FAZ 03.01.2026
07:55 Uhr

Behandlung von Brandopfern: „Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Brandverletzungen“


Bei dem verheerenden Feuer in einer Bar in Crans-Montana haben viele Menschen schwere Brandverletzungen erlitten. Ab wann spricht man von schweren Verbrennungen? Und wie müssen sie behandelt werden?

Behandlung von Brandopfern: „Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Brandverletzungen“

Herr Dastagir, nach dem Unglück in Crans-Montana gibt es viele schwer verletzte Brandopfer. Wann spricht man von einer schweren Brandverletzung? Wir unterscheiden zwischen vier Verbrennungsgraden, wobei man zusätzlich noch zwischen 2a und 2b unterscheidet. Das heißt, insgesamt sind es fünf. Eine Verbrennung ersten Grades ist wie Sonnenbrand. Da wird die Haut rot, und die heilt von allein. Bei 2a-gradigen Verbrennungen löst sich die oberflächliche Hautschicht ab. Aber der Wundgrund ist sehr gut durchblutet, diese heilt auch spontan. 2b-gradige Verbrennungen sind tiefer, aber sie begrenzen sich auf die Haut und heilen nach einer Operation sehr gut. Drittgradig heißt, dass die Haut vollschichtig verbrannt ist, sogar mit darunter gelegenem Fettgewebe. Das heißt, man muss die tote Haut vollständig entfernen. 4-gradig heißt: vollständige Verkohlung. Für Verbrennungen gibt es unterschiedliche Ursachen? Man unterscheidet zwischen Verbrühungen mit Wasser und Öl, Verbrennungen durch elektrischen Strom und Verletzungen durch Feuer. Besonders gefährlich ist, dass es bei Bränden in geschlossenen Räumen zu einem Inhalationstrauma kommen kann. Die eingeatmete heiße Luft verletzt die Atemwege und die Lunge. Bei dem Unglück in Crans-Montana soll es zu einer Verpuffung gekommen sein. Bei Verpuffungen oder Explosionen muss geprüft werden, ob neben Brandverletzungen auch Knochenbrüche oder Verletzungen innerer Organe wie der Lunge vorliegen. Wie verläuft die Erstversorgung am Unglücksort ? Brandopfer müssen schnell mit Rettungsdecken zugedeckt werden, damit sie nicht verkühlen. Gefährlich dabei ist, dass auch Patienten mit tiefgradigen Verletzungen oft erstmal ansprechbar sind, sogar gehen und sich unterhalten können. Das andere Problem ist, dass erst nach Stunden die sogenannte Verbrennungserkrankung einsetzt. Dabei reagiert das Immunsystem auf die Verbrennungsverletzung, was dazu führt, dass periphere Blutgefäße sich ausweiten und Flüssigkeit aus diesen in die Peripherie tritt. Das kann zu einem Schockzustand führen und schon bei Verbrennungen zweiten Grades auftreten. Das heißt, der erste Eindruck kann täuschen, die Schwere zeigt sich erst mit der Zeit. Was muss man noch beachten? Es braucht viel Expertise, zum Beispiel bei der Flüssigkeitsgabe. Man darf nicht zu viel Flüssigkeit geben, denn sonst tritt diese in wichtige Organe ein. Gibt man zu wenig Flüssigkeit, sterben die Patienten wegen eines hypovolämischen Schocks. Patienten müssen in spezielle Zentren, dort gibt es unter anderem spezielle Badewannen. In denen werden die Patienten gereinigt, das heißt von Dreck und Bakterien befreit. In den Zentren gibt es auch genug Einzelzimmer, denn die Patienten haben durch die verletzte Haut keine Schutzbarriere gegen Bakterien mehr und müssen vor Infektionen geschützt werden. Wie sieht die Versorgung in den ersten Tagen aus? Früher hat man Wunden nass gehalten, doch das macht man nicht mehr, weil es zur Entwicklung von Nasskeimen kommen kann. In der modernen Wundbehandlung schauen wir individueller auf die Wunden, manche werden auch trocken gehalten oder gelüftet. Man muss schlichtweg versuchen, Wundinfektionen zu verhindern. Menschen reagieren auch sehr unterschiedlich auf Brandverletzungen, manche entwickeln schon mit 15 Prozent verbrannter Oberfläche schwere Folgekrankheiten, andere erst mit 30 Prozent. Die ersten Tage sind dafür entscheidend.