FAZ 24.01.2026
20:31 Uhr

BVB nutzt Bayern-Patzer: Dortmund siegt mit Entschlossenheit und Emotion


Nachdem die Münchner ihre erste Bundesliga-Saisonniederlage einstecken mussten, gibt sich Borussia Dortmund in Berlin keine Blöße. Über Union siegt der BVB souverän – und verkürzt den Abstand zur Tabellenspitze.

BVB nutzt Bayern-Patzer: Dortmund siegt mit Entschlossenheit und Emotion

Während der Woche wurde in Köpenick groß gefeiert: 60 Jahre 1. FC Union, das war ein Fest, das auch jenseits des Jubiläums als solchem in Hochstimmung begangen werden konnte, der Bundesliga-Tabelle sei Dank. Weit weniger feierlich hingegen hatten die Dortmunder den Dienstagabend verbracht, dem 0:2 in London bei Tottenham Hotspur in der Champions League folgte die beim BVB sattsam bekannte Mentalitätsdebatte. Der Samstagabend an der frostigen Försterei aber kam den Borussen dann gerade recht. Mit Entschlossenheit, Emotion und auch einer gewissen Eiseskälte kam die Mannschaft von Niko Kovac zu einem 3:0-Sieg, der sie hochzufrieden in den Spiegel blicken ließ. „Heute war es echt Erwachsenenfußball“, sagte Nico Schlotterbeck, und nicht, wie am Dienstag, „so ein bisschen Kinderfußball“. Der Verteidiger hatte nach dem frühen Elfmetertor von Emre Can aus der 10. Minute selbst per Kopf den zweiten und vorentscheidenden Treffer erzielt (54.). Und weil die Dortmunder in der Liga als Tabellenzweiter nicht nur weiter bestens dastehen, sondern noch ein bisschen besser als vor diesem Spieltag, legte er Wert darauf, dass die Meisterschaft noch nicht entschieden sei. „Wir wollen dranbleiben“ sagte er. Nach der ersten Saison-Niederlage des FC Bayern gegen den FC Augsburg beträgt der Abstand noch acht Punkte, und Schlotterbeck verwies darauf, dass die Münchner auch noch nach Dortmund müssen. Zwar musste man sagen, dass das Spiel der Borussen am Samstag auch eine Weile unentschlossen zwischen kontrollierendem Stafetten- und kreativitätsarmem Schablonenfußball changierte. Aber spätestens mit dem 3:0, das Maximilian Beier in der 84. Minute mit Eleganz beisteuerte, stimmte die Mischung aus Sicht des Dortmunder Trainers. „Wir haben leidenschaftlich gekämpft und phasenweise richtig gut Fußball gespielt“, sagte Niko Kovac, der das Thema Mentalität in London selbst aufs Tapet gebracht hatte. Nach dem Tiefschlag von Tottenham schickte er seine Mannschaft angriffslustig aufs Berliner Grün, mit Beier, Fabio Silva und Serhou Guirassy. Vor der Führung hatte Guirassy Glück, dass der Ball ihm nach dem Tackling von Leopold Querfeld wieder vor die Füße fiel. Mit der nächsten Berührung kam er Torwart Frederik Rönnow eine Fußspitze zuvor, dessen Griff ließ keinen Spielraum für Diskussionen: Elfmeter, und Kapitän Can war der gewohnt souveräne Mann für diese Situation. In der 18. Minute war es dann schwerer, das Tor nicht zu schießen, nachdem Felix Nmecha, einer der besten Borussen an diesem Abend, den Ball von Querfeld geklaut hatte und frei auf Rönnow zulief. Er meinte es gut, als er den noch freieren Guirassy bediente, doch der machte eine falsche Bewegung, fort war der Flow, Bellingham und Silva kamen zwar noch zum Schuss, fanden die Lücke aber nicht mehr. Danach tat sich nur noch wenig im Berliner Strafraum, der BVB schaltete in den Kontrollmodus – wovon die Unioner sich allerdings nicht beeindrucken ließen. Immer wieder schoben sie an, immer wieder segelten Bälle vor das Dortmunder Tor. Trainer Steffen Baumgart, nun vollends auf Betriebstemperatur, entledigte sich seines Mantels. Aber so richtig heiß wurde es vor dem Dortmunder Tor dann auch wieder nicht. In den vergangenen Wochen und Monaten hat Baumgart es zu einer eigenen Meisterschaft gebracht, in der Kunst der Einwechslung. Die jüngsten sechs Treffer und alle vier des neuen Jahres waren der Kategorie Jokertor zugehörig. Doch bevor Baumgart diesmal seinen ersten zog, traf Dortmund zum zweiten Mal. Den Schuss von Bellingham parierte Rönnow noch stark, doch der folgende Eckball, von Ryerson getreten, fand in hohem Bogen den Kopf von Schlotterbeck, der aus kurzer Distanz traf. Wieder ein ruhender Ball also, nicht selten in dieser Saison der Dortmunder Schlüssel zum Erfolg. Es passte aber auch insofern, als die kantige Defensive mit Schlotterbeck, Waldemar Anton und Can auch diesmal – und anders eben als in London – die Erfolgsformel des BVB verkörperte. Danach heizte die eine oder andere Aktion mit Can das Berliner Publikum auf. Doch auf dem Platz wirkten die Kräfteverhältnisse nun endgültig eingefroren.