Hans Joachim Watzke ist am Sonntagabend mit dem mageren Ergebnis von 59 Prozent der 4244 abgegebenen Stimmen zum neuen Präsidenten von Borussia Dortmund gewählt worden. Zuvor war der Sauerländer von seinem Posten als Geschäftsführer zurückgetreten und nach 20 Jahren in dieser Funktion von vielen Mitgliedern gefeiert worden. Schon vorher hatte der neue Präsident ein knappes Programm für sein künftiges Wirken vorgetragen, in dessen Zentrum er die Begriffe „gemeinsam“, „vertrauensvoll“ und „zukunftsorientiert“ stellte. „Ich habe sehr viel Demut und sehr viel Respekt vor dieser Aufgabe“, sagte der neue Präsident vor seiner Wahl, in deren Vorfeld auch deutliche Kritik zu vernehmen war. Vor der Tür protestierten einige Menschen gegen den von Watzke mitbetriebenen Sponsorendeal mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall. Tobias Westerfellhaus, der Leiter der Fanabteilung, griff Watzke nicht offen an, wies aber auf Vorgänge hin, die unter der Führung des Sauerländers weniger gut gelaufen sind. Er beklagte „fragwürdige Kampagnen gegen einzelne Akteure, öffentliche Diffamierungen und immer wieder neue Wendungen in einem Wahlkampf, der am Ende kein Wahlkampf war“ und erklärte: „Diese Monate haben deutlich aufgezeigt, dass unser Verein dringend Veränderungen benötigt.“ Besonders akut ist eine Erneuerung im Umgang mit der jetzt öffentlich gewordenen Missbrauchsaffäre aus den 1990er Jahren erforderlich. „Ich kann Ihnen eines versprechen: Wenn es Versäumnisse gab, dann werden wir versuchen, diese ein für alle Mal abzustellen“, sagte Watzke und sprach den Betroffenen sein „tief empfundenes Mitgefühl aus für das, was sie erlitten haben“. Der scheidende Präsident Reinhold Lunow sagte: „Ich möchte mich im Namen von Borussia Dortmund dafür entschuldigen“ und forderte eine „Kultur des Hinsehens und nicht des Wegsehens“. Das Mitglied Alexander Geske griff sowohl Watzke als auch Lunow und den Ehrenpräsidenten Reinhard Rauball frontal an. Alle drei hätten „schwere Schuld auf sich geladen“, weil sie spätestens 2010 von den Missbrauchsvorwürfen gewusst hätten. „Doch niemand hat die Courage besessen, auch nur irgendeine Maßnahme zu ergreifen, potenzielle Opfer zu schützen.“ Der Beschuldigte war noch viele Jahre als Ehrenmitglied im Klub willkommen und hatte dort auch Kontakt zu Minderjährigen. Eine flammende Unterstützungsrede für Watzke hielt Lars Ricken, der vor eineinhalb Jahren den Bereich Sport in der Geschäftsführung übernommen hat: „In den vergangenen 10 Jahren, 13 Trainer, Hunderte Spieler, Millionen Fans, aber ein Gesicht, das für Borussia Dortmund steht: Aki Watzke“, sagte Ricken und erklärte in Anspielung auf die 2005 nur knapp abgewendete Insolvenz: „Aki hat uns da gerettet, ohne ihn würde es den Verein in dieser Form nicht mehr geben.“ Trotz der dürftigen Zustimmung, die einem Denkzettel gleichkam, nahm Watzke die Wahl an.
