FAZ 29.01.2026
19:59 Uhr

Begehrte Rechte: Ein Staatsfonds schielt auf Musik


Rechte an beliebten Songs sind ein gefragtes Investment. Auch ein Staatsfonds aus Singapur will mitmischen – gemeinsam mit Sony Music. Der milliardenschwere Plan ist nicht der erste seiner Art.

Begehrte Rechte: Ein Staatsfonds schielt auf Musik

Anthropic, Stromnetzbetreiber Tennet oder der Ablesekonzern Techem : Drei bekannte Unternehmen, in die GIC auf die ein oder andere Weise investiert hat. Und das üp­pige Portfolio des singapurischen Staats­fonds dürfte bald auch lukrative Musik­rechte beinhalten. Das zumindest ist das Ziel einer neuen Partnerschaft mit Sony Music . Am Mittwochabend deutscher Zeit gaben beide Seiten die Gründung eines Joint-Ventures bekannt, über das sie gemeinsam Kataloge erwerben wollen. Auch die Sony Bank, wie das weltweit zweitgrößte Musikunternehmen Teil des japanischen Konzerns, ist Teil des Unterfangens. Finanzielle Details wurden zunächst nicht mitgeteilt. Bloomberg berichtet jedoch, dass die Partner bis zu drei Milliarden Dollar investieren wollen. Wie Musikwelt und Finanzwelt zusammenarbeiten Musikrechte sind seit einigen Jahren wieder stärker in den Fokus von Finanz­investoren gerückt. Der Reiz liegt in der Aussicht auf langfristig stabile und allein schon durch das Streamingwachstum steigende Einnahmen. Tantiemen von Streamingdiensten wie Spotify einsammeln und einem Rechteinhaber zustehende Gelder aus der Nutzung eines Songs im Fernsehen, in Werbung, Filmen oder auch Videospielen beanspruchen, kann jedoch schnell kompliziert werden. Die erfolg­reiche – und potentiell lukrative – Plat­zierung in eben diesen Ausspielformen ist noch einmal ein ganz anderes Thema. Die Ressourcen und die Expertise hierfür müssen Katalogkäufer aus der Finanzwelt folglich einkaufen. Einige Akteure bauten in der Vergangenheit eigene Strukturen dafür auf. Ein anderer und beliebter Weg sind Partnerschaften mit Musikun­ternehmen. Auch für diese sind solche Konstellationen von Vorteil, da sie Zugriff auf Kapital bekommen. Mehr als eine Milliarde Dollar für ein Rechtepaket von Queen So hatte zuletzt beispielsweise Apollo Global Management 700 Millionen Dollar bereitgestellt, die Sony für den mehr als eine Milliarde Dollar teuren Kauf eines umfangreichen Rechtepaktes von Queen genutzt hat. Auch den Kauf der Autorenrechte von Bruce Springsteen stemmte Sony gemeinsam mit einem Partner, der US-Holding Eldridge Industries. Das Modell ist freilich keine Sony-Eigenheit. Warner Music , hinter den Ja­panern und Marktführer Universal Music die Nummer drei der Musikwelt, gab Anfang Juli vergangenen Jahres die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit Bain bekannt. Hier sind zunächst 1,2 Milliarden Dollar für Rechte vorgesehen. Universal Music wiederum unterhält eine Partnerschaft mit Chord Music. Die Mehrheit der Anteile an Chord hält Dundee Partners, die Investment-Gesellschaft der Familie des ehemaligen Goldman-Sachs-Managers Stephen Hendel. Der große, von niedrigen Zinsen befeuerte Run auf Musikrechte vor einigen Jahren brachte teils im Wochentakt neue Abschlüsse. Manch ein umtriebiger Käufer kam durch steigende Kosten für die Ka­pitalbeschaffung und Schuldentilgung infolge der Zinswende in die Bredouille und ist heute nicht mehr aktiv. Doch Rechte sind nach wie vor sehr begehrt – und längst nicht alle Geschäfte werden publik gemacht, sondern gehen über die Bühne, ohne dass sie Schlagzeilen machen. Auch der Pensionsfonds aus Michigan setzt auf Musikrechte Um im millionenschweren Wettbieten mithalten zu können, gehen auch kleinere Musikunternehmen Partnerschaften ein. Primary Wave etwa, ein US-Verlag, der schon seit vielen Jahren Kataloge aufkauft, gab im Oktober 2022 eine Partnerschaft mit Brookfield Asset Management bekannt. In dem Zuge erwarb der kana­dische Finanzinvestor auch einen „signi­fi­kanten Minderheitsanteil“, wie es damals hieß. Die Bertelsmann-Musiksparte BMG unterhielt einige Zeit eine lose Partnerschaft mit KKR , kauft aber auch allein weiter fleißig Rechte auf. Einen besonderen Finanzier hat derweil Concord . Das Unternehmen erwarb unter anderem für mehr als 300 Millionen Dollar ein Rechtepaket von Tony Banks, Phil Collins und Mike Rutherford. Es gehört mehrheitlich dem Pensionsfonds des US-Bundesstaates Michigan. Obendrein setzt Concord auf Anleihen – besichert mit dem üppigen Katalog und den Einnahmen, die die Songs perspektivisch einspielen.