FAZ 25.02.2026
08:28 Uhr

Bayer glanzlos weiter: Leverkusens nächster biederer Fußballabend


Nach dem 0:0 gegen Piräus steht Leverkusen zwar im Achtelfinale der Champions League. Der Abend wirft dennoch Fragen auf. In der nächsten Runde wartet eine der besten Mannschaften Europas.

Bayer glanzlos weiter: Leverkusens nächster biederer Fußballabend

Der dringende Wunsch nach „Abwechslung“, den Kasper Hjulmand kurz vor Mitternacht zum Ausdruck brachte, war nach diesem tiefgrauen Champions-League-Abend, der ausgesprochen schlecht ins Konzept dieses Wettbewerbs passte, leicht nachvollziehbar. Statt Tempo, Spektakel, Toren und Schönheit bot sich dem Publikum beim 0:0 von Bayer Leverkusen ein Bild biederer Fußballmonotonie: Pass–Pass–Fehler. Zwischendurch gab es ein paar Zweikämpfe, spielerisch funktionierte aber wenig. Piräus brachte ebenfalls kaum einen Angriff bis zu einem klaren Abschluss, und am Ende glückte nicht einmal die Analyse vollständig. „Das war leider kein Zuckerschlecken von uns“, sagte Jonas Hofmann, der mit diesem Satz offenkundig zum Ausdruck bringen wollte, wie sehr das Publikum unter dieser Darbietung zu leiden hatte. Dass diese Metapher eigentlich dazu dient, auf besonders große Widerstände hinzuweisen, die überwunden werden mussten, war dem Mittelfeldspieler anscheinend entfallen. „Was im Endeffekt zählt, ist, dass wir weitergekommen sind“, sagte der Torhüter Janis Blaswich, und hier setzte Hjulmand mit seinem Bedürfnis nach „Abwechslung“ an. Im Achtelfinale spielt Bayer entweder gegen Arsenal oder die Bayern Im Achtelfinale des Wettbewerbs treffen die Leverkusener nun entweder auf den FC Arsenal, oder den Rheinländern stehen ein paar hochintensive Bayern-München-Wochen bevor. Sollte Bayer 04 am Freitag bei der Auslosung der Rekordmeister aus der Bundesliga zugelost bekommen, käme es rund um die Länderspielpause vor Ostern zwischen dem 11. März und dem 21. April zu vier Duellen der beiden Klubs: in der Bundesliga, im Halbfinale des DFB-Pokals und zwei Mal im Europapokal. Drei dieser Partien würden in Leverkusen stattfinden, was schon einen gewissen Reiz entwickeln könnte. Ein Achtelfinale gegen Arsenal sei im Sinne der Vielfalt dennoch „besser“, sagte Hjulmand. Ähnlich äußerten sich die Spieler, die sich aber erst einmal mit sich selbst beschäftigen müssen. Denn dieser fehlerhafte Auftritt gegen Piräus endete vor allen Dingen deshalb glimpflich, weil die Griechen zwar rannten und pressten, aber vollkommen harmlos blieben. Schon am vorigen Samstag bei der Niederlage bei Union Berlin hatte Bayer 04 ohne die erforderliche Energie gespielt, das wiederholte sich jetzt. Hofmann sprach von „individuellen Fehlern und von mannschaftlichen Fehlern“, „behäbig“ fand Robert Andrich den Auftritt, und Hjulmand sagte: „Diese Leistung reicht nicht.“ Das ruft ein paar weiterhin unbeantwortete Fragen in Erinnerung, die sich in Leverkusen schon länger stellen: Wie stark ist dieses neu zusammengesetzte Bayer Leverkusen wirklich? Ist einfach das Entwicklungstempo so langsam, dass Phasen der Schwäche zum Prozess gehören – gerade, wenn die Beine mal müde werden? Oder fehlt diesem von Trainer Hjulmand gelenkten Kollektiv jene Erfolgskraft, die in den Köpfen entsteht und die hinter dem Begriff „Mentalität“ steckt, um mehr Konstanz und Beharrlichkeit zu entwickeln? „Gute Frage“, sagte Hjulmand, ohne eine klare Antwort geben zu können. Gut war, dass Bayer 04 ohne Gegentor blieb und dass das Weiterkommen nie ernsthaft in Gefahr geriet. Aber dieser dauerhafte Leistungshunger aus der Zeit mit dem Trainer Xabi Alonso ist nicht mehr vorhanden. Das zeigt sich auch an einem kleinen Detail, das zumindest theoretisch noch große Auswirkungen haben könnte. Die Werkself ist weiter mit sich selbst beschäftigt Mit Erfolgen der deutschen Klubs in den Europapokalen bestehen gute Aussichten auf einen fünften Platz für die Bundesliga im Teilnehmerfeld der kommenden Champions-League-Saison. Ein Sieg gegen Piräus hätte Deutschland einen weiteren Punkt für dieses Ranking eingebracht und damit auch sehr konkret die Chancen von Bayer Leverkusen auf die abermalige Qualifikation für den Edelwettbewerb verbessert. Denn im Moment sind die Rheinländer Sechster in der Bundesligatabelle. Dieser Gedanke trieb Bayer Leverkusen aber nicht dazu, energischer und konzentrierter zu spielen. Die Werkself ist weiterhin vor allem mit sich selbst und dem eigenen Entwicklungsprozess beschäftigt. Am Ende des Abends wies Hjulmand beim Blick auf die möglichen Gegner im Achtelfinale noch darauf hin, wie viel Geduld beim FC Arsenal erforderlich war, bis diese Saison möglich wurde, in der der Klub der englischen Meisterschaft entgegenstrebt und das stärkste Europapokalteam der ersten Saisonhälfte wurde. Die Londoner haben „sechs, sieben Saisons gebraucht“, um dieses Niveau zu erreichen, sagte der dänische Trainer. Im Subtext hieß das: Habt bitte auch Geduld mit uns und verzeiht uns biedere Fußballabende wie diesen.