten glänzten, schwächelte das Investmentbanking. Die Erträge in ⁠diesem Bereich sanken um 2,3 Prozent. Besonders der Handel mit Anleihen, Währungen und ‍Rohstoffen (FICC) brach um ‍gut 13 Prozent ein – ein deutlicher Kontrast zu Konkurrenten wie BNP Paribas oder der Deutschen Bank, die hier Zuwächse verzeichneten.Société Générale-Chef Krupa, der einen strikten Sparkurs fährt, hat das ⁠Vertrauen der Investoren zurückgewonnen: Die Aktie legte in den vergangenen zwölf Monaten ​um rund ​140 Prozent zu und entwickelte sich ‌damit deutlich besser als der europäische Bankensektor. Die ‍Aktionäre sollen zudem von einem neuen Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 1,46 Milliarden ‍Euro profitieren.

Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion trotz verbesserter Auftragslage ​im Dezember spürbar gedrosselt. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 1,9 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Zuvor vom Finanzdienst Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang von 0,3 Prozent ​gerechnet, nach einem Zuwachs von revidiert 0,2 (vorläufiger Wert: 0,8) Prozent im November. Mit den vorliegenden Produktionszahlen habe sich die Industriekonjunktur zum Jahresende wieder etwas eingetrübt, konstatierte ​das Wirtschaftsministerium. Angesichts der spürbaren Produktionsausweitung in den Vormonaten sei der Rückgang im Dezember jedoch eher als Pause zu sehen.\"Der zuletzt kräftige, vor allem vom Inland getragene Anstieg der Auftragseingänge deutet auf ⁠eine fortgesetzte Erholung der Industrieproduktion in ​den kommenden Monaten hin\", teilte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie weiter mit. Gut gefüllte Auftragsbücher sprechen ⁠nach Ansicht des Chefvolkswirts Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank für eine \"nur kurze ‍Atempause\". Sollten die ‍Aufträge zügig abgearbeitet werden, dürften sich demnach belebende Impulse durchsetzen.Im Gesamtjahr 2025 schrumpfte die Produktion hierzulande um 1,1 Prozent. Die Industrie allein stellte im Dezember 3 Prozent weniger her als ⁠im Vormonat. Sie hatte zuvor vier Monate in Folge mehr Neuaufträge an Land gezogen, ​begünstigt zuletzt auch durch ​Großaufträge für die Aufrüstung. In ‌der Automobilindustrie ging die Produktion im Dezember um 8,9 ‍Prozent zurück, im Maschinenbau um 6,8 Prozent. Die Energieerzeugung verringerte sich im Dezember um ‍1,8 Prozent. Die Baubranche erhöhte ihre Produktion ⁠um 3 Prozent.

