Einen Wettkampf in Höchstgeschwindigkeit zu erleben, fühlt sich an wie ein Rausch. Man bewegt sich im Tunnel, spürt nur den Moment, blendet alles um sich herum aus. Es zählen nur noch der Körper, die Bewegung, die Ziellinie. Das Maximum an Emotion, das man sich vorstellen kann, entsteht, wenn am Ende der erste Platz dasteht. Aus einem völligen Hochgefühl heraus empfindet man eine unbeschreibliche Freude – und genau diese maximalen Gefühle machen süchtig. Wer das einmal erlebt hat, möchte es immer wieder spüren. Leistungssportlerinnen und -sportler sind bereit, alles dafür zu geben – und alles dafür aufzugeben –, um genau diesen einen Höhepunkt noch einmal zu erleben. Man arbeitet jahrelang für wenige Sekunden, für diesen einen Moment. Es ist eine enorme mentale Herausforderung, sich immer wieder neu auf diesen Weg zu begeben – aber es ist manchmal noch schwerer, irgendwann loszulassen. Jahrelange Arbeit für einen Moment Auch ohne einen solchen Extremrausch erlebte ich Ähnliches im Jugendbasketball: vier Kreuzbandrisse, eine schmerzhafte Verletzung nach der anderen, und doch hielt mich die Hoffnung aufrecht. Die Hoffnung, meinen Körper noch einmal ans Limit bringen zu können. Die Hoffnung, wieder Teil meines Teams zu sein. Ich kenne Lindsey Vonn nicht und kann nicht für sie sprechen, aber diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich ihren Sturz sah. Sie hat unglaubliche Kraft aufgewendet, um jede Naturgewalt zu ignorieren, um zu hoffen, dass es gut geht und ihr Körper mehr aushält, als man erwarten konnte. Um zu hoffen, diesen Rausch und diese Emotionen noch einmal erleben zu dürfen. Doch die größte Herausforderung steht nun vor ihr. Ich wünsche ihr alle Kraft der Welt, mental so stark zu bleiben, diesen grausamen Sturz hinter sich zu lassen und nach vorne zu blicken. Der eigene Körper erinnert täglich an die Entscheidungen, die man getroffen hat – und das auszuhalten, ist eine der schwersten Aufgaben. Bleib stark, Lindsey.“
