Auch mehr als 24 Stunden nach dem verheerenden Brand in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana gelten noch zahlreiche Menschen als vermisst. So großflächig sind die Verbrennungen, die viele Opfer in der Silvesternacht erlitten haben, dass ihre Identifizierung nach Angaben der Schweizer Behörden Tage dauern könnte. Zudem wurden die Überlebenden auf zahlreiche Krankenhäuser verteilt – auch in Deutschland werden einige behandelt, etwa ein Patient im Stuttgarter Marienhospital, zwei weitere in der BG Klinik Tübingen und eine Patientin in der BG Klinik Ludwigshafen. Deswegen ist es den Angehörigen kaum möglich, alle Kliniken, in denen ihre Kinder, Geschwister, Cousins und Cousinen behandelt werden könnten, anzufahren und persönlich nach ihnen zu suchen. In den sozialen Medien teilen viele von ihnen Vermisstenanzeigen. Inzwischen hat sich ein französischsprachiger Instagram-Account namens „cransmontana.avisderecherche“ gegründet, um alle Suchaufrufe und Hinweise zu bündeln. Am Freitagnachmittag verzeichnete er bereits mehr als 28.000 Abonnenten. Schon in der Nacht hatten die Organisatoren eine Mitteilung veröffentlicht: Sie erhielten so viele Nachrichten, dass es ihnen unmöglich sei, alle zu bearbeiten. Von etwa 24.000 war die Rede. Mangelnde Verifizierbarkeit der Accounts führt zu Chaos Auch die mangelnde Verifizierbarkeit der Accounts, die sich unter den Vermisstenanzeigen austauschen, führte zu Chaos. Unter einem Bild von Ephraim, der von seinen Freunden gesucht wird, hieß es zunächst, er sei identifiziert worden: Mit schweren Verbrennungen liege er im Spital in Zürich. Sein Vater sei auf dem Weg zu ihm. Dann hieß es wieder: Nein, er gelte als vermisst. Genau wie Ephraim sind viele der Vermissten sehr jung. Zwei Schwestern, 14 und 15 Jahre alt, werden gesucht. Ganze Freundesgruppen gelten als verschollen. Auch zahlreiche Mitarbeiter der Bar „Le Constellation“ werden vermisst. Eine Mutter sucht ihre Tochter: „Nora trägt ein Goldkettchen mit einem Herzanhänger, eine schwarze Jeans, eine beige Fellweste, ein bordeauxfarbenes Top und einen schwarzen Rollkragenpullover.“ Auch auf Facebook kursieren zahlreiche Vermisstenmeldungen. Eine Nutzerin sucht ihren Bruder, eine Mutter ihren 16 Jahre alten Sohn. Einem französischen Fernsehsender sagte sie, sie habe zahlreiche Krankenhäuser kontaktiert, ihn aber nicht finden können. „Ich weiß nicht, in welchem Spital er ist. Ich weiß nicht, in welchem Bezirk er ist. Ich weiß nicht, in welchem Kanton oder in welchem Land er ist.“ Einige Nachwuchssportler unter den Opfern Einige der etwa 40 Opfer und ungefähr 115 Verletzten sind offenbar Nachwuchssportler. Mehrere Spieler des Schweizer Fußballklubs FC Lutry feierten gemeinsam den Jahreswechsel, alle zwischen 16 und 18 Jahre alt. Bisher wurde nur einer von ihnen gefunden, wie der Klub mitteilte. Auch der 19 Jahre alte Spieler des französischen FC Metz, Tahirys Dos Santos, wurde schwer verletzt. Sein Verein teilte am Donnerstagabend mit, dass er in Deutschland behandelt werde. Der 16 Jahre alte Golfspieler Emanuele Galeppini galt ebenfalls zunächst als vermisst. Sein Vater teilte einen Aufruf. Am späten Donnerstagabend musste der italienische Golfverband schließlich den Tod des Jugendlichen bestätigen. Hinweise auf mögliche deutsche Opfer gibt es bislang nicht. Das teilte das Auswärtige Amt auf Anfrage mit. Die deutsche Botschaft stehe mit den Schweizer Behörden „in engem Kontakt“, hieß es. Während des regionalen Feiertags in der Schweiz an diesem Freitag sei der Bereitschaftsdienst der Botschaft im Einsatz.
