Wer die wichtigsten Themen des Jahres mitbekommen wollte, musste in den vergangenen Monaten nur die Zeitungen aufschlagen. Bilder von Panzern waren da zu sehen, vom Krieg in der Ukraine und im Gazastreifen. Zu lesen waren Schlagzeilen über die Fortschritte bei der Künstlichen Intelligenz und über die Profiteure dahinter, wie etwa den Chiphersteller Nvidia. Die Großthemen des Jahres zeigen sich aber auch anderswo, nämlich an der Börse. Die Bestenlisten der gefragtesten Aktien verdeutlichten ziemlich eindeutig, was die Anleger besonders beschäftigt: Rüstung und Künstliche Intelligenz. Auch eine Auswertung der deutschen Wertpapierbörse Tradegate für die F.A.S. kommt zu diesem Schluss. Tradegate hat jene fünfzehn Aktien ermittelt, die am häufigsten dort gehandelt wurden. Als Maßstab für das Ranking wurde der sogenannte Bruttogegenwert herangezogen, also der Wert aller Käufe und Verkäufe von Aktien zusammengezählt. Zusätzlich hat Tradegate die Anzahl der Käufe und Verkäufe betrachtet. Rheinmetall war gefragt Die am meisten gehandelte Aktie der Deutschen war demnach jene des Rüstungsherstellers Rheinmetall. Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf produziert Panzer und ist einer der Kernakteure für die europäische Aufrüstung. Um 155 Prozent ist der Kurs der Aktie allein in diesem Jahr gestiegen, seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine sind es rund 1500 Prozent. Seit Monaten fragen sich Anleger, ob sich die Erfolgsgeschichte der Aktie so weiterschreiben lässt – und ob sich ein Einstieg noch lohnt. Mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist die Rheinmetall-Aktie jedenfalls mittlerweile ziemlich hoch bewertet. Das KGV setzt den aktuellen Kurs in Relation zum Unternehmensgewinn je Aktie. Grob gesagt ist es eine Einschätzung dafür, wie zukunftsträchtig die Anleger ein Geschäftsmodell einschätzen und wie sehr sich die Gewinne noch steigern lassen. Bei Rheinmetall liegt die Kennzahl aktuell bei 55. Doch auch in absoluten Zahlen ist die Aktie teuer, sie kostet mehr als 1500 Euro je Stück. Ob da noch viel Luft nach oben ist? Fest steht, dass sich Anleger auch nach anderen Rüstungsunternehmen umschauen. So hat es beispielsweise auch Renk in die Bestenliste geschafft. Das Unternehmen stellt Antriebstechnik her, die auch in militärischen Fahrzeugen verbaut wird. Neben diesen beiden bekannten Unternehmen hat es noch ein weiteres unter die meistgehandelten Aktien geschafft, dessen Namen jedoch wohl nur die wenigsten kennen: Droneshield. Ursprünglich wollte das Unternehmen ein Lasersystem zur Bekämpfung von Stechmücken entwickeln, mittlerweile aber stellt es Drohnenabwehr her und ist damit Australiens wertvollster börsennotierter Rüstungskonzern. Spekulieren mit Rüstung Dass ausgerechnet deutsche Anleger so großes Interesse an der Aktie zeigen, erklärt sich Dennis Puschmann, Börsenfachmann und Volkswirt von Tradegate, so: „Gerade bei so großen Trends wie Rüstung schauen sich Anleger oft auch nach Aktien von kleineren Unternehmen um und hoffen darauf, dass dort die hohen Bewertungen noch nicht so stark eingepreist sind.