FAZ 25.11.2025
14:14 Uhr

Bundeswehr: So viel verdienen Freiwillige im neuen Wehrdienst


Mit einer attraktiven Vergütung und einem Führerscheinzuschuss will die Bundeswehr junge Menschen für den neuen Wehrdienst gewinnen. Ausbildung und Bundesfreiwilligendienst können da kaum mithalten.

Bundeswehr: So viel verdienen Freiwillige im neuen Wehrdienst
Nach bundesweiten Bombendrohungen hat die Polizei mehrere Wohnungen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Sachsen-Anhalt durchsucht (Symbolbild). (Foto: Marijan Murat/dpa)

Gerade aus der Schule raus, eröffnet sich jungen Menschen ein Überangebot an Möglichkeiten: Ausbildung, Studium, Freiwilligendienst oder doch Australien? Der kürzlich geschlossene Regierungskompromiss für einen neuen Wehrdienst dürfte diese Entscheidung nicht unbedingt erleichtern. Nach langem Ringen haben sich Union und SPD Mitte November auf ein Modell geeinigt, das zunächst auf Freiwilligkeit setzt. Ziel ist, dass die Bundeswehr bis zum Jahr 2035 auf mehr als 260.000 Zeit- und Berufssoldaten sowie 200.000 Reservisten wächst. Überzeugen will man junge Menschen durch attraktive Angebote, wie es in dem gemeinsamen Papier der Regierungsfraktionen heißt. Wie soll das gelingen? Zuvorderst mit rund 2600 Euro brutto im Monat. So haben es SPD und CDU/CSU in ihrer Vereinbarung festgelegt. Das Verteidigungsministerium schreibt auf seiner Internetseite von „mindestens“ 2600 Euro brutto für den neuen Wehrdienst, der mindestens sechs Monate dauert. Das sind rund 800 Euro mehr als bisher. Soldaten zahlen keine Sozialversicherungsbeiträge, das heißt, von dem Sold gehen nur Lohn- und gegebenenfalls Kirchensteuer ab. Das gilt – so wie bisher auch schon – auch für den freiwilligen Wehrdienst. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Gehalt eines Auszubildenden belief sich im April 2024 nach Angaben des Statistischen Bundesamts auf 1238 Euro brutto. Das ist weniger als die Hälfte des vorgesehenen Wehrdienstsolds. Hinzu kommt: Anders als Wehrdienstleistende zahlen Auszubildende grundsätzlich Sozialversicherungsbeiträge, die sie sich in der Regel hälftig mit ihrem Arbeitgeber teilen. Zuschuss für den Führerschein nach einem Jahr Im Bundesfreiwilligendienst (BFD) wiederum erhalten Freiwillige aktuell maximal 644 Euro im Monat. Das ist allerdings kein Gehalt, sondern ein Taschengeld. Versteuert werden muss es nicht, Sozialabgaben werden grundsätzlich von der Einsatzstelle übernommen. Parallel zum Ausbau der Bundeswehr soll auch der Freiwilligendienst gestärkt werden: 50 Millionen Euro will die Bundesregierung den Freiwilligendiensten im kommenden Jahr bereitstellen. Damit sollen zum einen mehr Plätze und zum anderen mehr Taschengeld ermöglicht werden. Ähnlich deutlich wie bei der Vergütung hebt sich der geplante Wehrdienst auch in seinen Zusatzleistungen von Ausbildung und Freiwilligendienst ab. Viel diskutiert wird derzeit der Führerscheinzuschuss, den die Bundeswehr ihren Wehrdienstleistenden künftig in Aussicht stellen will. Möglich sein soll das allerdings erst bei einer Verpflichtung von mindestens einem Jahr. Hinzu kommen Vorteile, die schon jetzt für freiwillige Wehrdienstleistende gelten: Die Bundeswehr übernimmt die Fahrtkosten für Wege zwischen Einsatzstelle und Wohnort. Öffentliche Verkehrsmittel können Soldaten zudem kostenfrei nutzen, sofern sie ihre Uniform tragen. Wer mindestens zwölf Monate Wehrdienst leistet, soll nach den Plänen des Kabinetts zum „Soldaten auf Zeit“ hochgestuft werden. Die Vergütung soll sich dann auf 2700 Euro brutto im Monat belaufen. Soldaten auf Zeit profitieren außerdem von Vorteilen wie einer unentgeltlichen und umfassenden ärztlichen Versorgung. Sorge um Fachkräfte in der Wirtschaft Die Zusatzleistungen im Bundesfreiwilligendienst oder einer klassischen Berufsausbildung fallen da deutlich kompakter aus. Je nach Einsatzstelle können Freiwillige im BFD Zuschüsse für Unterkunft oder Mobilität erhalten. ÖPNV-Tickets werden in der Regel nicht gestellt. Mit ihrem Freiwilligenausweis bekommen BFD-Leistende aber Vergünstigungen für Museen, Sportstudios oder Mietwagenverleiher. Bei Auszubildenden sind die Zusatzleistungen stark abhängig vom Betrieb. Sicher sein dürfte jedoch, dass die wenigsten Unternehmen mit dem geplanten Sold für den freiwilligen Wehrdienst und den weiteren finanziellen Vorteilen der Bundeswehr mithalten können. Diese Sorge sieht man auch in der Wirtschaft. Zwar könne man die Ziele des neuen Wehrdienstmodells gut nachvollziehen, sagt Achim Dercks, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). „Zugleich hat ein Teil der Unternehmen die Sorge, dass sich schon mit dem freiwilligen, in jedem Fall aber mit einem möglichen künftig verpflichtenden Wehrdienst der Wettbewerb um die für die Wirtschaft dringend benötigten Fachkräfte zwischen Wirtschaft und öffentlichem Dienst weiter intensivieren wird“, so Dercks. In seinen Augen ist es daher umso wichtiger, Wehrdienst mit beruflicher Bildung und der Arbeitswelt zusammenzudenken – „zum Vorteil von Staat und Wirtschaft.“