Der britische Premierminister Keir Starmer hat das Jahr mit der Ankündigung begonnen, Großbritannien „noch näher“ an die Europäische Union heranzuführen. Dabei präzisierte er jedoch nicht genau, welche konkreten Schritte der Annäherung er vollziehen will. Die konservative frühere Innenministerin Priti Patel warf Starmer sogleich Betrug am Brexit vor, während die Liberaldemokraten seine Ankündigung lobten, aber eine Konkretisierung verlangten. Starmers unbestimmte Absicht, das Vereinigte Königreich wieder stärker mit der EU zu verbinden, folgt entsprechenden Forderungen, die seit Monaten aus seiner eigenen Labour-Partei heraus erhoben werden. Sowohl Gesundheitsminister Wes Streeting, der als einer der aussichtsreichsten innerparteilichen Konkurrenten Starmers gilt, als auch Justizminister David Lammy und Paul Nowak, der Generalsekretär des Gewerkschafts-Dachverbands TUC, hatten sich in diesem Sinne geäußert. Starmer hat den Binnenmarkt im Blick Lammy propagierte eine Zollunion mit der EU, während Nowak angab, „die engste wirtschaftliche und politische Verbindung mit der Europäischen Union“ sei unabdingbar, um wirtschaftliches Wachstum in Großbritannien zu erzeugen. Im Dezember hatten überdies 13 Abgeordnete der Labour-Regierungsfraktion für einen Antrag der Liberaldemokraten gestimmt, eine Zollunion mit der EU zu begründen. Starmer sagte der BBC am Wochenende, bei weiteren Annäherungen an die EU sei es „besser, auf den Binnenmarkt zu blicken statt auf eine Zollunion“. Er erinnerte an die Handelsabkommen mit Indien und den Vereinigten Staaten, die er im abgelaufenen Jahr abgeschlossen oder im Prinzip vereinbart habe, und sagte, diese Verträge sollten nicht gefährdet werden. Er verneinte auch Mutmaßungen, seine Labour-Regierung könne bereit sein, vollständige Reise- und Niederlassungsfreiheit für EU-Bürger zuzulassen, um den Regularien des Binnenmarktes zu entsprechen. Dazu werde es nicht kommen, beteuerte der Premierminister; er erinnerte aber an die jüngste Einigung mit der EU, wonach Großbritannien ab 2027 in das Erasmus-Austauschprogramm für Studenten und junge Berufstätige zurückkehrt. Starmer wies auch auf die verabredeten Vereinbarungen hin, die unter anderem Handelserleichterungen bei Lebensmitteln und die Einbindung in den europäischen Strommarkt bewirken sollen. Weitere Kooperationen könnten auf dem nächsten Gipfeltreffen zwischen den EU-Spitzen und der britischen Regierung beschlossen werden, das im Laufe dieses Jahres beabsichtigt ist. Starmer sagte, er habe jetzt schon „die besten Beziehungen mit der EU seit zehn Jahren“ hergestellt. Weitere Angleichungen an den Binnenmarkt sollten „Thema für Thema, Sektor für Sektor“ erwogen werden.
