Der Sieg der SPD bei der Landtagswahl 2024 in Brandenburg war gewaltig – der Sitzanteil der Partei im Parlament aber nicht. Für eine Koalition mit der abgestürzten CDU war selbst die starke SPD nicht erfolgreich genug, beide Parteien hatten nach der Landtagswahl keine Mehrheit. Da eine Koalition mit der AfD nicht infrage kam, blieb nur das Bündnis mit dem BSW. Unter BSW-Landeschef Robert Crumbach strebte die Partei nach Macht und einigte sich mit der SPD. Doch die Einigkeit zwischen der ältesten Partei Deutschlands und dem neuen BSW hing in Potsdam stets an einem dünnen Faden, oder genauer: an der sehr knappen Mehrheit im Landtag von gerade einmal zwei Stimmen. Erster Wackler: Die Wahl Woidkes Zum Ministerpräsidenten wurde Dietmar Woidke im Dezember 2024 erst im zweiten Wahlgang wiedergewählt. Im ersten scheiterte er. Seine Koalition stand in der geheimen Wahl nicht sofort. Wer Woidke nicht gewählt hat, ist deshalb nicht mit letzter Sicherheit zu sagen. Aber der BSW-Abgeordnete Sven Hornauf hatte angekündigt, Woidke nicht zu wählen. Schon während der Koalitionsverhandlungen hatte er eine geplante Raketenstationierung am Fliegerhorst Schönewalde-Holzdorf kritisiert. Hornauf war es dann auch, der innerhalb der BSW-Fraktion für Trubel sorgte. Im Mai vergangenen Jahres sollte er aus allen Ausschüssen abberufen werden. Zuvor hatte er unter anderem mit der oppositionellen AfD abgestimmt. Crumbach rang um die Regierungsfähigkeit seiner jungen Fraktion. Denn jede Krise beim kleinen Koalitionspartner hat aufgrund der knappen Mehrheit das Potential, die gesamte Woidke-Regierung ins Wanken zu bringen. Der Koalition gelingen in ihren Monaten durchaus Erfolge, etwa die Verabschiedung eines Haushalts. Andererseits: Eine Koalition, die das nicht hinbekommt, ist eigentlich keine mehr. Im November kam es zur nächsten Krise, als Teile der BSW-Fraktion verhindern wollten, dass Brandenburg einer Rundfunkreform zustimmt. Crumbach, weiter auf Linie mit Ministerpräsident Woidke, warb dafür – und wurde von einem Fraktionskollegen aufgefordert, sein Landtagsmandat abzugeben. Nur mit Unterstützung der oppositionellen CDU wurden die Staatsverträge zur Reform von ARD, ZDF und Deutschlandradio angenommen. Zur Ruhe kam das BSW auch danach nicht. Ebenfalls im November traten vier Abgeordnete aus der Partei aus. Am BSW kritisieren sie „autoritäre Tendenzen“. Weil sie aber vorerst Mitglieder der BSW-Fraktion blieben, hat die Landesregierung weiterhin eine Mehrheit. Die SPD aber wird zunehmend unruhig und fordert öffentlich vernehmbar ein Bekenntnis des BSW zur gemeinsamen Regierung. Das leistete das BSW bis ins Jahr 2026 nicht. Am 5. Januar zog Crumbach die Konsequenz. Der Politiker verlies das BSW und wechselte in die SPD-Fraktion. Mitglied bei den Sozialdemokraten war er früher schon einmal über Jahrzehnte. Am Dreikönigstag verlassen zwei weitere Abgeordnete die BSW-Fraktion, die gemeinsame Mehrheit mit der SPD im Landtag ist damit dahin. Woidke reagiert und kündigt die Koalition auf.
