Viermal fand der Ball des Sports seit seiner Rückkehr nach Frankfurt in der Festhalle statt. Es waren rauschende Feste mit großen emotionalen Momenten, die die Bedeutung eines solchen gesellschaftlichen Höhepunkts im Zusammentreffen von Sport, Wirtschaft und Politik untermauerten. Auch wenn regionale Bezüge von untergeordneter Bedeutung sind, so profitiert Frankfurt von einem solchen gesellschaftlichen Großereignis mit bundesweiter Ausstrahlung. Nach dem Aus für den Opernball gibt es somit noch ein zweites Ereignis mit Glamourfaktor neben dem stets im November organisierten Sportpresseball. Der Ball des Sports unterstreicht die Ambitionen Frankfurts, wenigstens sportpolitisch die deutsche Sporthauptstadt zu sein, wenn sie schon mangels geeigneter Sportstätten als Austragungsort abseits des Fußballs in eine Nebenrolle geraten ist. Die Weltmeisterschaft in der Rhythmischen Sportgymnastik im August stellt eine erfreuliche Ausnahme dar und weist zugleich darauf hin, dass für größere Ereignisse dringend die geplante Multifunktionsarena benötigt wird. Das Lotto-Engagement ist entscheidend Eine gewisse Beunruhigung löst die Frage um die Zukunft des Balls aus. Der Vertrag für den Standort Frankfurt endet 2027. Die Sporthilfe hatte schon im vergangenen Jahr deutliche Signale gesendet, gerne weiter nahe dem eigenen Sitz feiern zu wollen. Das Land Hessen zögerte Gesprächstermine aber bisher hinaus. Das wiederum löst in Frankfurt Sorge aus. Die Stadt sieht sich schon heute mit ihren 580.000 Euro an direkten Mitteln und ihrem Einfluss auf die Messe Frankfurt und deren Kulanz als Vermieter als größter Unterstützer. Das Land Hessen beansprucht diese Rolle allerdings ebenfalls. Neben der Unterstützung durch Lotto Hessen rechnet sich das Land auch den Einsatz des Flughafenbetreibers Fraport und ebenfalls der Messe Frankfurt zu. Bei Lotto stehen nach der Stabübergabe vom früheren Geschäftsführer Heinz-Georg Sundermann an Martin Blach noch Entscheidungen aus, welche Schwerpunkte künftig gesetzt werden. Dann könnte die Stadt Frankfurt in die Rolle gezwungen werden, auch diese Differenz aufbringen zu müssen. Vor diesem Hintergrund ist mögliches Interesse aus Wiesbaden, wo der Ball bis 2022 seine Heimat hatte, Grund für zusätzliche Unruhe. Die Wiesbadener CDU wirbt im Kommunalwahlkampf für eine Rückholaktion. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) betont auffällig, dass sich das Land aus einer Konkurrenz der beiden hessischen Städte heraushalten werde, obwohl es gar keinen offiziellen Grund für die Annahme einer möglichen Konkurrenzsituation gibt. Der Ball des Sports darf in dieser Gemengelage nicht zum Spielball werden, der letztlich auch noch beispielsweise in München landen könnte, wenn die dortigen Olympiabewerber ein Zeichen der Stärke aussenden wollten. Das wäre dann eine Niederlage für die Region, die Hessen nicht riskieren sollte.
