FAZ 21.05.2026
17:15 Uhr

Bergung unterbrochen: Der Buckelwal droht zu platzen


Ein Schleppschiff sollte den toten Buckelwal für eine Autopsie nach Grenaa ziehen – doch daraus wird vorerst nichts. Der Kadaver bläht sich derweil immer weiter auf.

Bergung unterbrochen: Der Buckelwal droht zu platzen

Nach erfolglosen Transportversuchen bleibt der Kadaver des Buckelwals voraussichtlich über Pfingsten vor der dänischen Urlaubsinsel Anholt liegen. „Es ist nicht gelungen, den geplanten Transport durchzuführen“, teilte Jane Hansen von der dänischen Umweltbehörde der Deutschen Presse-Agentur am späten Donnerstagnachmittag mit. Die dänischen Behörden hatten zunächst probiert, den Wal in tieferes Gewässer zu ziehen, um ihn anschließend in einen Hafen auf dem Festland zu bringen. Nun stecke der Wal aber auf einer Sandbank fest. Die Bergung sei deshalb vorübergehend unterbrochen worden, „während die Einsatzkräfte alternative Möglichkeiten für den Transport des Wals prüfen“, hieß es. „Das Ziel bleibt, den Wal zum Hafen von Grenaa zu transportieren.“ Ein neuer Versuch werde aber voraussichtlich erst nach Pfingsten möglich sein. Auf Bildern mehrerer Nachrichtenagenturen war in den vergangenen Tagen zu sehen, dass sich der Buckelwal mehr und mehr aufbläht. Am frühen Abend lag der Walkadaver umringt von Möwen vor der dänischen Insel Anholt, wie auf Bildern des Livestream-Anbieters News5 zu sehen war. Im Inneren des Kadavers bilden sich Fäulnisgase, die aufgrund der Fettschicht nicht entweichen können. Er droht deshalb zu platzen. Die Gefahr steigt auch durch das sonnige Wochenende, das Dänemark bevorsteht. „Wichtige wissenschaftliche Proben“ Durch den Druck könnten sich aber auch nur Risse oder Öffnungen in der Haut des Meeressäugers bilden – das Gas entwiche dann von selbst. Eine plötzliche Einwirkung von außen könnte wiederum eine Explosion des rund zwölf Tonnen schweren Tiers begünstigen. Welches Szenario eintritt, lässt sich derzeit jedoch nicht mit Gewissheit vorhersagen. Die dänische Umweltbehörde hatte zuvor beschlossen, den toten Buckelwal in die Küstenstadt Grenaa zu schleppen. Der Wal werde für Autopsie und Untersuchungen in den dortigen Hafen gezogen, teilte die Behörde der F.A.Z. mit. Die Hafenstadt sei dafür besser geeignet als die Insel Anholt. Der Transport soll mittels eines speziellen Schiffs der Umweltbehörde geschehen. Das Boot soll den Kadaver schließlich gut 50 Kilometer in den Hafen der Küstenstadt ziehen. Im Hafen von Grenaa wollen Hansen zufolge dänische Forscher und Tierärzte, die bereits an toten Walen gearbeitet haben, Proben entnehmen. Die Entnahme erfolge, um Forschern „wichtige wissenschaftliche Proben“ zu ermöglichen. Potentielles Infektionsrisiko im Fall einer Explosion Wenige Tage zuvor hatte die Umweltbehörde auf Grundlage des dänischen Notfallsystems für gestrandete Meeressäugetiere beschlossen, den Buckelwal zu bergen. Als Begründung führten die Dänen an, dass der Wal mit hoher Wahrscheinlichkeit an seiner Position im seichten Wasser verbleiben werde. Dort stelle er eine erhebliche Belästigung für Besucher und Anwohner dar. Die dänische Umweltbehörde rief die Öffentlichkeit immer wieder dazu auf, einen Sicherheitsabstand zu dem Walkadaver einzuhalten. Im Fall einer Explosion bestehe – auch in Grenaa – ein potentielles Infektionsrisiko. Der Vorgang soll übereinstimmend mit dem dänischen Notfallsystem für gestrandete Meeressäugetiere geschehen. Dieses diene auch für den Transport als Basis, so Hansen. Eine Privatinitiative hatte den mindestens fünfmal vor der deutschen Ostseeküste gestrandeten Wal zu seiner vermeintlichen Rettung in einer Barge in das viel befahrene Kattegat gebracht. Dort verendete der als „Timmy“ bekannt gewordene Buckelwal rasch, wann genau, ist ungeklärt. Der Umweltminister des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), wird kritisiert, weil sein Haus die Aktion duldete.