FAZ 05.01.2026
06:41 Uhr

Bürgerversicherung: Die Versöhnung der SPD mit den Privatpatienten wäre riskant


Die SPD distanziert sich von der Bürgerversicherung. Damit vollzieht sie einen riskanten Kurswechsel, der der politischen Mitte schaden könnte.

Bürgerversicherung: Die Versöhnung der SPD mit den Privatpatienten wäre riskant

Wer sich um die Konturen der politischen Mitte in Deutschland sorgt, dem darf mit Blick auf die laufende Debatte zur Bürgerversicherung bange werden. Denn die SPD ist dabei, umzuschwenken – weg von einem Versicherungssystem für alle, der so­genannten Bürgerversicherung, und damit wohl hin zu den Privatpatienten und ihren Privilegien. Sollten sich entsprechende Forderungen von Ministerpräsident Alexander Schweitzer und Gesundheitsfachmann Christos Pantazis in der Partei durchsetzen, wäre man hier auf einer Linie mit der Union. Einerseits machen sich die Sozialdemokraten damit ehrlich, denn ernsthafte Versuche, das Gesundheitswesen von Grund auf gerechter zu machen, gab es in den vergangenen Jahren nicht. Zudem gibt es fachlich durchaus gute Argumente für das duale System. Andererseits aber stellt sich für die Mehrheit der Deutschen, die laut Umfragen eine Bürgerversicherung vorziehen würde, die Frage, bei wem sie sich mit diesem Wunsch aufgehoben fühlt. Bei jenen beiden Parteien der Mitte, die gerne auch in Zukunft Volksparteien wären, jedenfalls nicht. Ob sich Schweitzer mit der Forderung im Wahlkampf einen Gefallen getan hat, wird sich im März zeigen. Er sollte sich jedoch bewusst sein, dass nicht nur linke Parteien gegen die „Zweiklassenmedizin“ der Mitte agitieren werden. Auch in der AfD hat man das Thema für sich entdeckt.