FAZ 10.02.2026
14:09 Uhr

Bobfahrerin bei Olympia: Kim Kalicki will ein letztes Mal alles geben


Kim Kalicki gibt einen Einblick in ihre Olympia-Vorbereitungen. Sie sagt, womit sie körperlich und mental zu kämpfen hatte, welche Strategien sie sich zurechtlegt – und überrascht mit einer Aussage.

Bobfahrerin bei Olympia: Kim Kalicki will ein letztes Mal alles geben

Kim Kalicki will es dieses Mal besser machen. „Ich möchte einfach geile Spiele haben“, sagt sie. Die deutsche Bobpilotin erinnert sich an die Olympischen Spiele in Peking 2022, die wegen der Corona-Pandemie und der Einschränkungen schwierig gewesen seien. Kalicki zählte zu den Favoriten, schlitterte im Zweierbob als Vierte jedoch am Podest vorbei. „Ich bin einfach schlecht gefahren“, stellte sie damals selbstkritisch fest. Nun ist die 28 Jahre alte in Wiesbaden geborene Sportlerin außergewöhnlich entspannt. Die Bobpilotin von der TuS Eintracht Wiesbaden hat für ihre diesjährige Olympia-Vorbereitung eine mentale Leitplanke: Man dürfe sich das nicht zu sehr zu Herzen nehmen. „Das ist ein Wettkampf wie jeder andere auch. Das ist wie eine WM mit vier Rennläufen.“ Nun versuche sie, an „kleinen Stellschrauben zu drehen, was die Athletik angeht“. Aber so viel, erklärt Kalicki, gehe in der kurzen Zeit auch nicht mehr. Jetzt gelte: „Gut trainieren, gut regenerieren, gut essen, gut schlafen und viel Physiotherapie.“ All das, um mit der bestmöglichen Form an Olympia teilzunehmen. „Ich weiß, was ich schaffen kann“ Wie kann man sich die Vorbereitung so kurz vor Wettkampfbeginn vorstellen? Wenn sie in der Aufbauphase sei, trainiere sie an sechs Tagen in der Woche, in der Regel einmal täglich. Es gebe aber auch Wochen, in denen sie zweimal täglich trainiere: Montag, Mittwoch, Freitag. „Das hängt aber von der jeweiligen Trainingsphase ab.“ Wenn Krafttraining auf dem Programm stehe, radele sie erst einmal fünf bis zehn Minuten: „Ohne Widerstand, um den Körper einmal komplett durchzubewegen.“ Daraufhin Dehnübungen und „Stabi“, also Stabilitätsübungen, damit die Rumpf-, Rücken- und Hüftmuskulatur fest ist. „Dann geht’s auch schon ins Training, je nachdem was der Trainer vorgesehen hat.“ Kniebeugen, Beinpresse, Kreuzheben. Dabei reduziere sie die Wiederholungszahl. „Damit wird alles intensiver“, sagt sie. Beim Krafttraining setze sie auf höhere Gewichte. „Aber man ballert da jetzt keine sechs, sieben, acht Wiederholungen mehr, sondern wir gehen auf 3×3 (drei Sätze à drei Wiederholungen, Anmerkung d. Red.) runter“, erklärt sie. Kalicki versucht, sich so gesund wie möglich zu ernähren: „Ich schaue, dass ich auf meine Proteine komme.“ Sie habe ein Problem damit, auf das notwendige Gewicht zu kommen. „Für den Monobob wären 85 Kilogramm optimal, für den Zweierbob 80,5 Kilogramm. Dafür bin ich im Vergleich zu den anderen ein bisschen zu klein. Das schaffe ich nicht“, sagt die 75 Kilo wiegende Athletin. Zudem litt sie im Sommer an einer schweren Lungenentzündung. „Ich hatte das letzte halbe Jahr gesundheitlich ganz schön viel zu tun“, sagt sie. Dies sei auch psychisch belastend gewesen. Insgesamt sei das eine „durchwachsene Saison“ mit vielen Höhen und Tiefen gewesen. Gerade deshalb sei sie stolz darauf, dass ihr Körper es bis hierhin geschafft habe, dass sie trotzdem noch zu den besten drei Bobpilotinnen in Deutschland gehöre – und dass sie ihr Land bei Olympia vertreten dürfe. „Ich weiß, was ich schaffen kann“, betont Kalicki. „Ich freue mich einfach darauf.“ Titelhunger ist noch nicht gestillt Beim Weltcup in Frankreich 2023 ging Kalicki mit einem Vorsatz in den Wettkampf: „Vollgas am Start, Vollgas in der Bahn.“ Ob das auch für die Olympischen Winterspiele gilt? „Absolut“, sagt Kalicki ohne zu zögern. „Wir müssen 110 Prozent am Start geben, und ich muss versuchen, die vier besten Fahrten meines Lebens darunterzuzimmern.“ Sie wolle das Beste aus sich herausholen. Das deutsche Team sei gut aufgestellt. Ob das reiche, werde man sehen. Die Konkurrenz sei nämlich „sehr, sehr stark“. Mental sei sie „sehr gut vorbereitet“, so Kalicki. Das Entscheidende sei, dass sie sich um sich selbst kümmern müsse: „Ich gucke nicht nach links und nicht nach rechts. Ich schaue nur auf meine eigene Leistung, weil man die Leistungen der Konkurrenten nicht beeinflussen kann. Ich will keine Energie an andere Leute verschwenden, wenn ich die auch bei mir behalten kann.“ Für Kalicki gehe es beim Bobsport vor allem um eines: „Dass wir vorne am Start explosiv sind, alle uns komplett auspowern müssen, wie es nur geht.“ Sobald sie in den Bob reinspringe, „muss ich eigentlich die Ruhe selbst sein, damit ich den Bob ordentlich ins Ziel bringe“. Was sie am Bobsport, den sie im Alter von 17 Jahren für sich entdeckt hat, besonders reizt? „Die Geschwindigkeit“, sagt sie. Es sei schon echt „crazy“, verrückt: „Ich fahre gerade mit 150 km/h auf der Autobahn. Genauso schnell bin ich auch schon in Whistler gefahren. Das ist ganz schön cool.“ Im kanadischen Whistler feierte Kalicki 2016 ihren vierten Weltcup-Sieg. Inzwischen sind es neun. Sie ist Weltmeisterin, zweimalige Weltmeisterschaftsvize, Europameisterin. Doch ihr Titelhunger ist noch nicht gestillt. Ein weiterer Titel soll hinzukommen. Kalicki will „auf jeden Fall“ eine Medaille gewinnen, am liebsten natürlich Gold: „Das ist doch klar.“ Für ihr persönliches Ziel hat sie eine besondere Motivation: „Es werden meine letzten Olympischen Spiele sein, weil ich keine weiteren vier Jahre Bob fahren werde.“ Dementsprechend möchte sie die Winterspiele „einfach genießen“. Ihre Familie und beste Freundin werden da sein, sie anfeuern. „Danach werden wir zusammen feiern.“ Hoffentlich den krönenden Abschluss ihrer Bobfahrer-Karriere.