FAZ 19.01.2026
14:24 Uhr

Bushido in der festhalle: „Danke, Frankfurt, für alles!“


Bushido zieht sich aus dem Leben als aktiver Musiker zurück und tritt auf seiner Abschiedstournee in der Frankfurter Festhalle auf.  Bei seinen Fans bedankt er sich für die jahrelange Treue.

Bushido in der festhalle: „Danke, Frankfurt, für alles!“

Ganz am Ende, nach dem Finale eines mehr als zwei Stunden langen Karriererückblicks, ruft Bushido seinem Publikum in der Frankfurter Festhalle noch einen Satz zu: „Ich brauche nichts außer meiner Familie.“ Da liegen die Worte „Danke, Frankfurt, für alles!“ schon hinter ihm. Fortan also gibt der 1978 in Bonn geborene und in Berlin aufgewachsene Rapper, der auch Komponist, Texter, Produzent und Plattenlabeleigner ist, seiner Ehefrau Anna-Maria Ferchichi sowie seinen acht Kindern den Vorzug. Nicht zu vergessen: Auch eine wie geschmiert laufende Karriere als Reality-TV-Star und Podcaster hatte er sich aufgebaut. „Zeiten ändern dich“, so hieß 2010 die von Bernd Eichinger und Christian Becker produzierte Kinobiographie über Anis Mohamed Youssef Ferchichi alias Bushido, Sohn einer deutschen Mutter und eines aus Tunesien stammenden Vaters. Es ist gewissermaßen bis in die Gegenwart eine philosophische Leitlinie des umtriebigen Künstlers geblieben. Doch in der Abschiedsshow der gegenwärtigen „Alles wird gut“-Tour vor gut 9000 Besuchern präsentiert der Vielfachbegabte sich ziemlich kurzweilig ganz als sich selbst. Trotz des vielen Geredes, der Geselligkeit, der Gefühligkeit und des Gerappten. Vom Gangsta-Rap zum Familienclan-Spleen Auf riesigen Projektionsflächen beginnt der Abend mit einem Videosammelsurium, von 1998 bis heute. Da trifft der alte Bushido aus der Aggro-Berlin-Ära mit provokantem Gangsta-Rap auf den neuen Bushido mit dem ausgeprägten Familienclan-Spleen. Eine außergewöhnliche Karriere mit ganz vielen Hochs und einigen Tiefs. An Bushidos Seite befinden sich der Backup-Rapper Aras (4RAS) sowie der Tour-DJ Gan-G und der erst 20 Jahre alte DJ Rabe. Der Einstand erfolgt fulminant mit „Kleine Bushidos“. Noch ist kein Enthusiasmus zu spüren, weder im Publikum noch bei Bushido. „Ich hab noch eine angeraute Stimme von gestern Abend in Stuttgart – ich benötige ein, zwei oder drei Songs, bis ich Öl auf den Stimmbändern habe“, erklärt er. Gedeckte Farben mit zahllosen Scheinwerfern dominieren das Bühnenambiente. Auf einer in fünf Segmente geteilten Leinwand ist dauernd etwas zu sehen. Mitunter setzt die Crew auf sprühende Pyrotechnik, manchmal knallt es. Voll illuminiert präsentiert sich die Show hingegen erst irgendwann zur Mitte hin. Ghetto-Poesie und Familien-Porträt Bushido driftet launig durch sein Repertoire: „Wenn wir kommen“, „Berlin“, „Tempelhofer Junge“, „Electrofaust“, „Zeiten ändern dich“ und „Von der Skyline zum Bordstein zurück“ – da schwelgt das Publikum versonnen in der eigenen Teenagerzeit. Bushido gelingt die Gratwanderung zwischen abenteuerlichem Ghetto-Porträt sowie eigenem Nachwuchs und der über alles geliebten Ehefrau, Schwester von Sarah Connor. Richtig Fahrt auf nimmt die Werkschau, als Leon aus dem Publikum, ein nervöser 25 Jahre alter Krankenpfleger, gerne den Part des spontan geheuerten Rappers in „Sonnenbank Flavour“ übernehmen möchte. Leon liefert mehr als ordentlich ab. An jener Stelle möchte Bushido zwar noch dessen Herz und Augen küssen. Doch nach einem Heiratsantrag Leons an seine Arbeitskollegin Larissa, den sie ablehnt, kippt kurz die Stimmung. Danach darf der angekränkelte DJ Rabe „Schmetterling“ rappen – auch nicht so ganz der Bringer. Weitere Glanzlichter wie „Panamera Flow“, das lange Zeit induzierte „Stress ohne Grund“, „Sterne“, „Sodom und Gomorrha“, „Alles verloren“ und „Vergeben & Vergessen“ übernehmen wieder Bushido und Aras. Komplexeres in den Arrangements geht im dumpfen Dröhnen zwar leider unter, aber die Besucherschar ist jetzt auf Betriebstemperatur. „Ich will jetzt alle Hände sehen“, fordert Bushido vehement. Zum wiederholten Mal bedankt er sich bei seinen Fans für die jahrelange Treue. Beteuert innig, dass es sein allerletztes Konzert hier in Frankfurt und kein Marketing-Gag sei. Nach monatelangem Bangen um seine Ehe befindet sich nun wieder alles im Lot – der Ferchichi-Familienclan pendelt jetzt zwischen Dubai und einer neu erworbenen Prachtvilla in München. Nach „Ronin“ und „Nie ein Rapper“ endet der offizielle Teil. Bushidos zwölf Jahre alte Tochter Leyla kommt ins Rampenlicht. Erzählt, dass sie gerne reitet. Längst umflirren farbenprächtige Märchenwolken die sagenhafte Saga vom Aufstieg des maximal erfolgreichen Multimillionärs. Mit „Du liebst mich nicht“, „Papa“, „Familie“ und „Für immer jung“ endet die legendäre Mär. Ein, zwei Fotos noch mit Team und Publikum, dann verschwindet Anis Mohamed Youssef Ferchichi in den Tourbus.