Vier der größten amerikanischen Tech-Konzerne haben zusammen mehr als 650 Milliarden Dollar Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) angekündigt – alleine in diesem Jahr. Die Mittel sollen in gewaltige neue Rechenzentren fließen und in das entsprechende Equipment wie spezielle KI-Chips, Netzwerkkabel oder Notstromaggregate. Die von der Google-Muttergesellschaft Alphabet, dem Onlinehändler und Cloudanbieter Amazon, dem Social-Media-Konzern Meta und dem Softwarehersteller Microsoft geplanten Ausgaben zielen darauf ab, im Wettrennen um die beste KI die Nase vorne zu haben. Dieser Ausgabenboom ist außergewöhnlich, wie eine Analyse des Finanzdienstes Bloomberg zeigt: Die geschätzten Ausgaben jedes dieser Unternehmen für dieses Jahr sind demnach jeweils die höchsten Investitionsausgaben eines einzelnen Unternehmens in den zurückliegenden zehn Jahren.Um einen Vergleich für die hochfliegenden Ausgabenprognosen zu finden, die in den letzten zwei Wochen mit der Veröffentlichung der Unternehmensergebnisse bekannt gegeben wurden, müsse man mindestens bis zur sogenannten Telekommunikationsblase in den neunziger Jahren zurückgehen. Oder womöglich sogar bis zum Ausbau des amerikanischen Eisenbahnnetzes im 19. Jahrhundert, zu den nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten Investitionen in den Auf- und Ausbau des amerikanischen Autobahn-Systems oder zu den Hilfsprogrammen der \"New-Deal-Ära\". Die nun angekündigten weiter wachsenden Ausgaben für KI wiederum, die einem Anstieg von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen, beschleunigen den Bau von Rechenzentren rund um die Welt noch einmal. Dieses KI-Wettrüsten beeinträchtigt längst die Energieversorgung und führt zu Sorgen über höhere Preise für andere Nutzer. Es hat die KI-Entwickler mitunter in Konflikte mit Gemeinden gebracht, die sich um den Wettbewerb um Strom oder Wasser sorgen. Außerdem steige dadurch das Risiko, dass die Bauausgaben einer kleinen Gruppe wohlhabender Unternehmen, die schon einen steigenden Anteil an der Wirtschaftstätigkeit in den USA haben, die gesamtwirtschaftlichen Daten verzerren, glauben Fachleute. Die vier Unternehmen \"sehen den Wettlauf um die Bereitstellung von KI-Rechenleistung als den nächsten Markt, auf dem der Gewinner alles oder fast alles bekommt“, sagte Gil Luria, Fachmann von DA Davidson, gegenüber Bloomberg. „Und keiner von ihnen ist bereit, zu verlieren.“In der vergangenen Woche gab der Meta-Konzern bekannt, dass die Investitionsausgaben für das Gesamtjahr auf bis zu 135 Milliarden Dollar steigen werden – ein potenzieller Anstieg von etwa 87 Prozent. Microsoft meldete am selben Tag einen Anstieg der Investitionsausgaben im zweiten Quartal um 66 Prozent und übertraf damit die zuvor gehegten Erwartungen der professionellen Marktbeobachter. Im Gegensatz dazu werden die größten amerikanischen Automobilhersteller, Baumaschinenhersteller, Eisenbahngesellschaften, Rüstungsunternehmen, Mobilfunkbetreiber, Paketdienstleister sowie Exxon Mobil, Intel, Walmart und die aus General Electric hervorgegangenen Unternehmen – insgesamt 21 Firmen – laut Schätzungen von Bloomberg im Jahr 2026 zusammen voraussichtlich 180 Milliarden Dollar ausgeben.Die Reaktionen der Anleger auf die neuen Investitionszahlen fallen ernüchternd aus. Die Kurse von Amazon, Alphabet und Microsoft gaben jeweils deutlich nach. Außerdem verminderten sich die Aktienkurse anderer Softwarehersteller erheblich, der des Bitcoin gleichsam. Fachleute begründen dies mit der wachsenden Furcht vor einer abermaligen Blase an den Finanzmärkten – sie hinterfragten zunehmend, ob diese Ausgaben sich wirklich auszahlen werden in absehbarer Zeit.

Beim weltgrößten Autobauer Toyota steht ein Führungswechsel an: Konzernchef ​Koji Sato trete nach nur drei Jahren an der Spitze ab und werde durch Finanzvorstand Kenta Kon ersetzt, teilte das japanische Unternehmen am Freitag mit. Sato solle Vize-Verwaltungsratschef werden und sich auf übergreifende Industriethemen konzentrieren, während Kon das interne Management verantworte. ​Mit dem Umbau wolle der Konzern Entscheidungsprozesse beschleunigen, um besser auf den tiefgreifenden Wandel in der Branche reagieren zu können. Zuletzt hatte sich die Kritik von Investoren ​an der geplanten Übernahme der Tochtergesellschaft Toyota Industries gehäuft. Minderheitsaktionäre hatten den Deal als intransparent und den Preis als zu niedrig bemängelt.Sato hatte das Ruder erst im April 2023 vom Enkel des Firmengründers, Akio Toyoda, ⁠übernommen. Unter seiner Ägide hielt Toyota ​an Hybrid-Antrieben fest – eine Strategie, die sich angesichts der abflauenden Elektro-Euphorie zunächst auszahlte und Rekordverkäufe sicherte. Der Toyota-Aktienkurs ⁠stieg in Satos Zeit auf dem Chefposten inklusive Dividenden um 111 Prozent. Allerdings verlor der Konzern zuletzt ‍in Regionen ‍wie Südostasien Marktanteile an chinesische Rivalen wie BYD. Analyst James Hong von Macquarie sprach von einem \"Regimewechsel\". Während Sato eher für die Produktentwicklung stehe, bringe Kon mehr Erfahrung bei finanziellen Themen mit. Er gilt ⁠als treibende Kraft hinter dem umstrittenen Toyota-Industries-Deal.Bekanntgegeben wurde die Personalie zeitgleich mit den Geschäftszahlen zum ​dritten Quartal. Dank ​des schwachen Yen und Sparmaßnahmen hob Toyota ‌seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr (per Ende März) an. ‍Der Betriebsgewinn soll nun 3,8 Billionen Yen (rund 23 Milliarden Euro) erreichen. Bislang war das Unternehmen ‍von 3,4 Billionen Yen ausgegangen.Mehr zum neuen Toyota-Chef lesen Sie bei unserem Tokio-Korrespondenten Tim Kanning. 

