FAZ 06.03.2026
07:29 Uhr

Business-Ticker: Lufthansa mit Rekordumsatz – Gewinn soll trotz Irankrieg steigen


Kartellamtschef Mundt sieht wenig Handlungsspielraum in Sachen Spritpreis +++ Berlusconi bekommt mehr Macht denn je +++ USA verlängern Ausnahme von Sanktionen für Rosneft Deutschland +++ Neuigkeiten im Unternehmen-Liveblog.

Business-Ticker: Lufthansa mit Rekordumsatz – Gewinn soll trotz Irankrieg steigen

Anthropic als Risiko für US-Lieferkette eingestuftDas Pentagon hat das KI-Unternehmen Anthropic offiziell als Risiko für die Lieferkette eingestuft. Die am Donnerstag (Ortszeit) verhängte Maßnahme verbietet Regierungsauftragnehmern mit sofortiger Wirkung den Einsatz von Anthropic-Technologie bei ihrer Arbeit für das US-Militär, wie das Unternehmen bestätigte. Firmenchef Dario Amodei kündigte in einer Erklärung an, gerichtlich gegen die Entscheidung vorgehen zu wollen. Die Maßnahme folgt einer Anweisung von US-Präsident Donald Trump vom vergangenen Freitag, die allen Bundesbehörden die Nutzung von Anthropic-Produkten untersagt. 

Toyota drosselt Produktion wegen IrankonfliktsToyota Motor wird seine Produktion von Fahrzeugen, die für den Nahen Osten bestimmt sind, aufgrund des Irankonflikts deutlich reduzieren. Die Kürzungen werden etwa 20.000 Fahrzeuge ausmachen, was dem Großteil der üblichen monatlichen Lieferungen des Unternehmens aus Japan in die Region entspricht. Das berichtete der öffentlich-rechtliche Fernsehsender NHK. Vor allem für die großen Geländewagen und Pick-Ups von Toyota ist der Nahe Osten ein wichtiger Absatzmarkt. Im vergangenen Jahr exportierte Toyota etwa 20.000 bis 30.000 Fahrzeuge pro Monat in diese Region. Die Kürzung erfolgt nun, da der Transport der Fahrzeuge über den Seeweg durch die Blockade der Straße von Hormus bis auf Weiteres nicht mehr möglich ist. Dem Bericht zufolge soll der Plan zunächst bis Ende März laufen. Zuvor hatte die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ unter Berufung auf Zulieferer von Toyota berichtet, dass bis zu 40.000 Fahrzeuge weniger produziert werden sollten. In Japan geht die Sorge um, dass auch andere heimische Hersteller gezwungen sein könnten, ihre Exporte in die Region zu reduzieren, nachdem viele von ihnen wegen der erhöhten Zölle in den Vereinigten Staaten bereits Schwierigkeiten haben. 

Nach teurem KI-Ausbau: Oracle plant Tausende Stellenstreichungen Der US-Softwarekonzern und SAP-Konkurrent Oracle plant einem Medienbericht ⁠zufolge wegen der hohen Kosten für den Ausbau seiner KI-Rechenzentren die Streichung Tausender Stellen. Der Abbau solle Unternehmensbereiche übergreifend erfolgen und könne bereits in diesem ‌Monat ‌beginnen, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag unter Berufung auf Insider. Die Kürzungen seien ​weitreichender als ⁠üblich. Einige beträfen demnach Stellen, deren Bedeutung nach Einschätzung des Unternehmens ​wegen des Einsatzes von Künstlicher ⁠Intelligenz (KI) abnehmen werde. ‌Zudem habe Oracle intern angekündigt, viele offene Stellen in seiner Cloud-Sparte ⁠zu überprüfen ⁠und damit den Einstellungsprozess zu verlangsamen. ⁠Oracle lehnte ​eine Stellungnahme ⁠ab. 

