Die baden-württembergische SPD präsentiert sich in ihrer Kampagne zur Landtagswahl als bürgerorientierte Kümmerpartei: Der Slogan der Kampagne lautet „Weil es um Dich geht“; der 56 Jahre alte Spitzenkandidat Andreas Stoch ist auf verschiedenen Großflächenplakaten mit Tobias, Frida, Rose und Fabia zu sehen. Tobias ist ein Handwerksmeister, Rose Rentnerin, Frida geht noch zur Schule, und Fabia stellt sich als Mutter vor. „Wir wollen in diesem Wahlkampf die Menschen mit ihren Problemen in den Mittelpunkt stellen. Das ist vor allem das Thema Bezahlen in diesen schwierigen Zeiten“, sagte Stoch der F.A.Z. Dazu zählten der Wohnungsmangel und die Tatsache, dass nach zehn Jahren grün-schwarzer Regierung 60.000 Kita-Plätze fehlten. Das Thema Wirtschaftskrise gehöre auch zu den konkreten Problemen der Menschen, es sei aber falsch, wie die FDP und die AfD den Wählern mit einem „übellaunigen“ Wahlkampf noch mehr Angst zu machen. Derzeit kann die SPD bei der Landtagswahl am 8. März nur mit zehn Prozent der Wählerstimmen rechnen. Ein Absturz in die Einstelligkeit in Baden-Württemberg und der Verlust des Ministerpräsidentenamtes in Rheinland-Pfalz, wo am 22. März gewählt wird, könnten negative Auswirkungen auf die Bundes-SPD und die Bundesregierung haben. Ähnlich wie die CDU hat auch die SPD den Anschluss an das Arbeitermilieu verloren. Die Krise der Automobilindustrie verschärft dort die Unzufriedenheit. Das Bemühen der SPD um dieses Thema konnte an den Umfragewerten bislang nichts ändern. Die SPD will Wohnungen Die SPD will den Bau von Wohnungen mit einer Landesentwicklungsgesellschaft fördern. Auf das mutmaßlich linksterroristische Attentat auf das Berliner Stromnetz reagierte Stoch mit der Forderung, ein Landesamt für Katastrophenschutz zu gründen. Ein Krisenstab dürfe nicht erst im Katastrophenfall einberufen werden. Ein Problem der SPD ist auch, dass sie mit zwei linken Parteien um Stimmen konkurriert: Die Linkspartei könnte im März erstmals in den Landtag kommen; die Grünen sind seit mehr als zehn Jahren die führende Partei der linken Mitte in Baden-Württemberg. Die Linkspartei werde in der Fläche, sagte Stoch, kaum eine Rolle spielen und sich mit dem Thema Mieten auf die Universitätsstädte konzentrieren. „Wir machen beim Kampf gegen die Wohnungsnot und zu hohe Mieten die seriöseren Angebote.“ Mit Blick auf die Grünen, sagte Stoch, könne es sein, dass der „Özdemir-Effekt“ ausbleibe. Angesichts des aktuellen Streits über den Austritt des klimaschädlichen Treibhausgases Schwefelhexafluorid bei der Firma Solvay in Bad Wimpfen sagte Stoch: „Das zeigt beispielhaft, dass es zwischen CDU und Grünen keine Vertrauensbasis mehr gibt.“ Die CDU wirft ihrem grünen Koalitionspartner und der grünen Umweltministerin vor, auf den Austritt des Gases zu spät reagiert zu haben. Die SPD sei bereit, gemeinsam mit der CDU zu regieren oder auch in eine Deutschland-Koalition einzutreten.
