FAZ 22.11.2025
08:50 Uhr

Bundestrainer Nagelsmann: Es lebe das Schw-!


Julian Nagelsmann lobt DFB-Spieler nach WM-Qualifikation, ohne das Wort Schwein zu sagen: Ist das witzig oder woke?

Bundestrainer Nagelsmann: Es lebe das Schw-!

Waren wir die Einzigen, die nach dem Sechszunullrausch schnell ins Grübeln gerieten? Und zwar in dem Moment, als Julian Nagelsmann seine künftigen WM-Teilnehmer für ihren Einsatz gegen die Slowakei lobte, sie hätten „gearbeitet wie das rosafarbene Tier“. Wir fragten uns sogleich, ob das witzig gewesen sein sollte oder woke. Wollte der Bundestrainer beweisen, dass er keinen diskriminieren möchte, der alles frisst und sich im Dreck suhlt? Wir täten uns schwer mit dem Verzicht aufs Schw-Wort. Zum Einen erkennen wir an, dass das Tier kognitiv einiges drauf hat und uns Menschen physiologisch ähnlich ist. Zum anderen werden das Schw-Wort und dergleichen im Sport oft liebevoll verwendet. Man denke an die früheren Fußballprofis Wilfried Landgraf und Marc Wilmots, die als „Willi das Kampfschw-“ verehrt wurden. Oder an Boule-Spieler, die sich die Silben -einchen, -au und -utz verkneifen müssten, wenn sie für die Zielkugel die üblichen Begriffe Schw-, S- oder W- nutzen Auch Udo Bölts’ Ruf zu Jan Ullrich müsste angepasst werden. „Quäl dich, du rosafarbener weiblicher Paarhufer!“ klingt in unseren Ohren allerdings eher abtörnend. Wer das Originalzitat des Radprofis Bölts weiter verwendet, der werfe fünf Euro ins Phrasenrosafarbenetier.