FAZ 25.12.2025
08:14 Uhr

Bühne für Para-Athleten: Mögen sie noch heller strahlen


Para-Sportler und -Sportlerinnen wie die Schwimmerin Elena Semechin haben eine größere Bühne verdient. Was sie im und abseits des Sports leisten, sollte für alle ein Vorbild sein.

Bühne für Para-Athleten: Mögen sie noch heller strahlen

Vorbilder aus dem Sport inspirieren, Vorbilder aus dem Sport motivieren, und auf der richtigen Bühne können Vorbilder aus dem Sport viele Menschen bewegen. Den Beweis dafür bekam man am Sonntag in Baden-Baden bei der Wahl der „Sportler des Jahres“. Wer diese Gala verpasst hat, kann sie sich auch jetzt noch in der ZDF-Mediathek anschauen. Es lohnt sich, denn unter den vielen Lichtern, die dort leuchteten, strahlte eines ganz besonders: die Para-Schwimmerin Elena Semechin. Sie wurde mit einem Sonderpreis geehrt. Wie kaum eine andere steht die zweimalige Paralympics-Siegerin für die vorbildhafte Stärke, die im Parasport steckt: Mit einer Krankheit, die ihr das Augenlicht nahm, kämpfte sie sich in die Weltspitze ihrer Disziplin und nach einer Krebserkrankung, die sie fast das Leben kostete, wieder dorthin zurück – mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Paralympics in Paris 2024. Semechins Durchhaltevermögen im und abseits des Sports sollte als strahlendes Vorbild dienen – sowohl für Menschen ohne Behinderung, denen vor Augen geführt wird, wie viel Inspiration in der Inklusion steckt, als auch für Menschen mit Behinderung, die auf der Suche nach einer Identifikationsfigur sind. Para-Athlet 2025 nur zwischen Fußballspielen Dennoch hatte die Gala einen etwas bittereren Beigeschmack. Ja, sie bot Semechin und dem Parasport eine große Bühne. Doch ist es tatsächlich die richtige? Letztlich ist die Para-Athletin für ihre wichtige Botschaft auf die Reichweite einer Plattform angewiesen, die von dem Prominentenstatus von Sportlern ohne Behinderung genährt wird und diesen primär gewidmet ist. Wer darüber hinaus wissen will, wer als „Para-Athlet des Jahres 2025“ geehrt wurde, muss in derselben Mediathek eine Ausgabe vom „Aktuellen Sportstudio“ vom 15. November aufrufen und wird dort nach etwa einer Viertelstunde mit einem rund 20-minütigen Beitrag belohnt – eingerahmt von Fußballspielen. Wäre da nicht mehr drin gewesen? Auch wenn der Bekanntheitsgrad von Para-Schwimmer Josia Topf oder Para-Ski-Sportlerin Johanna Recktenwald nicht zu vergleichen ist mit dem von Leo Neugebauer oder Franziska Preuß, hätten sie eine gesonderte und größere Bühne verdient, denn die Sternstunden des deutschen Parasports sind es ebenso würdig, glanzvoll und vor allem sichtbarer geehrt zu werden. Diese Form der Abtrennung widerspricht auch nicht dem Gedanken der Inklusion, wie es die Existenz der Paralympics neben den Olympischen Spielen zeigt. Der Auftritt von Topf und Recktenwald demonstriert das Dilemma des Parasports: Er fristet ein Nischendasein, in dem Para-Athleten sich bisweilen rechtfertigen müssen, dass auch sie Spitzensportler sind und häufiger als durch ihre Behinderung durch fehlende finanzielle Unterstützung und mangelndes gesellschaftliches Interesse zurückgeworfen werden. Dass sie es dennoch schaffen, international erfolgreich zu sein, wie etwa das Powerchair-Hockey-Team (Europameister), das sich nur nach einem privaten Spendenaufruf die Teilnahme an der WM leisten konnte, zeugt von einer absoluten Hingabe zum Sport. Das sollte allen als Vorbild dienen – von den Athleten ohne Behinderung, die es unter Umständen verhältnismäßig leichter haben, bis hin zu Menschen mit Behinderung, die nach einer Inspiration suchen, durch den Sport ihre Lebensqualität zu steigern. Das aber setzt ein helleres Rampenlicht voraus.