Während der Corona-Pandemie hat die deutsche Öffentlichkeit ein neues Wort gelernt: Präventionsparadox. Beugt man einer Gefahr so gründlich vor, dass sie nicht eintritt, wird man danach für angeblich übertriebene Vorsicht kritisiert. So ist es auch mit dem Brandschutz. Gerade in Deutschland wird oft über die vielen Regeln geklagt, an die sich Bauherren halten müssen. Die furchtbare Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana mit 40 Toten hat aber wieder einmal gezeigt, wie wichtig Brandschutzregeln sind. Was genau dort schiefgelaufen ist, werden erst die Ermittlungen zeigen. Aber es ist jetzt schon klar, dass viel schiefgelaufen ist. Wenn es in einem Nachtclub anfängt zu brennen, sollte sofort ein Rauchmelder auslösen, ein Alarmsignal ertönen und die Musikanlage herunterfahren. Likes mehr wert als das eigene Leben? Auf einem Video aus der Bar in Crans-Montana ist hingegen zu sehen, wie noch Musik läuft und gefeiert wird, während ein junger Mann versucht, die brennende Decke mit einem Handtuch zu löschen. Weil andere der jungen Gäste unterdessen den Brand noch mit dem Handy filmten, wurde ihnen – also den Opfern dieses Infernos – von manchen noch die Schuld gegeben: Der Generation Instagram seien Likes mehr wert als das eigene Leben. Es liegt aber nicht in der Verantwortung von feiernden Jugendlichen, sich mit Phänomenen wie einem „Flashover“ auszukennen. Sondern in der von Gemeinden und Clubbetreibern, die ihr Geld mit diesen Gästen verdienen.
