FAZ 25.02.2026
14:26 Uhr

Beginn der Pollensaison: „Es kommt Leben in die Bude“


Die ersten Frühblüher machen Allergikern zu schaffen. Was blüht in welchen Regionen? Und wie lassen sich die Symptome behandeln?

Beginn der Pollensaison: „Es kommt Leben in die Bude“

Viele haben es in dieser Woche schon gemerkt: Die Augen ­jucken, die Nase läuft. Denn mit Sonnenschein und milden Temperaturen kommt auch der Pollenflug wieder in Gang – zumindest dort, wo das nicht schon längst der Fall ist. „In diesem Jahr waren die regionalen Unterschiede ungewöhnlich groß“, sagt Matthias Werchan von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst. Während Allergiker im Süden und Westen des Landes schon seit einigen Wochen zu kämpfen haben, sind die im Norden und Osten bisher verschont geblieben. Aufgrund des lang andauernden frostigen Winterwetters hatte die Erlenblüte dort noch nicht einmal eingesetzt, während sie in anderen Regionen schon fast ihren Höhepunkt erreichte. Doch der Wetterumschwung ändert die Lage. Dabei sind in diesen Tagen der Süden und Westen zunächst noch etwas stärker betroffen, weil die Natur dort schon weiter ist als im Rest des Landes. „Aber die Pollen haben ja eine spezielle Angewohnheit: Sie können ganz weit fliegen“, sagt Werchan. Spätestens in einer Woche geht es auch im Norden los Mit Südwind erreichen die Erlen­pollen auch die Gebiete, in denen die Pflanze noch gar nicht blüht. Und spätestens in einer Woche sollten die Erlen dann so viel Wärme abbekommen haben, dass der Pollenflug auch in den hintersten Ecken Norddeutschlands beginnt. Im Vergleich zu den Vorjahren war die Pollenpause in diesem Jahr, zumindest in einigen Regionen, schon recht lang, sagt Werchan. Denn üblicherweise sei nur der November eine richtige Verschnaufpause für Allergiker. Die ist jetzt endgültig vorbei. „Man kann den Pollen im Laufe der Woche nicht mehr entgehen“, sagt Werchan. Auch wenn es noch mal kalt werden sollte, sei das dann nur eine kurze Unterbrechung. „Die Sonne wird jetzt einfach kräftig, und das heißt, es kommt Leben in die Bude.“ Der Pollenflug werde auch bald diverser. Zu der Erle kommen dann auch Eibenpollen, Zypressen, erste Pappeln und Ulmenpollen hinzu. Auf diese reagieren zwar weniger Menschen allergisch, doch sind sie für einige eine zusätzliche Belastung. Die Augen jucken und tränen Die schlimmste Phase für Allergiker beginnt dann mit dem April. „Da blühen die meisten Bäume gleichzeitig“, sagt Werchan. „Nicht nur die Birke und die Esche, die zu den bedeutsamsten aller­genen Pollen zählen, sondern auch die Pappel, die Ulme, die Eiche, die Buche, die Maulbeere und so weiter.“ Allergiker spüren das sofort. Die Augen jucken, sind gerötet und tränen, die Schleimhäute in der Nase entzünden sich. Die Folgen: Schleimbildung, Schwellungen und Reizungen. „Und dann gibt es den klassischen Etagenwechsel, das heißt, dass man Husten muss und möglicherweise schlechter Luft bekommt“, sagt Eva Valesky, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie in Frankfurt. Das könne im schlimmsten Fall zu einem allergischen Asthma werden. Der Heuschnupfen kann mild sein, die Symptome können aber auch so stark werden, dass sich ein richtiges Krankheitsgefühl einstellt. „Man sagt nicht umsonst im englischen auch ‚hay fever‘“, sagt die Ärztin. Dazu kommen bei manchen Menschen die Kreuzallergien, also die Form von Allergie, in der das Immunsystem Proteine in Lebensmitteln für Pollenallergene hält, weil sie sich in ihrer Struktur ähneln. ­Gerade Menschen, die gegen Birke, Hasel und Erle allergisch sind, können beim Verzehr von Stein- und Kernobst Juckreiz im Mundraum oder Verdauungsprobleme entwickeln. „Die Allergene werden intensiver“ In Deutschland sind rund 20 bis 30 Millionen Menschen von Pollenallergie betroffen – Tendenz steigend. Das liegt auch am Klimawandel, nicht nur, weil die Blütezeit in der Regel, dieses Jahr ausgenommen, früher beginnt. „Der Pollen ver­ändert sich, und die Allergene werden intensiver“, sagt Valesky. Doch gegen den Heuschnupfen lässt sich etwas tun. Antihistaminika, ob als Tablette, Augentropfen oder Nasenspray, seien sehr wirksam. Auch zur Immuntherapie rät die Ärztin. Die sei auch noch für ältere Menschen eine sinnvolle Lösung, anders als die Forschung es noch vor einigen Jahren annahm. Die Therapie sollte man aber eher in einem symptomfreien Intervall beginnen, nicht zur Hochzeit der Allergie. Ansonsten könne man sich auch an ein paar der klassischen Tipps halten: eher abends statt morgens duschen, um die Pollen aus den Haaren und vom Körper zu waschen, regelmäßig die Bett­wäsche wechseln oder mit einer Sonnenbrille vor die Tür gehen, um die Augen zu schützen. Bei dem angekündigten Sonnenschein ist das wahrscheinlich sowieso eine gute Idee.