FAZ 12.12.2025
18:55 Uhr

Brombeer-Koalition: Bei Licht betrachtet


Die Koalition aus CDU, BSW und SPD hat ihr erstes Jahr überstanden - und mit Hilfe der Linkspartei auch einiges zuwege gebracht. Doch verbessert hat sich die Stimmung im Land nicht. Noch nicht?

Brombeer-Koalition: Bei Licht betrachtet

Es waren in der Tat nicht viele, die dem euphemistisch Brombeer-Koalition genannten Regierungsbündnis aus CDU, BSW und SPD in Thüringen vor Jahresfrist große Überlebenschancen gaben – am wenigsten die BSW-Chefin Wagenknecht. So aber ist einem ganzen Bündel an Faktoren zu verdanken, dass die Regierung in Erfurt das erste Jahr einigermaßen heil überstanden hat: Zuvörderst der Thüringer BSW-Vorsitzenden und Finanzministerin Katja Wolf, die der Bundespartei bis heute unverdrossen die Stirn bietet, aber nicht zuletzt der Linkspartei, auf deren Enthaltung es auch in der kommenden Woche bei der Abstimmung über den Doppelhaushalt ankommen wird. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass das gemeinsame Regieren bislang das Ansehen keiner der drei Parteien in der Bevölkerung in Thüringen gemehrt hat. Ein Damoklesschwert namens AfD Dafür ist es womöglich noch zu früh. Doch selbst wenn sich die positiven Effekte der Erfurter Politik bald in den Städten und Dörfern materialisieren sollten, müsste im Bund noch viel geschehen, damit sich die Grundstimmung im Land besserte. Bis dahin aber schwebt das Damoklesschwert namens AfD über dem Land. Und bei Licht betrachtet ist es wohl auch so, dass nichts die Erfurter Regierungsparteien einschließlich ihrer informellen Partnerin Linkspartei mehr miteinander verbindet als die Angst vor einer baldigen Neuwahl des Landtags. Es kann also nicht nur besser werden.