FAZ 14.02.2026
07:00 Uhr

Bluttest aus Marburg: Weniger Stress für Labormäuse


Arzneimittelhersteller müssen neue Produkte nach wie vor an Versuchstieren testen. Die Uni Marburg hat nun einen Bluttest entwickelt, der Labormäusen das Leben erleichtern soll.

Bluttest aus Marburg: Weniger Stress für Labormäuse

Mit einem neuen Bluttest wollen Forscher der Universität Marburg für einen Fortschritt im Umgang mit Labormäusen sorgen. Durch den Test lässt sich demnach das Tumorwachstum in Mausmodellen besonders schonend überwachen, wie die Uni meldet. Demnach lassen sich mit der neuen Methode bestimmte Enzyme direkt im Blut der Tiere bestimmen. Dadurch könnten Forscher die Tumorlast präzise verfolgen. Im Vergleich zu den sonst verwendeten bildgebenden Verfahren senke dies den Stress deutlich, unter dem die Mäuse litten. Die Neuentwicklung folge dem sogenannten 3R-Prinzip im Umgang mit Versuchstieren. Nach dieser Leitlinie sind Tierversuche möglichst zu reduzieren, durch andere Verfahren zu ersetzen oder zumindest zu verbessern. Für die Arzneimittelforschung schreibt der Gesetzgeber in Deutschland und Europa weiter Tierversuche in der frühen Phase vor. Auf diese Weise soll die Unbedenklichkeit vor dem Test an Menschen nachgewiesen werden. Bluttest nutzt Enzyme, die Glühwürmchen leuchten lassen Obwohl viele Fragestellungen heute mithilfe von Zellkulturen untersucht werden könnten, seien Tierversuche in der Krebsforschung weiterhin unverzichtbar – beispielsweise um frühe Tumorstadien oder das Zusammenspiel von Tumor und Immunsystem zu verstehen, so Thorsten Stiewe, in dessen Arbeitsgruppe der neue Bluttest entwickelt wurde. Umso wichtiger sei es, diese Versuche stetig zu verbessern, zu verfeinern und, wo möglich, zu ersetzen, um Tierleid zu verringern. Die Tumorbiologinnen Nastasja Merle und Imke Bullwinkel aus der Arbeitsgruppe haben ihre Arbeit im Wissenschaftsmagazin „Nature Protocols“ veröffentlicht. Auf diese Weise wollen sie die Methode anderen Forschern zugänglich machen. Ihr Kern ist nach Angaben der Uni die Markierung von Tumorzellen mit sogenannten sekretierten Luciferasen. Das sind Enzyme, die bestimmte Moleküle in Lichtsignale umwandeln können und so zum Beispiel für das Leuchten von Glühwürmchen verantwortlich sind. „Diese Luciferasen werden von den Tumorzellen ins Blut abgegeben, wobei ihre Konzentration das Tumorwachstum widerspiegelt – je größer der Tumor wird, desto stärkere Lichtsignale lassen sich im Blut messen“, heißt es. Die Methode ist für verschiedene Krebsarten geeignet und kann sowohl bei transplantierten Tumoren als auch bei Tumoren angewendet werden, die sich direkt im Tier entwickeln, etwa in inneren Organen wie der Lunge oder der Bauchspeicheldrüse. „Die hier vorgestellte Methode zeigt eindrucksvoll, dass exzellente Forschung und hohe ethische Standards kein Widerspruch sind“, sagt der Forschungsvizepräsident der Universität Marburg, Gert Bange.