FAZ 29.12.2025
15:41 Uhr

Bilanz der Darts-WM: Deutsche werfen weit am Ziel vorbei


Im Ally Pally sind nach Runde drei wieder alle Deutschen ausgeschieden. Es ist das nächste Jahr mit schwacher Bilanz. Zwei Gründe dafür sind offensichtlich.

Bilanz der Darts-WM: Deutsche werfen weit am Ziel vorbei

Die Hoffnungen waren groß, doch früh sind sie geplatzt: Nach Runde drei der Darts-WM sind alle deutschen Spieler ausgeschieden. Wie so oft in der Vergangenheit ist für sie Schluss, während die Weltelite weiter um den Titel spielt. Die Bilanz fällt sehr durchwachsen aus: Niko Springer, Dominik Grüllich und Lukas Wenig scheiterten zum Auftakt, Max Hopp in Runde zwei. Martin Schindler, Ricardo Pietrecz­ko, Gabriel Clemens und Arno Merk erreichten die Runde der besten 32, schieden dort allerdings alle aus. Bis auf Clemens waren sie dabei weitgehend chancenlos. Schon vor zwei Jahren hatten vier Deutsche die dritte Runde erreicht, auch damals kam keiner von ihnen weiter. Fehlende Präzision und mangelnde mentale Stärke Dass es – mit Ausnahme des unerwarteten Halbfinaleinzugs Clemens’ 2023 – Jahr für Jahr so läuft, hat vor allem zwei Gründe: fehlende Präzision und teils mangelnde mentale Stärke. Und damit die wichtigsten Faktoren überhaupt beim Darts. Punkt eins, die Präzision. Dort sind andere der deutschen Elite einen Schritt voraus. Titelverteidiger Luke Littler etwa warf über das gesamte Jahr 2025 hinweg einen 3-Dart-Average von über 100 Punkten. Der 18-Jährige setzt so seine Gegner konsequent unter Druck, auch auf der größten Bühne: In Runde drei dieser WM spielte er einen Schnitt von 107. Littler ist nicht der Einzige: Der niederländische Ju­niorenweltmeister Gian van Veen schaffte in Runde zwei gar 108 Punkte. Von solchen Scores sind die Deutschen weit entfernt. Ihr 3-Dart-Average lag bei der WM mit wenigen Ausnahmen zwischen 85 und 90. Das sind beim Darts Welten. Der deutschen Nummer eins, Martin Schindler, gelang im Ally Pally noch nie ein Schnitt von 100 oder mehr – bei nun sieben Teilnahmen. Immerhin sorgte Gabriel Clemens, eine der wenigen positiven Überraschungen, für ein Novum: Bei seiner Niederlage gegen Luke Humphries, einen der Topfavoriten, überwarf er als erster Deutscher überhaupt in einem Weltmeisterschaftsmatch die 100 Punkte. Dem bestplatzierten Deutschen Martin Schindler, Nummer 13 der Welt, rutschten Pfeile nach links in die Fünf statt in die anvisierte 20. Das setzte ihn früh unter Druck – und sorgte letztlich für Stress im Kopf. Und damit zu Punkt zwei, der mentalen Ebene. Während nur Clemens und der stark spielende Debütant Arno Merk selbstbewusst auftraten auf der wichtigsten Bühne der Dartswelt, wirkten andere blockiert. Allen voran einer, der vor der WM stets ruhig und kontrolliert agiert hatte: Shootingstar Niko Springer. Der 25-Jährige, der auf einen Mentaltrainer verzichtet, spielte in Runde eins völlig verkrampft. Die Pfeile trafen zu selten ihr Ziel, Springer haderte, erst ein bisschen, dann pausenlos. Das Resultat: schwächere Werte als gewohnt und eine klare Niederlage gegen den wenig angsteinflößenden Australier Joe Comito. Die erste deutsche Darts-Weltmeisterschaft, das hat dieses Jahr gezeigt, ist noch ein gutes Stück entfernt.