Shein verkauft weiter mit gefährlichen Chemikalien belastete KleidungDer asiatische Billig-Modehändler Shein bietet auf seiner Plattform nach Recherchen von Greenpeace weiterhin Kleidung an, die mit gefährlichen Chemikalien belastet ist. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Eine Untersuchung des Bremer Umweltinstituts im Januar habe ergeben, dass viele der angebotenen Kleidungsstücke nach wie vor die Grenzwerte der europäischen Chemikalienverordnung überschritten, erklärten die Umweltschützer am Donnerstag. Shein versprach, den Ergebnissen der Untersuchung nachzugehen und räumte Fehler ein.Greenpeace hatte den Angaben nach bereits im November eine Reihe von mit gefährlichen Chemikalien belasteten Produkten von Shein gefunden. Das Unternehmen habe daraufhin angekündigt, die betroffenen Artikel vom Markt zu nehmen. Im Januar seien dann identische oder sehr ähnliche Produkte wie im November untersucht worden – mit sehr ähnlichen Ergebnissen, erklärte Greenpeace. Tatsächlich habe Shein lediglich beanstandete Produktnummern entfernt.In einigen Fällen seien die beanstandeten Produkte schlicht nicht aus dem Sortiment genommen worden. So werde eine mit Chemikalien belastete Outdoor-Jacke weiterhin vom selben Händler auf der Plattform angeboten, erklärte Greenpeace. Oder es blieben sehr ähnliche Produkte im Sortiment: Etwa Sandalen, mit chemisch belasteten Fußbetten. Laut Greenpeace nahm Shein lediglich eine Farbvariante aus dem Sortiment. Shein gestand Fehler ein: „Wir (...) erkennen an, dass dieser Vorgang Bereiche aufzeigt, in denen unsere Kontrollen weiter gestärkt werden können“, erklärte ein Unternehmenssprecher. Infolge der ersten Untersuchung seien die von Greenpeace genannten Produkte „umgehend weltweit von unserer Plattform entfernt“. Und auch die in dem neuen Bericht identifizierten Produkte seien nun sofort entfernt worden. „Gleichzeitig führen wir weitere eigene Tests durch“, führte der Sprecher aus.

Berlusconi bekommt mehr Macht denn jeDer Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat1-Muttergesellschaft, Pier Silvio Berlusconi, zementiert seine Macht. Er wird beim italienischen Medienkonzern Media for Europe (MFE) nun zusätzlich Verwaltungsratsvorsitzender. Damit löst Berlusconi den 88 Jahre alten Fedele Confalonieri ab, der ein alter Weggefährte seines verstorbenen Vaters Silvio Berlusconi ist. Pier Silvio ist mit anderen Familienmitgliedern auch der maßgebliche Eigentümer des in Italien börsennotierten Medienkonzerns, der sich vor allem auf das Fernsehgeschäft konzentriert.Zudem will MFE nun Strukturen einziehen, die den Konzern zu einer „international integrierten Unternehmensgruppe“ machen, wie Berlusconi mitteilte. Alle Funktionen des Top-Managements sollen konzernweite Zuständigkeit bekommen, was vor allem die Märkte Italien, Spanien und Deutschland betrifft. Der von MFE geschickte ProSiebenSat1-Vorstandsvorsitzende Marco Giordani wird Finanzvorstand der Gruppe und zuständig für die gesamte internationale Geschäftsentwicklung. Vom Münchner ProSiebenSat1-Standort aus sollen künftige digitale Innovationen und Künstliche Intelligenz entwickelt und verbreitet werden. Dirk Voigtländer, langjähriger Leiter des Bereichs Investor Relations, wird die entsprechende Abteilung leiten, teilt das Unternehmen mit.

