Eigentlich will Julia Krügers darüber reden, warum sie Bürgermeisterin von Schmitten bleiben will. Aber dann spricht die CDU-Politikerin in ihrem Dienstzimmer am Fuß des Großen Feldbergs doch erst einmal länger über Wasser. Genauer gesagt, über den Trinkwassernotstand, den die Gemeinde gerade ausgerufen hat. Trotz der zuletzt roten Wasserampel und der Appelle an die insgesamt 9500 Einwohner gebe es immer noch einzelne Grundstücke, auf denen der Verbrauch extrem hoch sei. Der Hauptgrund: automatische Gartenbewässerung in der Nacht. Wie überall in Hessen ist es in der Gemeinde, zu der auch der höchste Gipfel des Mittelgebirges gehört, seit Wochen extrem trocken. Mit dem Notstand nach der Gefahrenabwehrverordnung, der bis zum 9. September gilt, ist es jetzt etwa verboten, Gärten und Grünflächen zu wässern und Schwimmbecken zu füllen. Wer es dennoch tut, muss mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro rechnen. Im Taunus ist Wasser ein zentrales Thema für Verwaltung und Politik. Krügers’ Kollegen in Oberursel, Kronberg, Steinbach und Grävenwiesbach haben die Wasserampeln ebenfalls auf Rot gestellt – in der Hoffnung, den Notstand als letzte Stufe zu vermeiden. Die Bürgermeisterin berichtet von einem Investitionsprogramm ihrer Gemeinde, um mehr Wasser selbst zu gewinnen. Etwa 40 Prozent muss Schmitten zurzeit zukaufen. Jetzt wird ein weiterer Brunnen in 120 Meter Tiefe gebohrt. Wahlparty ohne Lockdown Als Bürgermeisterin einer Gemeinde ohne größeren Unterbau in der Verwaltung, das ist eine ihrer Botschaften an diesem Tag, müsse sie „richtig mit ran“. Sie stecke tief in den Themen drin, ob nun Trinkwasser, Kinderbetreuung, Photovoltaik, Glasfaser, Straßenbau – oder Finanzen. Schmitten hat kürzlich bei der Aktion „Kommunen am Limit“ mitgemacht. Als Gastgeberin auf dem Feldberg könnte die Gemeinde über den Tourismus mehr Einnahmen erzielen, meint die Betriebswirtin Krügers. Dass der Bürgermeisterberuf so abwechslungsreich sei, reize sie: Probleme zu lösen, sei doch sinnstiftendes Gehirnjogging. „Und man sieht das Ergebnis direkt vor Ort.“ In der Direktwahl am 23. August tritt die Amtsinhaberin als einzige Kandidatin an. Es gilt also, die Leute auch für ein bloßes „Ja“ an die Urne zu holen oder zur Briefwahl zu motivieren. „Über 40 Prozent Wahlbeteiligung wäre schon gut bei einer Einzelkandidatin“, sagt die 50 Jahre alte Politikerin. Voriges Mal, im November 2020, siegte Krügers, die vorher in Geschäftsführung und Management internationaler Unternehmen gearbeitet hatte, mit 59 Prozent gegen einen unabhängigen Kandidaten. Seit 2011 lebt sie mit ihrem Mann, einem selbständigen Unternehmensberater mit ebenfalls unregelmäßigen Arbeitszeiten, im Ortsteil Arnoldshain. „Eine wichtige Kraftquelle.“ Zum Haushalt gehört auch Hund Luna, ein Mischling aus dem Tierheim. Die Stieftochter heiratet wenige Tage nach der Wahl. Krügers freut sich, dass sie ihre Lieben, auch die Mutter, bei der Wahlparty im Gasthof in die Arme wird schließen können. Vor sechs Jahren begann am Tag nach der Wahl der zweite Corona-Lockdown. Nach dem Wasser spricht die Bürgermeisterin über die Ärzte. Eine Befragung zeige: Die medizinische Versorgung sei ein „Topthema“ für Schmittener jedes Alters. Die aktuell vier Hausärzte, die teils in Teilzeit arbeiteten, seien zu wenig für die Gemeinde mit neun Ortsteilen. Deshalb würde Krügers gern ein medizinisches Versorgungszentrum etablieren. Ob die Gemeinde die freiwillige Aufgabe selbst übernimmt oder einen Investor sucht, ist noch nicht entscheiden. Eine Gruppe aus Schmitten habe sich jedenfalls kürzlich schon einmal ein kommunales Versorgungszentrum in Bebra im Kreis Hersfeld-Rotenburg angeschaut. Der Brandschutz hängt eng mit dem Wasser zusammen. Der aktuelle Notstand gilt auch, um die Löschwasserreserven zu schonen, falls im Taunus ein Waldbrand ausbricht. Im Wahlkampf spricht Krügers zudem oft über ein neues Feuerwehrhaus. In vier Jahren soll es stehen.
