FAZ 07.05.2026
14:41 Uhr

Bayerns Aus gegen PSG: Lehren für Nagelsmann


Dass sich der radikal optimistische Ansatz der Bayern nach gut zwei Minuten als radikal naiv erwies, wird der Bundestrainer mitbekommen haben. Bei der WM können die richtigen Schlüsse daraus entscheidend werden.

Bayerns Aus gegen PSG: Lehren für Nagelsmann

Don’t believe the hype: Das ist ein Grundsatz des Fußballtrainers Vincent Kompany. Und auch wenn der konkrete Hype, an den er am späten Mittwochabend nicht glauben wollte, ein anderer war, konnte man das auch auf die beiden Duelle des FC Bayern mit Paris Saint-Germain beziehen. All jenen, die im Hinspiel nicht nur ein Überspiel gesehen hatten, sondern eines, das das Spiel als solches verändere, lieferte das Rückspiel die Antithese. Für Kompanys Bayern mit einer doppelt schmerzlichen Pointe: Für sie war es ein verhängnisvoller Irrglaube, dass das Rückspiel einfach nur die Fortsetzung des rauschhaften Hinspiels sein würde. Als nach zwei Minuten und 21 Sekunden das 0:1 fiel, hatten die Bayern das noch nicht mitbekommen. Den Hangover bekamen sie umso härter zu spüren: weil sie von nun an erfuhren, dass der Titelverteidiger aus Paris nicht nur ein Tor, sondern schon die nächste Wendung und Wandlung voraus war. Der radikal offensive und optimistische Ansatz der Bayern hatte sich in diesem richtungsweisenden Moment als radikal naiv erwiesen. Das ist kein Anlass für ein grundsätzliches Misstrauen in Kompanys Idee vom Fußball. Es zeigt sich nur, dass sie gerade auf höchstem Niveau anfällig ist für Störungen verschiedener Art. Wobei die größte darin bestand, dass PSG dieses Spiel einfach nicht mehr mitspielte, nicht mehr mitspielen musste und auf eindrucksvolle Art zeigte, dass es auch ganz anders kann. Und damit zu einer anderen deutschen Fußballmannschaft, bei der das Verhältnis von Offensive und Defensive notorisch klärungsbedürftig ist. Julian Nagelsmann verfügt im Nationalteam grundsätzlich ebenfalls über ein Personal, mit dem Spiele eher damit gewonnen werden, ein Tor mehr als der Gegner zu schießen, als damit, eines weniger zu kassieren. In der Vergangenheit waren auch deutsche Mannschaften bei Turnieren aber immer dann erfolgreich, wenn sie im entscheidenden Moment in die andere Richtung dachten. Für seinen Stadionbesuch hatte der Bundestrainer sich deshalb vielleicht sogar das bessere der beiden Halbfinalspiele ausgesucht: Mit Blick auf die in gut einem Monat beginnende Weltmeisterschaft ist es jedenfalls nicht unrealistisch, dass auch von seiner Mannschaft ein schnelles Umschalten von optimistischem zu pragmatischem Fußball gefragt sein wird. Oder anders gesagt: Wenn sein Team nach im besten Fall lustvoller Vorrunde ein mögliches Achtelfinale gegen Frankreich mit einem ähnlichen Mindset beginnt wie die Bayern am Mittwoch gegen Paris, droht es ebenfalls rasant von der Realität überholt zu werden. Im großen Finale von Budapest ist der deutsche Fußball mit Kai Havertz vom FC Arsenal zwar schmaler vertreten, als auch der Bundestrainer sich das erhofft hatte. Aber dramatisch unterrepräsentiert ist er damit nicht. Für den Hype um das Hinspiel der Bayern gegen Paris hatten vor allem Spieler gesorgt, die bei der WM in anderen Nationaltrikots zu sehen sein werden (oder, wie der Georgier Kwarazchelia, gar nicht). Von seinem Stadionbesuch konnte Nagelsmann deshalb auch eine spannende Frage mit nach Hause nehmen, die sich wie eine Antithese zu manchem liest, was er zuletzt entschied: was es bedeutet, dass die deutschen Spieler, die am ehesten auf eine bayerische Finalteilnahme Hoffnung machten, nicht zu seiner Abteilung Angriff gehören. Sondern Joshua Kimmich und Manuel Neuer hießen.