Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den belgisch-amerikanischen Teilchenforscher Francis Halzen (82) für entscheidende Beiträge zum Neutrino-Observatorium „IceCube“. „Seine Hartnäckigkeit und wissenschaftliche Vision haben den Weg für eine neue Art der Astronomie geebnet“, sagte der Vorsitzende des Physik-Nobelkomitees, Mark Pearce. Halzen, der an der Universität von Wisconsin in Madison forscht, erkannte demnach, dass sich das Eis am Südpol zur Verfolgung von Neutrinos – oft Geisterteilchen genannt – eignet. Seine Pläne präsentierte er erstmals 1988. Diese Vision und seine wissenschaftliche Führungsrolle seien von grundlegender Bedeutung für „IceCube“ gewesen – einen Kubikkilometer Eis, der mit Sensoren ausgestattet ist und 2011 fertiggestellt wurde. Mit dem Observatorium können Forscher Neutrinos aus extrem energiereichen Prozessen im fernen Universum erfassen. „Francis Halzen hat ein internationales Team von Forschern und Ingenieuren angeführt, das uns mit einem fantastischen Instrument ausgestattet hat“, sagte Pearce. Neutrinos – auch Geisterteilchen genannt – zählen zu den geheimnisvollsten Elementarteilchen. Sie besitzen keine elektrische Ladung und fast keine Masse und reagieren nur sehr schwach mit normaler Materie. Daher ist der Nachweis äußerst schwierig. Ein Neutrino sei ein geisterhafter Bote aus dem Weltraum, sagte der Vorsitzende des Physik-Nobelkomitees, Mark Pearce. Im Mittel treffen in jeder Sekunde zehn Milliarden Neutrinos auf jeden Quadratzentimeter der Erdoberfläche. Wenigstens einige davon nachweisen sollen große Detektoranlagen wie „IceCube“ im antarktischen Eis. Physik-Nobelpreis ist mit einer Million Euro dotiert Die renommierteste Auszeichnung für Physiker ist in diesem Jahr mit insgesamt zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund einer Million Euro. Die Nobelstiftung hatte das Preisgeld kürzlich auf zwölf Millionen Kronen angehoben. „In diesem Jahr feiern wir das 125-jährige Bestehen des Nobelpreises. Aus diesem Anlass freuen wir uns, das Preisgeld um eine Million erhöhen zu können“, sagte die Geschäftsführerin der Nobelstiftung, Hanna Stjärne im September. „Mit der Erhöhung stärken wir die langfristige Bedeutung des Nobelpreises und stellen sicher, dass der finanzielle Teil des Preises seinen Wert dauerhaft behält.“ Der Betrag wurde seit der ersten Verleihung im Jahr 1901 schon mehrfach angepasst. Im vergangenen Jahr waren die Quantenforscher John Clarke (Großbritannien), Michel Devoret (Frankreich) und John Martinis (USA) mit dem Preis geehrt worden. Die Nobelpreise gehen auf den Dynamit-Erfinder und Preisstifter Alfred Nobel (1833–1896) zurück. Er legte in seinem Testament fest, dass diejenigen mit den Preisen ausgezeichnet werden sollten, die der Menschheit im vergangenen Jahr in den einzelnen Preiskategorien den größten Nutzen erwiesen haben. Die Physik war dabei die erste Kategorie, die Nobel in seinem Testament erwähnte. Erster Physik-Nobelpreisträger ist 1901 der Deutsche Wilhelm Conrad Röntgen für seine Entdeckung der nach ihm benannten Röntgenstrahlen gewesen. Überreicht werden die Nobelpreise traditionell an Nobels Todestag, dem 10. Dezember. Dann werden auch die deutschen Forscher Peter Hegemann und Georg Nagel und ihr Mitpreisträger Karl Deisseroth aus den USA ihre prestigeträchtigen Nobelmedaillen im Bereich Medizin erhalten, die sie am Montag für ihre Entdeckungen auf dem Feld der Optogenetik zugesprochen bekommen haben. Novum in 125 Jahren Nobelpreis-Geschichte Erstmals in der Nobelpreis-Geschichte werden die Preisträger in den Kategorien Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften in diesem Jahr von einer Frau verkündet, nämlich von der gebürtigen Belgierin Ellen Moons. Sie ist seit Jahresbeginn die Generalsekretärin der KVA und die erste Frau in diesem Amt seit der Gründung der Akademie 1739. Die weiteren Nobelpreise in Medizin, Literatur und Frieden werden von anderen Institutionen vergeben.
