Mit dem Bürgermeister beim Einkaufen oder in der Kneipe zufällig auf ein Wort: In kleineren Gemeinden und Landstädtchen gelingt das eher als in Mittelstädten und größeren Kommunen. Doch auch auf dem Land sind solche Gelegenheiten heutzutage viel seltener als früher. Die Siebzig- oder Achtzigstundenwoche, die viele Bürgermeister regelmäßig bewältigen müssen, macht ein Schwätzchen zwischendurch schwieriger. Bürgersprechstunden sind deshalb eine gute Gelegenheit für gelebte Bürgernähe. Sie zeigen aber auch: Viele Bürger scheren sich nicht um Zuständigkeiten oder haben keine rechte Ahnung von den Ebenen der institutionellen Politik. Um den Menschen am Ort ein Gesprächsangebot zu machen und unkompliziert zuhören zu können, wählen Bürgermeisterinnen und männliche Amtskollegen unterschiedliche Formate. Das reicht vom lockeren Spaziergang wie in Münzenberg bis zu einem offenen Treffen auf dem Marktplatz und einem vertraulichen Gespräch im Rathaus, etwa in Bad Vilbel. Die Bürgermeister tun gut daran. Denn die Angebote treffen auf eine rege Nachfrage. Die Bilanz der Termine des zurückliegenden Jahres in Bad Vilbel zeigt eine große Vielfalt von Themen, welche die Menschen die Sprechstunde wählen ließen. Die gute Nachricht: Es bleibt nicht beim unverbindlichen „Gut, dass wir darüber gesprochen haben“. Auf diesem Wege können Bürger vielmehr etwas erreichen und ihr Lebensumfeld für sich und andere verbessern. Bis sich etwas verändert, ist allerdings bisweilen Geduld vonnöten. Dies gilt besonders dann, wenn mehrere Institutionen im Spiel sind, etwa außer der Stadt noch die Deutsche Bahn. Allerdings tun Bürger gut daran, Bürgermeister nicht mit ihren Erwartungen zu überfrachten. Etwa eine Beschwerde über ein Hausverbot in einem privaten Fitnessstudio oder die auf Bundesebene betriebene Gesundheitspolitik gehören nicht in die Bürgersprechstunde im Rathaus.
