Im Bremer Stadion passierte am Samstag etwas, das in der Bundesliga selten ist: Nicht der Kapitän schnappte sich das Mikrofon, sondern der Capo einer Ultra-Gruppe. Vier Minuten sprach er, appellierte an die Fans, dass es nur gemeinsam gehe. Jede Wut, jede Fassungslosigkeit sei berechtigt, rief er dem Publikum zu. Aber es bringe nichts, sich selbst zu zerfleischen, auf eine Mannschaft, die ohnehin schon verunsichert sei, weiter einzudreschen. Man habe die Spieler nach der Niederlage bei St. Pauli aus der Kurve geschickt, weil die Reaktionen „nicht schön“ gewesen wären. Aber: „Es gibt keinen Riss zwischen den Fans und der Mannschaft.“ Wer seit 13 Spielen sieglos ist, einen Trainer entlassen hat und unter dem Nachfolger dreimal verliert, der kann im Abstiegskampf schnell die Nerven verlieren. Diese Gefahr hat der Capo adressiert – und damit etwas ausgesprochen, was im Profifußball selten so offen benannt wird: Pfiffe können anspornen, aber sie können auch lähmen.
