FAZ 06.03.2026
17:35 Uhr

Bundestag ändert Gesetz: Wann dürfen Wölfe nun gejagt werden?


Der Bundestag will den Abschuss von Wölfen erleichtern. Was sind die Gründe? Mit wie vielen Abschüssen ist zu rechnen?  Und gibt es künftig einen Trophäenhandel? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Bundestag ändert Gesetz: Wann dürfen Wölfe nun gejagt werden?

Wieso sollen Wölfe künftig wieder gejagt werden können? Weil es mittlerweile wieder so viele Wölfe in Deutschland gibt, dass die Probleme durch die Raubtiere aus Sicht von Union und SPD überhand nehmen. Auch die AfD stimmte für die Novelle. Nun muss noch der Bundesrat zustimmen. Wer hat mit Wölfen Probleme? Vor allem Weidetierhalter. Wölfe er­nähren sich zwar zu 90 Prozent von Rehen, Hirschen und Wildschweinen, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium schreibt. Aber auch Nutztiere, vor allem Schafe und Ziegen, gehören zu den Beutetieren. Greifen Wölfe große Nutztiere an, sind es meist Jungtiere oder einzeln gehaltene Rinder oder Pferde. Den Weidetierhaltern entstünden nicht nur wirtschaftliche Schäden, schreibt das Landwirtschaftsministerium. Der Anblick ge­tö­­teter oder schwerstverletzter Tiere, die ein Wolf zurückgelassen habe, sei auch psychisch sehr belastend. Immer mehr Betroffene gäben auf, obwohl Weidetierhaltung für die Landschaftspflege, die Ar­tenvielfalt und die Erhaltung seltener Tierrassen unersetzlich sei. Wie viele Wölfe gibt es in Deutschland? Zuletzt wurden bundesweit rund 1600 Wöl­fe in 276 Wolfsgebieten gezählt: knapp 220 Rudel, 43 Wolfspaare und 14 Einzeltiere. Die meisten Wolfsgebiete gibt es in Niedersachsen (63) und Brandenburg (60), gefolgt von Sachsen (46), Sachsen-Anhalt (38) und Mecklenburg-Vorpommern (34). Wie viele Nutztiere wurden von Wölfen gerissen? Die Zahl verwundeter oder getöteter Tiere ist von 40 im Jahr 2006 auf zuletzt rund 4300 Tiere gestiegen. Vor allem Schafe und Ziegen wurden bei den gezählten 1100 Übergriffen durch Wölfe getötet. Welche Kosten sind durch die Ausbreitung des Wolfs entstanden? Für Maßnahmen zum Schutz von Weidetieren, etwa Elektrozäune oder Hüte­hunde, wurden nach den jüngsten offiziellen Angaben von 2024 bundesweit rund 23,4 Millionen Euro ausgegeben. Hinzu kamen im gleichen Jahr staatliche Ausgleichszahlungen für die Halter gerissener Nutztiere in Höhe von rund 780.400 Euro. Sind Wölfe für Menschen gefährlich? Theoretisch schon, aber das Risiko einer direkten Begegnung von Wolf und Mensch ist nach Angaben von Naturschutzverbänden und Wissenschaftlern trotz der ge­stiegenen Zahl von Wölfen sehr gering. In Deutschland sind bislang keine Fälle dokumentiert, in denen sich Wölfe aggressiv gegenüber Menschen verhalten hätten, schreiben die Verbände. Wo dürfen Wölfe künftig gejagt werden? Das hängt davon ab, welche Regelungen die Länder demnächst treffen. Grund­voraussetzung für die Jagd ist, dass der Wolf in der jeweiligen Region nicht mehr vom Aussterben bedroht ist. Durch sogenannte Managementpläne soll sichergestellt werden, dass nicht zu viele Wölfe geschossen werden. Der Handel mit toten Wölfen und Wolfstrophäen bleibt weiter verboten. In welcher Zeit wird die Jagd erlaubt? Die Jagdzeit ist vom 1. Juli bis zum 31. Oktober vorgesehen. Dürfen Wölfe geschossen werden, die in der Schonfrist Nutztiere angreifen? Für sogenannte Problemwölfe gelten Sonderregelungen. Hat ein Wolf nachweislich Herdenschutzmaßnahmen überwunden und dann Weidetiere gerissen, darf der jeweilige Jagdberechtigte diesen Wolf innerhalb einer bestimmten Frist erlegen. Unabhängig vom Erhaltungszustand in der jeweiligen Region dürfen Wölfe auch dann geschossen werden, wenn sie in speziell ausgewiesenen Weidegebieten Schäden anrichten. Solche Zonen können die Behörden dort festlegen, wo Schutzmaßnahmen wie Zäune nicht zumutbar sind, etwa auf Almwiesen in den Alpen oder auf Deichen. Sonderregelungen zum Abschuss gibt es außerdem zum Schutz der öffentlichen Sicherheit. Mit wie vielen Abschüssen ist zu rechnen? Die Bundesregierung schätzt, nach den neuen Regeln könnten Jäger etwa 150 bis 300 Wölfe jährlich schießen, darunter etwa 20 bis 50 Problemwölfe. Eine bundesweite Quote ist aber nicht vorgesehen. Der Deutsche Jagdverband fordert, 40 Prozent der Jungwölfe sollten jährlich erlegt werden, um den exponentiellen Zuwachs der Wolfsrudel zu begrenzen. Was sagen Natur- und Tierschützer? Die reguläre Jagd auf den Wolf sei ein Irrweg, kritisieren etwa WWF und NABU. Die Politik wecke damit falsche Er­war­tungen bei Weidetierhaltern. Weniger Wölfe bedeuteten nicht automatisch we­niger Risse. Entscheidend sei, wie schwer oder leicht es für Wölfe sei, Weidetiere zu erbeuten. Deswegen müsse der Herdenschutz weiter ausgebaut werden. Auch die Bundesregierung betont, präventiver Herdenschutz sei weiterhin erforderlich.