FAZ 07.12.2025
19:53 Uhr

Börsengang: Magnum geht an die Börse


Jetzt können Anleger erstmals in Eis am Stiel investieren. Doch lohnt sich das?

Börsengang: Magnum geht an die Börse

Zugegeben, der Zeitpunkt hätte besser gewählt sein können. Wenn der Eishersteller Magnum an diesem Montag an die Börse geht, dürften die wenigsten Lust auf das Milcheis am Stiel mit der Schokoladenglasur haben – sondern eher gebrannte Mandeln oder heiße Crêpes im Kopf haben. Für Aufsehen wird der Börsengang dennoch sorgen, alleine schon wegen der Marke Magnum, die nahezu jeder kennt. Für Anleger hat es oft einen besonderen Charme, in Aktien von Unternehmen zu investieren, deren Produkte sie nutzen. Wer ein iPhone hat, kauft gerne Apple-Aktien. Wer gerne Nike trägt, findet womöglich auch die Aktie der Firma interessant. Aber sollte, wer gerne Magnum isst, sich nun auch die Aktie kaufen? Fest steht: Einfach in Aktien von Unternehmen anzulegen, deren Produkte man selbst toll findet, wäre zu riskant. Wichtig ist es, deren Geschäftsmodell zu verstehen und die Chancen einzuschätzen, wie gut sie Umsatz und Gewinn noch steigern können. Unilever bleibt vorerst beteiligt Magnum selbst war bislang Teil des Konzerns Unilever, der Lebensmittel und andere Konsumgüter vertreibt, darunter auch die Putzmittel Cif oder die Kosmetiklinie Dove. Zur Eissparte des Unternehmens gehören neben der Marke Magnum noch Ben & Jerry’s, Cornetto und Langnese. Unter dem Namen „The Magnum Ice Cream Company“, kurz TMICC, sollen diese Marken als eigenständiges Unternehmen am 8. Dezember an die Börse gehen, und zwar in Amsterdam und daneben noch in New York sowie in London. Unilever spaltet die Sparte also ab. Allerdings: Der Konzern bleibt weiterhin mit knapp 20 Prozent beteiligt und wird diese Anteile erst langsam über die nächsten Jahre abgeben, heißt es vom Konzern. Ursprünglich hätte der Börsengang schon vor ein paar Wochen stattfinden sollen. Doch dann kam der Regierungsstillstand in den USA dazwischen. Republikaner und Demokraten konnten sich lange nicht auf einen Haushalt einigen, was sich auch auf die Arbeit von Behörden wie der amerikanischen Börsenaufsicht auswirkte. Der Börsengang von Magnum musste daher verschoben werden, nun ist es so weit. Der Grund für die Abspaltung ist, dass Eis sich stark von Unilevers anderen Produkten unterscheidet und es dadurch wenig Synergien gibt. Unilever verkauft zwar auch sonst Lebensmittel. Eis ist aber insofern besonders, weil es eine sehr kapitalintensive Lieferkette hat, sagt Diana Radu, Aktienanalystin von Morningstar. Schließlich muss das Eis durchgehend gekühlt werden. Dadurch ist die Gewinnspanne im Schnitt geringer als bei anderen Produkten von Unilever. Durch die Abspaltung wolle man fokussierter werden, so das Argument, das bei derartigen Prozessen immer wieder in den Vordergrund gerückt wird. Im dritten Quartal machte Eis 16 Prozent des Umsatzes des Konzerns aus, insgesamt 2,3 Milliarden Euro. Das ist eine Steigerung von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtjahresumsatz 2024 lag bei etwa acht Milliarden Euro, der operative Gewinn bei 570 Millionen Euro. Analysten der Privatbank Berenberg haben den Wert der Eissparte vor ein paar Monaten auf 12,8 Milliarden Euro geschätzt, in der Branche kursiert aber auch die Zahl von 15 Milliarden Euro. Wie viel das Unternehmen tatsächlich wert ist, wird der Börsengang zeigen. Eis als Luxusprodukt Für Aktionäre ist es aktuell noch schwierig zu bewerten, ob sich ein Kauf der neuen Magnum-Aktie tatsächlich lohnt. Aber viel spricht dafür, dass Magnum für Anleger durchaus interessant sein könnte. Das Umsatzwachstum scheint das zu unterstreichen, was auch Analystin Radu als entscheidenden Vorteil des Eisunternehmens gegenüber seiner Konkurrenz sieht: Sowohl Magnum als auch Ben & Jerry’s haben sich in den Köpfen vieler Menschen etabliert als Marken, zu denen man greift, wenn man sich etwas Besonderes gönnen möchte – ein Luxusprodukt sozusagen. Durch diese Vermarktung kann ein höherer Preis aufgerufen werden. Magnum plant laut eigenen Angaben, an noch mehr Verkaufsstellen zu liefern und neue Produkte zu entwickeln. Die Analysten der Privatbank Berenberg gehen davon aus, dass Magnum seinen Umsatz weiter steigern kann. Gleichwohl bleibt das Geschäftsfeld nicht ohne Risiken, die Aktionäre kennen sollten. So hängt das Wohl der Firma von einem einzigen Produkt ab, eben dem Eis. Rohstoffbedingte Kostensteigerungen können sich also besonders stark auswirken, etwa wenn extreme Wetterereignisse die Ernte beeinflussen und die Ressourcen knapp werden. Schon in den vergangenen Jahren hat sich Kakao stark verteuert. Je mehr die Rohstoffe kosten, desto eher muss Magnum dies auch an die Kunden weitergeben und die Preise entsprechend anheben. Die Folge könnte ein Rückgang der Nachfrage sein. Davor warnen auch die Analysten von Berenberg. Ein ähnliches Risiko besteht bei schweren Wirtschaftskrisen, in denen die Menschen ihr Geld womöglich ­lieber sparen, als es für teure Süßigkeiten auszugeben, zumal Eis kein Produkt des täglichen Bedarfs ist. Hinzu kommt das steigende Gesundheitsbewusstsein, was zur Folge haben kann, dass Kon­sumenten ihren Zuckerkonsum reduzieren. Analystin Diana Radu sieht hier ­allerdings wenig Gefahr für das ­Geschäftsmodell von Magnum, da sich die Marke als „Genuss für besondere ­Anlässe“ positioniert hat. Zudem entwickelt Magnum auch kalorienärmere Snacks. Ob die allerdings wirklich so gesund sind wie angepriesen, sei dahingestellt. Eine dritte Unsicherheit für Magnum sind die aktuellen Entwicklungen rund um Ben & Jerry’s, der beliebten Eismarke, die ebenfalls zum Unternehmen gehört. Zwischen Unilever und Ben & Jerry’s rumort es, weil Ben & Jerry’s sich im Nahostkonflikt sehr klar positioniert hat. So wollte sich der Gründer von Ben & Jerry’s mit einer eigenen Eissorte für die Palästinenser einsetzen. Dieser hat seine Firma zwar schon vor Jahren an Unilever verkauft, mischt aber immer noch mit und ist bekannt dafür, sich politisch zu äußern. Unilever wollte die neue Eissorte nicht. Eskaliert der Konflikt weiter, könnte das auch Folgen für Magnum insgesamt haben. Für Anleger gilt es, all diese Risiken im Kopf zu behalten, wenn in wenigen Tagen für Magnum die Börsenglocke läutet.