Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Und weil Sie, liebe Leserinnen und Leser, in dieser Zeit sicher nur auf den nächsten Rückblick oder das nächste Quiz warten, haben wir eine zugegeben relativ weit gefasste Frage im Angebot, die sowohl das eine als auch das andere ist: Über was hat die Welt in den vergangenen sechs Monaten gesprochen? Wenn Sie nun an die vielen Kriege, die Politik von Donald Trump oder die Epstein Files denken, liegen Sie falsch. Es war natürlich das Tennis-Duell der Geschlechter zwischen Aryna Sabalenka und Nick Kyrgios. Zumindest behauptete der Australier das am Sonntag in Dubai vollmundig und setzte damit den Schlusston für ein aufgeblasenes Event, das hielt, was es versprach: nichts. Hängen bleibt von so diesem Match nur die zur Schau gestellte Unterlegenheit Das ging auch schon mal anders. Als Billie Jean King 1973 den fast doppelt so alten Bobby Riggs schlug, kämpfte sie für die Emanzipation. Seitdem hat sich einiges bewegt. Frauen erhalten, zumindest bei den vier Grand-Slam-Turnieren, genauso viel Preisgeld wie Männer, was im Sport noch immer selten ist. Die Unterschiede in der Athletik zwischen Frauen und Männern aber sind geblieben. Und damit zurück zum Duell vom Sonntag, in dem das, was schon bekannt war, wieder deutlich sichtbar wurde. Kyrgios, 2022 noch im Wimbledon-Finale, zuletzt aber zwei Jahre lang fast nur verletzt, ist auf den 671. Weltranglistenplatz abgerutscht. Sabalenka, die Nummer eins bei den Damen, profitierte von Regeländerungen, die ihr zugute kamen: Ihr Feld war kleiner, es wurde nur mit einem Aufschlag gespielt. Und trotzdem wirkte es, als musste Kyrgios nicht an seine Leistungsgrenze gehen, um Sabalenka 6:3, 6:3 zu besiegen. Von so einem Duell und seinem Ergebnis geht, ob man will oder nicht, eine Botschaft aus. Was bleibt hängen von einem Match, in dem die beste Spielerin der Welt in einer Spielpause zu „Macarena“ tanzt und trotz Regel-Vorteilen keine Chance gegen einen zuletzt überwiegend verletzten Chaoten hat? Es ist vor allem die zur Schau gestellte Unterlegenheit, an der sich nichts ändern lässt. Zu gewinnen wäre für Sabalenka aber auch kaum etwas gewesen, wenn es anders gelaufen wäre: Dann hätten Kritiker wohl die angepassten Regeln für ihren Sieg als Erklärung herangezogen. So wie das Match angelegt war, gab es aus emanzipatorischer Sicht nur etwas zu verlieren. Aber darum wird es Sabalenka und Kyrgios, die von derselben Agentur beraten werden, gar nicht gegangen sein. Im Vordergrund stand bei der als „Battle of the Sexes“ inszenierten PR-Show der Wille, die beste Tennisspielerin (bekannt, weil sie sehr gutes Tennis spielt) und Kyrgios (bekannt, weil er eine große Klappe und großes Talent hat, aber dafür viel zu selten sehr gutes Tennis spielt) noch ein wenig bekannter zu machen. Und um damit Geld zu verdienen. Diese Rechnung wird aufgegangen sein. Den Preis dafür zahlt das Frauentennis. Die Protagonisten wollen davon nichts wissen, sprachen von der Aufmerksamkeit, die sie ihrem Sport verschafft hätten. Und sie brachten schon einen Rückkampf ins Spiel, was uns zur nächsten und – versprochen – letzten Quiz-Frage im Kyrgios-Duktus bringt: Über was wird die Welt in den kommenden sechs Monaten sprechen? Wir können es noch nicht mit Sicherheit sagen, wissen aber zumindest eines: Ein zweites „Battle of the Sexes“ wird es nicht sein.
