FAZ 09.02.2026
06:22 Uhr

Bad Bunny beim Super Bowl: Ein unterhaltsamer Hase, mehr nicht


Donald Trump hat es nicht gefallen, dass Bad Bunny in der Halbzeitpause des Super Bowls Spanisch gesungen hat. Doch selbst die Tiraden des Präsidenten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Showbiz im Grunde unpolitisch ist.

Bad Bunny beim Super Bowl: Ein unterhaltsamer Hase, mehr nicht

In der polarisierten Gesellschaft färbt eine Unterscheidung alles ein. Es wird in ihr nicht nur republikanisch oder demokratisch gewählt, sondern auch so geheiratet, gewohnt, geglaubt, gelesen und gefeiert. Donald Trump und die Seinen, aber auch seine Gegner haben es darin weit gebracht. Sie hören beispielsweise auch republikanisch, oder besser: trumpistisch Musik. Und umgekehrt: Es genügt, dass jemand „Fuck ICE“ sagt, um ihn als Helden des Widerstands gegen Trumps Tyrannei zu erkennen. Die Unterhaltung in der Pause des Super Bowls haben Trump und die Seinen deshalb als „unpatriotisch“ kritisiert, weil sie von Bad Bunny, einem aus Puerto Rico stammenden Sänger, bestritten wurde. Seit 1998 ist er Bürger der Vereinigten Staaten. Bad Bunny, bürgerlich Benito Ocasio, hatte sich, als er den Grammy-Musikpreis erhielt, kritisch zum Gebaren der Grenzpolizei ICE geäußert. Er singt auf Spanisch, was die Sprache von mehr als vierzig Millionen Nordamerikanern ist, etwa 14 Prozent der Bevölkerung. Und er nimmt sich heraus, über die Kolonialgeschichte seines Mutterlandes zu singen. Politisch war am Auftritt von Bad Bunny gar nichts Das alles ist verständlich, führt ihm ein großes Publikum zu und ist erlaubt. Der Mann ist amerikanischer Staatsbürger, und die Kunst ist frei. Donald Trump muss die Musik von Bad Bunny nicht mögen. Dass er sich aber nicht zurückhalten kann, sich abfällig über sie zu äußern, dass er es unamerikanisch findet, wenn jemand in der Halbzeitpause des Super Bowls Spanisch singt, sagt mehr über ihn aus als über diese Musik. Jetzt haben wir sie gehört. Ein im weißen Anzug auftretender Sänger, der von vielen Frauen, auch ein paar Paaren, umtanzt wurde, bewegte sich durch einen Hain so, wie es früher die Schlagerstars in den Kulissen der Abendshows mit dem Fernsehballett taten. Cha-Cha-Cha in Rap-Version. Gute, rhythmisch beschwingte Laune. Bestätigung aller Phrasen vom lateinamerikanischen Temperament. Womöglich stimmen sie ja sogar. Politisch war daran gar nichts. Es war harmlos. Wer ausdrücklichen Widerstand, demonstrative Kritik erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die Operette ist keine Form des Widerstands, und Bad Bunny ist eine Operettenfigur, ein puerto-ricanischer Czardas-Fürst, auch wenn seine Anhänger davon nichts wissen. So trat er jedenfalls in Santa Clara auf, gewinnend harmlos und lustig, während sie vor ihm und nach ihm Football spielten. Politisch sind Show-Acts ohnehin selten. Trotz des Geredes, sie seien politisch, weil Bad Bunny etwas gegen Trumps Truppen gesagt hatte, die Migranten drangsalieren. Donald Trump sähe darin gern politische Gegnerschaft, weil es ihm zupasskommt, alles auf sich und seine Politik zu beziehen. Manche seiner Gegner lassen sich darauf ein und halten Singen für eine politische Tat. Es genügt, dass jemand „Kolonialgeschichte“ sagt oder singt, um sich für den Widerstand zu qualifizieren. Im Football-Stadion von Santa Clara kam es dazu nicht. Bad Bunny blieb ein unterhaltsamer Hase. Er rief alle Länder Latein-, Mittel- und Nordamerikas auf, um die Menschheit zu beschwören. Das war sein Beitrag zum Super Bowl. Er blieb also auf der Schlagerebene. Wie könnten wir es ihm vorwerfen? Denn er ist ein Schlagersänger. Daran können weder seine Anhänger noch Donald Trump etwas ändern.