USA verlängern Ausnahme von Sanktionen für Rosneft DeutschlandDas US-Finanzministerium hat die ursprünglich bis Ende April begrenzte Ausnahmeregelung von Sanktionen für die deutschen Tochtergesellschaften des russischen Ölkonzerns Rosneft unbefristet verlängert. Die entsprechende erweiterte General License hat das Office of Foreign Asset Control (OFAC) am Donnerstag veröffentlicht. Die Verlängerung der Ausnahmeregelung ist vor allem für die mehrheitlich von Rosneft Deutschland kontrollierte PCK Raffinerie in Schwedt von Bedeutung. Mitte Januar hatte die Geschäftsführung der PCK in einem Schreiben an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) von Beeinträchtigungen im Geschäftsbetrieb berichtet und die Ministerin gebeten, möglichst schnell für eine Verlängerung der Ausnahme von US-Sanktionen zu sorgen. Die Raffinerie versorgt weite Teile von Ostdeutschland und Berlin mit Treibstoff.Auch die seit dreieinhalb Jahren bestehende Treuhandverwaltung der Bundesnetzagentur über Rosneft Deutschland wurde vor wenigen Tagen unbefristet verlängert. Zu den Vermögenswerten gehören neben der Beteiligung an der PCK-Raffinerie im ​ostdeutschen Schwedt auch Minderheitsanteile an Raffinerien in Karlsruhe und im bayerischen Vohburg.

Kartellamtschef Mundt sieht wenig Handlungsspielraum in Sachen SpritpreisDas Bundeskartellamt hat klargestellt, wenig gegen die aktuell hohen Preise an den Tankstellen tun zu können, die nach Beginn des Iran-Krieges nach oben geschnellt sind. In einem von Kartellamtspräsident Andreas Mundt verschickten Statement heißt es, es gebe „kein Instrumentarium“, um geopolitisch getriebene Preissteigerungen „quasi auf Knopfdruck zu verhindern“. Das Kartellamt analysiere die Preisentwicklung fortlaufend und stehe in engem Austausch mit dem Bundeswirtschaftsministerium, so Mundt. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte zuvor eine kartellrechtliche Prüfung der Preissprünge an den Tankstellen infolge des Irankriegs angekündigt. „Wir werden prüfen, dass nicht eine Situation ausgenutzt wird, die sich an den Märkten abbildet, aber nicht in dieser Höhe“, sagte Reiche in einem Podcast von „Table Briefings“. Mundt kündigte an, „konsequent dagegen vorgehen“ zu wollen, sollten sich Hinweise auf kartellrechtswidriges Verhalten der Mineralölkonzerne zeigen. Allerdings deutete er an, dass das nicht so einfach geht. „Selbst ein ungewöhnlich hoher Abstand zwischen der Entwicklung des Rohölpreises und den Preisen an der Tankstelle, den wir zumindest bei E5 und E10 bislang auch gar nicht sehen, würde keinen unmittelbaren Verdacht auf ein illegales Verhalten der Konzerne darstellen“, stellte er klar. 

Cum-Ex: Frühere Warburg-Mitarbeiter vor GerichtEin weiteres Cum-Ex-Verfahren beginnt am 24. März im neuen Prozessgebäude in Siegburg bei Bonn. Eine Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts hat die Anklage gegen drei ehemalige Mitarbeiter der Hamburger Privatbank M.M. Warburg wegen Steuerhinterziehung beziehungsweise Beihilfe zur Steuerhinterziehung zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet. Die Staatsanwaltschaft Köln wirft den Angeklagten – einem früheren Abteilungsleiter, einem damaligen Mitarbeiter im Risikocontrolling und einem einstigen Syndikusanwalt der Bank – vor, an den illegalen Aktienkreisgeschäften zulasten der Staatskasse mitgewirkt oder diese unterstützt zu haben. Die Taten sollen zwischen 2007 und 2019 stattgefunden haben.Eine ebenfalls angeklagte Steuerbeamtin des Finanzamts für Großunternehmen in Hamburg muss sich hingegen nicht wegen Beihilfe verantworten. In ihrem Fall fehle es an hinreichenden Anhaltspunkten für einen Gehilfenvorsatz. Sie habe im Rahmen der Betriebsprüfung keine Kenntnis der falschen Angaben des Bankhauses gehabt, so das Gericht. Wegen der Beteiligung der Angeschuldigten und einer möglichen Abtrennung ihres Verfahrens hatte es bereits einen juristischen Streit bis hin zum Oberlandesgericht Köln gegeben.Die Warburg-Bank war mehr als Jahre im Cum-Ex-Handel aktiv. In Bonn wurden schon mehrere ehemalige Mitarbeiter der Bank zu Haftstrafen verurteilt. Das Landgericht setzte auch die Einziehung von 176,5 Millionen Euro an Taterträgen aus Cum-Ex-Geschäften bei der Privatbank durch. Der Strafprozess gegen Christian Olearius, Miteigentümer der Warburg-Bank, wurde hingegen im Juni 2024 eingestellt.

