FAZ 28.01.2026
19:19 Uhr

Buch über Melania Trump: Autor gegen First Lady


Der Streit zwischen Melania Trump und dem Autor Michael Wolff, der ein Buch über die First Lady schreiben will, geht weiter. Derweil ruft sie zu „Einheit“ auf – verfolgt eigentlich aber aktuell eine eigene Agenda.

Buch über Melania Trump: Autor gegen First Lady

Dass Donald Trump und Michael Wolff alles andere als Freundschaft verbindet, wurde schon 2018 klar. Nach einigen Monaten im Weißen Haus als selbst ernannte „Fliege an der Wand“ hatte der amerikanische Journalist damals ein wenig schmeichelhaftes Buch über die erste Amtszeit des Präsidenten veröffentlicht. Trump, schrieb Wolff in „Feuer und Zorn“, habe keine Ahnung von Politik, sei nicht lernfähig und von seinem Wahlsieg über Hillary Clinton ebenso überrascht worden wie die frühere Außenministerin. Der Repu­blikaner nannte das Buch damals „fake news“ und wetterte gegen Wolff. „Die Medien bewerben ein Buch, das von einem psychisch gestörten Autor stammt. Er schreibt bewusst Unwahrheiten“, schimpfte Trump in sozialen Medien. Melania Trump drohte Wolff mit einer Klage Seit dem vergangenen Sommer hat Wolff einen weiteren Feind im Weißen Haus. Nach einem Podcast des „Daily ­Beast“, bei dem der Zweiundsiebzigjährige eine Verbindung von Melania Trump zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein behauptete, schaltete die First Lady damals ihre Anwälte ein. Die Andeutungen Wolffs, das frühere Model aus Slowenien sei seinem späteren Ehemann 1998 durch Paolo Zampolli, Chef der Agentur ID Models und angeblich ein Vertrauter von Epstein und dessen Komplizin Ghislaine Maxwell, vorgestellt worden, sei falsch. Die Website „Daily Beast“ gab nach. „Wir haben einen Brief von Melania Trumps Anwälten bekommen, die Titel und Inhalt der Geschichte infrage stellen. ,The Beast‘ hat die Geschichte gelöscht und bittet um Entschuldigung“, ließen die Produzenten später wissen. Hinter den Kulissen dauert der Streit derweil an. Melania Trump drohte Wolff mit einer Klage zu Schadenersatz in Höhe von bis zu einer Milliarde Dollar, falls er eine angekündigte Biographie über ihr Leben veröffentlicht. Der Journalist revanchierte sich im vergangenen Herbst, als auch er der Präsidentengattin eine Klage zukommen ließ. Die Drohungen, schrieben die Anwälte des Autors, verletzten sein durch die amerikanische Verfassung garantiertes Recht auf Meinungsfreiheit. Wie Wolff dem „Daily Beast“ sagte, bietet ein Zivilprozess aber auch die Möglichkeit, die Fünfundfünfzigjährige und den Präsidenten vor Gericht zu Verbindungen mit Epstein zu befragen. Der Journalist hatte den Sexualstraftäter vor dessen Tod in einer New Yorker Gefängniszelle im Sommer 2019 angeblich immer wieder in dessen Townhouse in Manhattan zu Interviews getroffen. Auch Donald Trumps angebliches Faible für die Ehefrauen von Bekannten und Ausflüge mit Epstein in die Glücksspielstadt Atlantic City sollen dabei Thema gewesen sein. Die First Lady bemüht sich um Selbstdarstellung Einen Auftritt vor Gericht scheint das Präsidentenpaar verhindern zu wollen. Mit der Begründung, Wolffs Klage sei nicht ordnungsgemäß zugestellt worden, beantragte Melania Trump am Montag die Abweisung. Nach Berichten amerikanischer Medien war das Schreiben dem Türsteher des Trump Tower in Manhattan übergeben worden. Laut den Anwälten der First Lady zählt der Wolken­kratzer an der Fifth Avenue aber nicht als „Frau Trumps Wohnort“. Falls das New Yorker Gericht Wolffs Klage nicht abweise, müsse der Fall zumindest vor einem Gericht in Florida, Melania Trumps Zuhause, verhandelt werden. Die First Lady, die das erste Jahr nach dem Wiedereinzug ihres Ehemannes in das Weiße Haus meist in der Nobelenklave Palm Beach des Sunshine State verbrachte, bemüht sich derweil um Selbstdarstellung. Am vergangenen Wochenende lud sie Familie, Freunde und Unterstützer zu einem Screening der Dokumentation „Melania“ an die Penn­sylvania Avenue. Der Film zeigt Trump in den Wochen vor dem zweiten Amts­antritt ihres Ehemannes am 20. Januar 2025 – in ihrer Wohnung in Manhattan, dem Privatclub Mar-a-Lago in Palm Beach und in den der First Family vorbehaltenen Räumen des Weißen Hauses. Die Premiere der etwa 75 Millionen Dollar teuren Produktion, die von Freitag an auch in deutschen Kinos zu sehen ist, wird nach den tödlichen Schüssen von Grenzschützern auf den Demonstranten Alex Pretti von den Protesten gegen Trumps Einwanderungspolitik überschattet. Bei einem ihrer seltenen Interviews erinnerte sich die dritte Ehefrau des Republikaners am Dienstag dennoch an ihre Rolle als First Lady. „Ich fordere alle zu Einheit auf“, sagte sie dem Sender Fox und verwies auf „großartige Gespräche“ des Präsidenten mit Tim Walz, dem demokratischen Gouverneur von Minnesota, und dessen Parteikollegen Jacob Frey, Bürgermeister von Minneapolis. Ganz verzichten wollte sie auf Werbung für „Melania“ aber nicht. „Das Publikum sieht, wie ich meine Geschäfte führe, mich sozial engagiere und mich um die Familie kümmere“, kündigte die Präsidentengattin an. Neues über die von Wolff behaupteten Verbindungen zu Ep­stein klammert „Melania“ wie erwartet aus.