FAZ 26.11.2025
19:27 Uhr

Bürgerkriegsland: USA dringen auf Waffenruhe in Sudan


Die amerikanische Regierung versucht, mit verstärktem Druck eine Waffenruhe in Sudan zu erreichen. Die Armee sträubt sich jedoch gegen den Vorschlag, während sich die RSF-Miliz als kompromissbereite Kraft darstellt.

Bürgerkriegsland: USA dringen auf Waffenruhe in Sudan

Die amerikanische Regierung hat seit einigen Tagen ihre Bemühungen verstärkt, eine Waffenruhe in dem verheerenden Krieg in Sudan zu erreichen. Ob sie damit Erfolg hat, war am Mittwoch jedoch weiter ungewiss. Massad Boulos, ein Berater von Präsident Donald Trump, sagte am Dienstag, man habe einen „starken“ Vorschlag für eine Feuerpause vorgelegt. Aber weder die reguläre Armee (SAF) noch die „Schnellen Unterstützungskräfte“ (RSF) hätten offiziell zugestimmt. Die Armee habe Bedingungen aufgestellt, die unmöglich zu erreichen seien, erläuterte Boulos auf einer Pressekonferenz in Abu Dhabi. Der Oberkommandeur der SAF und De-facto-Staatschef Sudans, Abd al-Fattah al-Burhan, hatte sich am Sonntag harsch über den Vorstoß geäußert. Es handele sich um den „bislang schlechtesten“ Vorschlag seit dem Kriegsbeginn im April 2023, sagte er in einem Videostatement. Die Armee werde nur in eine Waffenruhe einwilligen, wenn die RSF sich vollständig aus von Zivilisten bewohnten Gebieten zurückzögen. Über Boulos sagte Burhan, man befürchte, dass dieser „ein Hindernis für den Frieden“ sein werde. „Wir sind keine Kriegstreiber und lehnen Frieden nicht ab“, beteuerte Burhan, „aber niemand darf uns bedrohen oder Bedingungen diktieren.“ Boulos sagte zwei Tage später, Burhan lägen unzutreffende Informationen vor. Anschließend kamen versöhnlichere Töne aus der sudanesischen Regierung: Die „zuständigen Behörden“ würden auf den Vorschlag antworten. Burhan steht unter Druck, weil die RSF Anfang November einem früheren Vorschlag der vier Vermittlerländer USA, Ägypten, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate – die sogenannte Quad-Gruppe – für eine dreimonatige Waffenruhe und anschließende politische Gespräche zugestimmt hatten. Die SAF hatten ihn hingegen abgelehnt. Die Armee weigert sich, in einen Dialog mit den RSF einzutreten, die sie als illegitim betrachtet. Angriffe trotz Waffenruhe? Die RSF bemühen sich dagegen verstärkt, als kompromissbereite Kraft zu erscheinen. Am Montagabend verkündete ihr Anführer, Mohamed Hamdan Dagalo, man werde die vorgeschlagene humanitäre Waffenruhe unverzüglich einhalten. Er hoffe, die Quad übe Druck auf die Gegenseite aus, dies ebenfalls zu tun, sagte Dagalo in einer Videobotschaft. Von der Armee wurde die Ankündigung als „politisches Manöver“ bezeichnet. Die RSF hätten schon am Dienstag wieder eine Armeebasis in der Stadt Babanusa im Bundesstaat West-Kordofan angegriffen. Die Stadt liegt an einer Verbindungsachse zwischen der von den SAF kontrollierten Hauptstadt Khartum und der westlichen Region Darfur. Dort hatten die RSF im Oktober Al-Faschir erobert, die letzte Hochburg der Armee in Darfur. Dabei wurden schwere Massaker verübt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International schreibt in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht, RSF-Kämpfer hätten Dutzende unbewaffnete Männer hingerichtet, Frauen und Mädchen vergewaltigt und Menschen als Geiseln genommen, um Lösegeld zu erpressen.