Google eröffnet KI-Zentrum in Berlin Der US-Technologiekonzern Google hat in Berlin ein Zentrum für Künstliche Intelligenz eröffnet. Das neue „Google AI Center“ ist zentraler Bestandteil eines großangelegten Investitionsprogramms von 5,5 Milliarden Euro, mit dem der Konzern bis 2029 seine Infrastruktur in Deutschland ausbaut und die hiesige Wirtschaft bei der KI-Nutzung unterstützen will. Das Zentrum soll weiterhin eine vertiefte Zusammenarbeit mit Vertretern der Wissenschaft und der Politik fördern. In den historischen Räumen des Forums an der Museumsinsel im Berliner Ortsteil Mitte bündelt Google künftig Teams von Google DeepMind, Google Research und Google Cloud unter einem Dach. Das Zentrum umfasst nun auch einen „AI-Demo-Space“ zur Präsentation neuester KI-Technologien. Philipp Justus, Google-Chef für Zentraleuropa, sagte, das Zentrum sei ein „Ort für Zusammenarbeit und Debatten“, der den KI-Standort Deutschland voranbringen solle.Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) sagte: „Das ist ein guter Tag für Deutschland – für den KI-Standort Deutschland.“ Die Entscheidung von Google zeige, dass die Bundesrepublik ein attraktiver Hightech-Standort sei. „Hier vor Ort entstehen neue Ideen, Kooperationen und Produkte, von denen Start-ups, Mittelstand und Industrie profitieren.“ Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sah in dem neuen Zentrum „einen klaren Vertrauensbeweis in die Stärke und Zukunftsfähigkeit“ der Hauptstadt.

Merck erwartet für 2026 einen Gewinnrückgang Für Belén Garijo war es das letzte Mal, dass sie als Geschäftsführerin des Darmstädter Pharmakonzerns Merck vor die Presse trat. Im Mai wird die Spanierin die Konzernleitung an ihren Nachfolger Kai Beckmann übergeben, der bislang die Electronics-Sparte verantwortet hat. Während Garijo im Jahr 2021 als „Covid-CEO“ kam, wird Beckmann ein ähnlich volatiles Marktumfeld vorfinden. Dieses macht sich auch in den Geschäftszahlen für 2025 bemerkbar: Mit Umsatzerlösen von 21,1 Milliarden Euro lag das Ergebnis zwar im Rahmen der Prognose. Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Umsätze aber um 0,3 Prozent zurück. Grund dafür seien vor allem negative Währungseffekte durch den US-Dollar und asiatische Währungen. Das bereinigte Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA pre) betrug 6,1 Milliarden Euro und wuchs damit um 5,6 Prozent. Das Unternehmen plant, seinen Aktionären erneut eine Dividende von 2,20 Euro auszuzahlen. Bei der Prognose für das laufende Geschäftsjahr gibt sich Merck vorsichtig und stellt sogar einen Gewinnrückgang in Aussicht. So geht das Unternehmen für 2026 von einem Ergebnis vor Sondereffekten zwischen 5,5 und sechs Milliarden Euro aus. Auch die Umsätze dürften stagnieren. Die Aktie verlor bis zum späten Nachmittag um vier Prozent ihres Werts. Grund für die Zurückhaltung ist die auslaufende Exklusivität des Medikaments Mavenclad zur Behandlung von Multipler Sklerose, das 2025 noch 1,2 Milliarden Euro erwirtschaftet hatte. Folglich rechnet Merck mit einem hohen Wettbewerb durch Generika-Hersteller in den USA. Laut der Finanzchefin Helene von Roeder entfiel rund die Hälfte der zuletzt erzielten Umsätze mit Mavenclad auf die USA, die übrigen 50 Prozent würden in Europa erwirtschaftet. „Wenn wir uns die USA ansehen, gibt es eine Reihe von Generika, die auf den Markt kommen könnten. Sie könnten schon morgen in den Verkauf gehen“, sagte von Roeder. Für Ausgleich könnte in der Pharma-Sparte hingegen der 2025 von Merck übernommene US-Konzern Springworks sorgen. Ab der zweiten Hälfte des Jahres 2026 werde das Biotech-Unternehmen, das sich auf seltene Tumore, etwa in Nerven und Muskeln spezialisiert, zum organischen Wachstum beitragen, so die Erwartung.

