FAZ 13.01.2026
12:00 Uhr

Börsenboom: Zwei Millionen neue Aktionäre in Deutschland


Die Zahl der Aktionäre steigt auf einen Rekord von 14 Millionen. Besonders junge Menschen setzen auf ETFs und Sparpläne.

Börsenboom: Zwei Millionen neue Aktionäre in Deutschland

Das Jahr 2025 brachte für den Dax nicht nur jede Menge Rekorde. Es hat auch immer mehr Anleger an die Börse gelockt. Wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) am Dienstag mitteilte, ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland um zwei Millionen auf gut 14 Millionen gestiegen. Die Daten basieren auf zehn Umfragen, die im Laufe des Jahres vom Institut Kantar unter 28.000 Personen repräsentativ für die Bevölkerung im Alter von 14 Jahren an durchgeführt wurden. Ein Fünftel der Befragten hält damit nun direkt oder indirekt über Fonds und ETF Aktien. Der starke Anstieg im Jahr 2025 basiert vor allem auf einem deutlich stärkeren Engagement jüngerer Menschen. Die Gruppe der Aktionäre im Alter unter 40 Jahren ist 2025 um 1,2 Millionen auf 4,9 Millionen gewachsen. Die Zahl der Aktionäre zwischen 40 und 60 Jahren stieg um gut 300.000 auf 5,1 Millionen, diejenigen, die älter als 60 sind, um 500.000 Menschen auf gut 4 Millionen. Frauen holen auf Im Fokus der Anlage unterscheiden sich die Altersgruppen deutlich. Unter den jüngeren Anlegern sind Sparpläne und ETFs weit stärker verbreitet als unter den älteren Anlegern, die mehr klassische Fonds halten und auch etwas mehr in Einzelaktien investieren. Weiterhin halten deutlich mehr Männer (25 Prozent aller Männer ab 14 Jahren) Aktien als Frauen (15 Prozent). Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der am Aktienmarkt engagierten Frauen indes deutlich stärker um 24 Prozent, während es bei Männern „nur“ 12 Prozent mehr waren. Auch die Zahl ostdeutscher Aktionäre holte auf. Den höchsten Anteil an Aktionären gibt es in Bayern (gut 25 Prozent) vor Hessen (knapp 25 Prozent) und Baden-Württemberg (24 Prozent). Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern kommen nur auf je rund 13 Prozent. Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Wohlstand und Aktienbesitz. Dies zeigt sich nicht nur regional, sondern auch in der Verbreitung in einzelnen Einkommensklassen. Demnach hält fast jeder zweite mit einem Nettomonatseinkommen von mehr als 4000 Euro Aktien oder Fonds/ETFs. In der Gruppe mit Einkommen von 3000 bis 4000 Euro sind es gut 40 Prozent. In der Gruppe mit Einkommen von 2000 bis 3000 Euro ist es jeder Vierte. Die meisten Anleger verdienen zwischen 2000 und 3000 Euro In absoluten Zahlen zeigt sich aber, dass Aktienbesitz in Deutschland keine Sache allein der Bestverdienenden ist. Im Gegenteil: Die stärkste Gruppe am Aktienmarkt ist jene mit Einkommen von 2000 bis 3000 Euro, danach jene mit 1000 bis 2000 Euro netto im Monat. In dieser Gruppe hat aber nur jeder Achte Aktien oder Fonds. Das Aktieninstitut bekräftigt daher seine Forderung, die Altersvorsorge für alle Bevölkerungsschichten am Kapitalmarkt attraktiver zu machen. „Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass eine kapitalmarktbasierte Ergänzung des Umlagesystems das Einkommensniveau im Alter sichert und zugleich die Kapitalmarktfinanzierung von Unternehmen stärkt“, schreibt das Aktieninstitut. „Wir plädieren deshalb dafür, nicht nur in der privaten Altersvorsorge, sondern auch in der gesetzlichen Rente eine zusätzliche Kapitalmarktkomponente zu nutzen.“ Die geplanten Schritte zur Ergänzung des umlagefinanzierten Rentensystems durch ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot und einer Frühstartrente für Kinder bezeichnet das Aktieninstitut als zaghaft. Viele Anleger werden offenbar selbst aktiv und warten nicht auf staatliche Förderung oder Vorgaben. Der Trend ist seit Beginn der Corona-Pandemie intakt. Seither ist die Zahl der Aktionäre von knapp zehn auf 14 Millionen gesprungen. Im Jahr 2001 hatte es den bisherigen Höchststand von knapp 13 Millionen Aktionären gegeben, bevor das Platzen der Dotcom-Blase viele Anleger verschreckte. Derzeit investieren knapp fünf Millionen Anleger in (riskantere) Einzelaktien. Der Schwerpunkt liegt aber auf breiter streuenden Fonds. Gut acht Millionen Anleger halten Aktien- oder Mischfonds. Diese Zahl ging allerdings binnen vier Jahren um 600.000 zurück. Stark gestiegen ist indes die Zahl der ETF-Sparer von 2,4 auf 4,7 Millionen.