FAZ 13.12.2025
15:17 Uhr

Belarus: Maria Kolesnikowa und 122 weitere politische Gefangene freigelassen


In Belarus hat Machthaber Alexander Lukaschenko nach offiziellen Angaben 123 politische Gefangene freigelassen. Darunter Maria Kolesnikowa und Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki.

Belarus: Maria Kolesnikowa und 122 weitere politische Gefangene freigelassen

Die belarussische Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa und der Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki sind nach Angaben von Staatsmedien und einer Nichtregierungsorganisation zusammen mit mehr als 120 weiteren Gefangenen freigelassen worden. Insgesamt 123 Häftlinge aus verschiedenen Ländern seien begnadigt worden, berichtete am Samstag die staatliche Nachrichtenagentur Belta. Nach Angaben der Organisation Wjasna zählen zu ihnen auch Kolesnikowa und Bjaljazki. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf X, unter den Freigelassenen seien auch fünf Ukrainer. Die Vereinigten Staaten hatten kurz zuvor mitgeteilt, dass sie weitere Sanktionen gegen das autokratisch regierte Land aufhaben. Ob und welche Gegenleistung das eng mit Russland verbündete Belarus dafür erbringt, blieb in diesem Zusammenhang unerwähnt. Die belarussische Nachrichtenagentur Belta zitierte den US-Gesandten John Coale nach zweitägigen Gesprächen mit dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko lediglich mit den Worten, die USA würden die Sanktionen gegen Kali aus Belarus aufheben, einen wichtigen Bestandteil von Düngemitteln. Lukaschenko könnte auf Putin einwirken Belta zufolge verwies Coale auch auf die enge Beziehung zwischen Lukaschenko und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. So könne Lukaschenko auf Putin einwirken, sagte Coale offenbar mit Bezug zum Thema Beendigung des Krieges in der Ukraine. „Sie sind langjährige Freunde und haben die nötige Beziehungsebene, um solche Themen zu besprechen.“ Dies sei ein Weg, um den Prozess zu erleichtern. Belta zitierte Coale mit den Worten, bei dem Treffen seien viele Themen besprochen worden, neben dem Krieg zwischen der Ukraine und Russland auch Venezuela. „Wir hatten ein sehr gutes Gespräch“, sagte Coale. „Wir haben über die Zukunft gesprochen. Darüber, wie wir auf dem Weg der Annäherung zwischen den USA und Belarus vorankommen können, um die Beziehungen zu normalisieren. Das ist unser Ziel.“ Coale war bereits im September in Belarus. Kurz darauf hatte Lukaschenko 52 Gefangene freigelassen. Trump hatte die Freilassung von 1300 bis 1400 Gefangenen aus Belarus verlangt. In Belarus sind zahlreiche Menschen aus politischen Gründen inhaftiert. Die USA hatten einst ein ganzes Paket an Sanktionen gegen Belarus verhängt, darunter auch Maßnahmen gegen Lukaschenko selbst. Diese waren wegen der gefälschten Präsidentenwahl 2020 und der Unterstützung für den russischen Einmarsch in die Ukraine ausgesprochen worden. Trumps Vorgänger Joe Biden hatte auf eine Isolierung des Landes gesetzt. Trump hingegen verstärkte seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Januar das Engagement der USA in Belarus. Bereits im November hatten die USA einige Sanktionen gegen Belarus gelockert. Im Januar dieses Jahres war Lukaschenko nach Angaben der Wahlbehörden für seine siebte fünfjährige Amtszeit in Folge wiedergewählt worden. Dabei soll die Wahlbeteiligung bei 81,5 Prozent gelegen und Lukaschenko 87,6 Prozent der Stimmen erhalten haben. Westlichen Beobachtern zufolge waren auch diese Wahlen in der früheren Sowjetrepublik weder frei noch fair.