DHL trotzt den schweren Zeiten, bleibt aber vorsichtigDer Bonner Logistikkonzern DHL muss für das Jahr 2025 sinkende Umsätze vermelden, hat aber trotzdem – auch Dank der Effekte seines Sparprogramms – Gewinn gemacht. Das teilte DHL am Donnerstag anlässlich der Veröffentlichung seiner Jahresbilanz mit. In einem Umfeld, in dem das Unternehmen mit der US-Zollpolitik und nun auch mit dem Iran-Krieg konfrontiert ist, äußert sich Konzernchef Tobias Meyer vorsichtig für die Zukunft: „Die Volatilität der Weltwirtschaft wird uns auch 2026 begleiten“, sagte der Manager, dessen Vertrag der DHL-Aufsichtsrat am Mittwoch bis zum März 2031 verlängert hatte.Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag im abgelaufenen Jahr bei 6,1 Milliarden Euro; der Umsatz sank hingegen um 1,6 Prozent auf 82,9 Milliarden Euro. Obwohl DHL im Expressgeschäft mit schrumpfenden Sendungsvolumina in Richtung USA zurechtkommen musste, konnte der Konzern in dieser Sparte ein Ergebniswachstum verbuchen. Die Lieferkettensparte Supply Chain wuchs ebenfalls. Das internationale Frachtgeschäft lief hingegen nicht gut – wegen schwacher Konjunktur und niedriger Preise für Frachttransporte. Recht positiv fielen die Zahlen in der Sorgenkind-Sparte Post und Paket Deutschland aus. Dort zeigt anscheinend das im vergangenen Jahr verkündete Sparprogramm Wirkung; das Betriebsergebnis verbesserte sich. 

US-Gericht: Unternehmen haben Anspruch auf Zoll-Rückzahlung Die US-Regierung hat im Rechtsstreit um ihre Zölle eine weitere Niederlage kassiert. Ein Richter am Gericht für internationalen Handel in New York entschied, dass Importeure Anspruch auf Rückzahlungen für bereits entrichtete Zölle haben, die das oberste US-Gericht jüngst für unrechtmäßig erklärt hatte. Kläger war in dem konkreten Fall ein Unternehmen aus dem Bundesstaat Tennessee. Unter Berufung auf ein Notstandsgesetz aus dem Jahr 1977 hatte Präsident Donald Trump seit Beginn seiner zweiten Amtszeit am Kongress vorbei Zölle gegen Dutzende Handelspartner verhängt. Der Supreme Court erklärte diese Zölle in einer wegweisenden Entscheidung im vergangenen Monat für rechtswidrig. Das Gesetz erlaube es dem US-Präsidenten nicht, eigenständig Zölle zu verhängen, urteilten die Richterinnen und Richter. Ob die Regierung Zolleinnahmen an Importeure zurückzahlen muss, entschieden sie dabei nicht. Mehrere Unternehmen, wie beispielsweise auch der US-Logistikkonzern Fedex, hatten daraufhin beim Gericht für internationalen Handel in New York Klagen gegen die Regierung eingereicht, um eine Rückerstattung bereits gezahlter Zölle durchzusetzen. Bereits unmittelbar nach dem Urteil des Supreme Courts wurde mit einer Welle an Rückforderungen solcher Zölle gerechnet. Nach Berechnungen der University of Pennsylvania geht es für den US-Staatshaushalt um etwa 175 Milliarden US-Dollar. Das entspräche etwa 2,5 Prozent des US-Haushalts. 