“ Teils werden solche Aktien zur Spekulation gekauft und manchmal nur wenige Stunden oder Tage gehalten. Anders als Rheinmetall dürfte Droneshield allerdings viele Anleger enttäuscht haben. Bis Mitte Oktober ist der Kurs der Aktie zwar stetig gestiegen, begann dann aber deutlich zu fallen. Die Nischen-Aktie war selbst zum Hype geworden und konnte mit den Erwartungen nicht mehr mithalten. Das verdeutlicht auch: Ein Trend ist nicht automatisch ein Garant dafür, dass jedes Unternehmen aus der jeweiligen Branche ein Gewinnbringer für seine Aktionäre ist. Ein kleiner Trost bleibt: Wer die Aktie Anfang des Jahres gekauft hat, ist immer noch fast 300 Prozent im Plus. Vor einer ähnlichen Herausforderung stehen Anleger auch, wenn es um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) geht. Dass die Technologie unsere Wirtschaft grundlegend verändern kann, steht außer Frage. Doch was davon überträgt sich tatsächlich in höhere Unternehmensgewinne? Wie viel ist Phantasie? Und welche Firmen werden Erfolg haben? Bislang verdienen sehr viele Unternehmen noch kaum Geld mit dem Einsatz von KI. Der große Gewinner des KI-Booms ist derzeit der amerikanische Chiphersteller Nvidia. Allein in den vergangenen sechs Monaten ist der Kurs der Aktie um rund 25 Prozent gestiegen. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre war es ein Plus von mehr als 1300 Prozent. Bislang konnte Nvidia die Erwartungen der Anleger erfüllen, was die Unternehmenszahlen betrifft: Im dritten Quartal beispielsweise vermeldete Nvidia ein überraschend gutes Ergebnis, besser als viele Analysten geschätzt hatten. Und auch weitere KI-Aktien sind populär. Da ist beispielsweise AMD, ebenfalls ein amerikanisches Halbleiterunternehmen. Und da sind der Onlinehändler Amazon, die Softwarefirma Microsoft und der Google-Mutterkonzern Alphabet, die alle sehr stark ihr Geschäft mit der KI vorantreiben, sehr viel Geld investieren und um das beste KI-Modell wetteifern. Die Vergangenheit sagt wenig über die Zukunft Amerikanische Unternehmen waren damit auch in diesem Jahr bei deutschen Anlegern sehr gefragt. Doch auch ein paar europäische Firmen haben es in die Bestenliste geschafft, und zwar nicht nur Rüstungsfirmen, sondern auch Unternehmen wie der Energietechnikkonzern Siemens Energy. Der Kurs der Aktie ist seit Jahresbeginn um knapp 140 Prozent gestiegen. Das Energieunternehmen profitiert ebenfalls von der Künstlichen Intelligenz, deren Einsatz viel Strom braucht. In vielen Regionen werden neue Rechenzentren gebaut. Außerdem hat Siemens Energy im Jahr 2025 eine Trendwende geschafft, nachdem das Unternehmen lange von Lieferkettenschwierigkeiten und den Turbulenzen rund um die Windkrafttochter Gamesa krisengebeutelt war. Umgekehrt ist die Situation beim dänischen Gesundheitskonzern Novo Nordisk. Das Unternehmen galt als Hoffnungsträger im Geschäft mit Abnehmspritzen, als der Vorzeigekonzern aus der Pharmabranche. Doch der Umsatz entwickelte sich nicht so wie erhofft, die Aktionäre haben wenig zu feiern. Der Aktienkurs von Novo Nordisk ist seit Jahresanfang um mehr als 50 Prozent gefallen. Vom Rekordstand im Jahr 2024 ist der Kurs weit entfernt. Dass die Aktie so häufig gehandelt wurde, könnte auch daran liegen, dass Anleger sie verkaufen wollten. Die Entwicklung verdeutlicht einmal mehr, was in jedem Lehrbuch für Anleger steht: Gewinne in der Vergangenheit garantieren nicht, dass die Aktie auch in der Zukunft ihren Aktionären eine Freude bereitet. „Ich gehe allerdings davon aus, dass wir im kommenden Jahr mehr davon sehen werden, welche Unternehmen sich in ihrer Branche jeweils durchsetzen“, sagt Ökonom Dennis Puschmann. „Die Vorschusslorbeeren müssen sich schließlich irgendwann an der Realität messen.“ Freuen darf sich, wer auf die richtigen Aktien gesetzt hat.
