FAZ 05.02.2026
12:44 Uhr

„Bridgerton“-Kochbuch: Diese Rezepte sind ausgefallen und ordentlich pompös


Wer Gäste beeindrucken will, findet im offiziellen Kochbuch der Serie „Bridgerton“ einiges, mit dem sich Gäste beeindrucken lassen. Aber kann man das auch leicht nachkochen?

„Bridgerton“-Kochbuch: Diese Rezepte sind ausgefallen und ordentlich pompös

Geselligkeit geht gern mit Nahrungsaufnahme einher. Daher ist es kein Wunder, dass das Personal von Gesellschafts- und Familienromanen so häufig um Tische herum platziert wird, um gemeinsam zu frühstücken oder zu dinieren, sich gegenseitig zum Tee zu besuchen oder auch an lauschigen Orten zu picknicken. Dieses Personal verzweifelt gern an öden Tischpartnern oder wechselt schnell das Thema, wenn Unangenehmes angesprochen wird, es rührt parallel zum Erröten des Teints hektisch in Tassen oder schenkt sich an heißen Tagen gegenseitig rettende Limonade ein, bevor Bewusstlosigkeit eintritt. Anhand von solchen Szenen lässt sich viel erzählen. Etwa wer die Tischmanieren beherrscht und wer nicht, wer zuvorkommend erkennt, dass das Glas leer ist, und wer das Personal wie behandelt. Tischszenen bieten Steilvorlagen für Charakterstudien. Auch die an die Welt des englischen Regency angelehnte Serie „Bridgerton“ macht davon ausgiebig Gebrauch. Man trinkt erfrischenden Punsch oder reicht Tee, man schiebt pompöse Hochzeitstorten durch die Gegend, und unten, im Tiefgeschoss, rotieren an besonderen Tagen ganze Armeen an Bediensteten wie ein perfekt geöltes Uhrwerk, um die richtigen Speisen in der richtigen Reihenfolge in korrekter Temperatur mit der nötigen Grazie anzureichen. Wenn das gelingt und die Gäste beeindruckt sind, gibt das Haltungspunkte für die Familie, und nichts war in der damaligen Gesellschaft wichtiger. Und weil „Bridgerton“ keine Serie ist, in der Kriege gekämpft werden, weil keine politischen Intrigen ausgefochten oder Kolonien ausgebeutet werden, gibt sich die Gesellschaft ganz ihren Vergnügungen hin. Zum Glück sollen wir keine Kalbsfüße auskochen Das „Bridgerton“-Kochbuch versammelt Gerichte aus der Regency-Zeit, allerdings, ganz wie die Serie, mit einiger künstlerischer Freiheit. Streng genommen gab es damals noch keine Macarons, aber sie sehen einfach so gut aus! Für die Torte braucht man Backpulver, das war damals noch nicht üblich. Und freundlicherweise verlangt uns niemand ab, Kalbsfüße auszukochen, um pompöse Gelee-Desserts herzustellen, denn dafür wurde die Gelatine erfunden. Es lebe der Fortschritt! Zum einen versammelt das prächtig anzusehende Buch einige Klassiker der englischen Küche, wie den karierten Battenberg-Kuchen und Plumpudding, Bubble and Squeak oder eine Wildpastete. Wer Gäste beeindrucken will, findet hier einiges, was ausgefallen ist und ordentlich pompös aussieht. Wer sich schon immer mal an einen klassischen Sunday Roast mit Yorkshire Pudding wagen wollte, findet eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Ein einfaches Rezept für frische Scones kann man auch immer brauchen. Auch für Anfänger geeignet Das Ganze ist so beschrieben, dass auch ein blutiger Anfänger damit etwas anfangen kann, und auch mit Tipps, was man vermeiden soll – etwa den Ausstecher für die Scones zu drehen, sie gehen dann nicht so gut auf. Auch viele Hinweise, welche Zutaten sich ersatzweise verwenden lassen, werden aufgeführt. Bei den Scones kann eine Mischung aus Sahne und Mascarpone die nicht ganz leicht zu bekommende Clotted Cream ersetzen. Weil das Personal von Bridgerton ein multikulturelles ist, finden sich in diesem Buch auch Ausflüge in andere Länderküchen. Der Familie Sharma ist ein indisches Lammcurry gewidmet, bei Lady Danbury gibt es Bananenbrot und Ginger Beer. Und Colin bringt von seiner Grand Tour eine griechische Bohnensuppe mit. Dazu werden Fakten und Anekdoten über die Gerichte oder die Zutaten gestellt, man lernt also auch noch was dabei. Etwa, warum der Mann von Welt stets eine kleine Muskatreibe mit sich trug. Wen interessiert das? Ganz klein ist die Zielgruppe nicht, denn das Buch ist zunächst ein perfektes Geschenk für alle „Bridgerton“-Fans. Auch wer gerade seine Begeisterung fürs Kochen entdeckt hat, findet hier einige Anregungen, die garantiert nicht schiefgehen und dennoch etwas ausgefallener sind als das übliche Repertoire mitteleuropäischer Haushalte. Schade nur, dass das Kochbuch schon vor der vierten Staffel veröffentlicht wurde. Auf koreanische Spezialitäten aus dem Hause Penwood wären wir durchaus gespannt gewesen.