Wie die Rivalen Google und Microsoft legt auch Amazon bei den Investitionen kräftig nach: Sie würden 2026 voraussichtlich um 50 Prozent auf 200 Milliarden Dollar steigen, kündigte der Online-Händler am Donnerstag an. Das Geld solle in den Bau neuer Rechenzentren sowie die Entwicklung von KI-Chips und Kommunikationssatelliten fließen, sagte Konzernchef Andy Jassy. Analysten ​hatten mit Ausgaben von knapp 145 Milliarden Dollar gerechnet. Der Aktienkurs brach darauf hin ein und fiel im nachbörslichen Handel um 11 Prozent – Anleger sind zunehmen unsicher, ob die hohen Investitionen sich wirklich auszahlen.Amazon Web Services (AWS) ist der weltgrößte Cloud-Anbieter. Die Tochter des Online-Händlers trägt zwar nur etwa 15 bis 20 Prozent zum Konzernumsatz, aber 60 Prozent zum Betriebsgewinn bei. Für den ​Einsatz in den eigenen Rechenzentren entwickelt AWS eigene Spezialprozessoren für Künstliche Intelligenz (KI). Im vierten Quartal haben Rechner mit insgesamt einer halben Million Trainium2-Chips den Betrieb aufgenommen. Diese werden vor allem vom KI-Entwickler und OpenAI-Rivalen Anthropic genutzt. An diesem ist Amazon beteiligt. Daneben baut der Online-Händler mit Leo ein Netzwerk ⁠für Internet-Verbindungen über Satellit auf, das Starlink Konkurrenz machen soll.Die ​Google-Muttergesellschaft Alphabet, der Softwarekonzern Microsoft und der Facebook-Betreiber Meta hatten in den vergangenen Wochen ebenfalls jeweils eine deutliche Ausweitung ihrer Investitionen in KI-Infrastruktur angekündigt. ⁠Anleger reagierten jedoch nur dann positiv, wenn die Unternehmen kräftige Steigerungen bei Umsatz oder Gewinn vorweisen konnten.

Die Deutsche Lufthansa arbeitet zum 100. Jahrestag ihrer Gründung 1926 ihr Geschichte in der NS-Zeit neu auf.  „Lufthansa war kein Unternehmen im Nationalsozialismus, es war ein Unternehmen des Nationalsozialismus“, sagt der vom Konzern beauftragte Historiker Manfred Grieger. Erhard Milch saß im Vorstand der Lufthansa und war zugleich Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium unter Hermann Göring. Für diesen Posten hatte Milch sich selbst empfohlen. 1933 war er der NSDAP beigetreten, rückwirkend zum 1. April 1929 – also noch vor der Machtergreifung 1933. Später stieg er bis zum Befehlshaber der Luftwaffe auf. Das Unternehmen habe der „verdeckten Aufrüstung“ gedient. Die Ju-52 in der Flotte war auch ein \"Behelfsbomber\", ein Dual-Use-Flugzeug. Lufthansa beschäftigte in der NS-Zeit und im Zweiten Weltkrieg zudem Tausende Zwangsarbeiter. Neu sind die Erkenntnisse nicht. Studien dazu hat der Konzern längst angestellt. Doch mit dem schonungslosen Offenlegen der Ergebnisse hat man sich nicht immer leicht getan. Dazu gehörte, dass eine Studie lange nur auf Anfrage herausgegeben wurde und Jahre später als Anhang zu einem anderen Buch herausgegeben wurde. Vorstandschef Carsten Spohr verordnet zum 100. Gründungstag mehr Transparenz. Vorkriegs- und Nachkriegs-Lufthansa werden nun in einer Linie gesehen. Die Erkenntnis sei klar, der der frühere Umgang mit der eigenen Geschichte \"falsch\" war und dem Unternehmen auch geschadet habe, sagt Spohr. „Wir haben sehr klar den Kurs gesetzt, dass wir jetzt mit dem Thema anders umgehen.\" Und noch eine Historiker-Erkenntnis Griegers für die Ewigkeit - basierend auf der Untersuchung der NS-Zeit der Lufthansa, auf die Liquiditation und ein Neustart folgten: Kooperierten Unternehmen mit autoritären Regimen, gehe es für sie meist erst aufwärts, dann aber rapide nach unten. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/deutsche-lufthansa-vergangenheit-im-nationalsozialismus-200504942.html