Nvidia-Chef: Keine 100-Milliarden-Investition in OpenAI wegen Börsengang Nvidia hat einer milliardenschweren Investition in ​den ChatGPT-Entwickler OpenAI eine Absage erteilt. Die Möglichkeit, 100 Milliarden Dollar ⁠in das KI-Unternehmen zu stecken, sei wahrscheinlich vom Tisch, sagte Konzernchef Jensen Huang am Mittwoch auf einer Konferenz der Bank Morgan Stanley. Da ‌OpenAI noch in diesem Jahr an die Börse gehen wolle, sei das Zeitfenster für derartige Einstiege geschlossen.Nvidia hatte Ende Februar eine ‌Investition von 30 Milliarden Dollar ‌zugesagt. Dies sei womöglich das letzte Mal gewesen, dass sich die Gelegenheit geboten habe, „in ein so bedeutendes Unternehmen wie dieses zu investieren“, erklärte Huang. ​Auch die Beteiligung von zehn Milliarden ⁠Dollar am OpenAI-Konkurrenten Anthropic werde wohl die letzte ihrer Art sein. Stellungnahmen von OpenAI und ​Anthropic lagen Reuters zunächst nicht vor.OpenAI hatte sich im Februar in einer ⁠Finanzierungsrunde insgesamt 110 Milliarden ‌Dollar gesichert und kam damit auf eine Bewertung von 840 Milliarden Dollar. Neben Nvidia zählten Amazon mit einer Zusage über 50 Milliarden Dollar ⁠sowie SoftBank mit ⁠30 Milliarden Dollar zu den größten Geldgebern. Die Kapitalspritze dient der Vorbereitung auf ⁠den erwarteten ​Börsengang. ⁠Unklar war bislang geblieben, ob ​die 30 Milliarden Dollar von Nvidia die im ‌Raum stehende Summe von 100 Milliarden ersetzen würden – dies hat Huang nun ​bestätigt. 

Börsen in Japan und Südkorea erholen sich deutlich Die Börsenkurse in Japan und Südkorea haben sich nach den Einbrüchen infolge des neuen Konflikts im Nahen Osten erstmals wieder deutlich erholt. Der japanische Nikkei-Index schaffte bis 10.00 Uhr (Ortszeit) ein Plus von über vier Prozent, der südkoreanische Leitindex KOSPI stieg sogar um knapp zwölf Prozent. Die Markterholung wird von Beobachtern unter anderem mit dem sich stabilisierenden Ölpreis erklärt. Die Börsen in Tokio und Seoul können damit einen Teil der Verluste von Beginn der Woche wieder kompensieren. Wegen des sich ausweitenden Iran-Kriegs kam es zu massiven Verkäufen, der KOSPI erlitt am Mittwoch mit Minus zwölf Prozent den stärksten Kurseinbruch in der Geschichte des Leitindexes.Südkorea und Japan hängen stark von Ölimporten aus dem Nahen Osten ab, die größtenteils über die Straße von Hormus transportiert werden. Derzeit ist der Schiffsverkehr in der Meeresenge wegen des Iran-Kriegs stark eingeschränkt und gilt als sehr riskant. Zudem sind die Preise für Rohöl seit Beginn des Kriegs deutlich gestiegen.