Angehörige von Opfern der Brandkatastrophe von Crans-Montana haben das Betreiberpaar der Bar, in der das verheerende Feuer ausgebrochen war, heftig beschimpft und bedrängt. Jessica Moretti kam am Donnerstag nur mit Hilfe der Polizei in das Gebäude in Sitten im Kanton Wallis, in dem die Vernehmungen stattfinden. Sie war mit ihrem Mann Jacques vor Ort. „Mörder“, riefen einige Anwesende, und „ihr seid Monster“. Unter anderem war die Familie von Trystan dort, einem der 41 Todesopfer der Tragödie. Sie trugen T-Shirts mit dem Foto des 17-Jährigen. „Ich bin hier, um Jessica Moretti zu zeigen, dass sie Familien zerstört hat“, sagte Trystans 14 Jahre alter Bruder Tobyas dem Portal „20 Minuten“. „Dass sie uns in die Augen schaut und sieht, wie es uns geht.“ Gegen die Morettis wird wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Sie sind gegen Kaution auf freiem Fuß. Während seine Frau weinend das Gebäude betrat, antwortete Jacques Moretti den wütenden Angehörigen: „Wir übernehmen die Verantwortung. Wir versprechen Ihnen: Wir sind hier, um für Gerechtigkeit zu sorgen.“ Anwälte der Opferangehörigen durften Fragen stellen In der Bar „Le Constellation“ waren in der Silvesternacht 41 zumeist junge Menschen bei einem Brand im Untergeschoss ums Leben gekommen. 115 weitere Menschen wurden verletzt, viele von ihnen erlitten schwerste Verbrennungen. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis hatte die Anhörungen am Mittwoch und Donnerstag angesetzt, um den Anwälten der Opferangehörigen die Gelegenheit zu geben, eigene Fragen zu stellen. Die Ermittler vermuten, dass die Brandkatastrophe durch an Flaschen befestigte Feuerwerksfontänen ausgelöst wurde, die der Decke zu nahe kamen. Jacques Moretti hatte während einer Vernehmung angegeben, den schalldämpfenden Schaum an der Decke selbst in einem Baumarkt gekauft und installiert zu haben. Der Franzose hatte wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe zwei Wochen in Untersuchungshaft gesessen, bevor er gegen Zahlung einer Kaution und unter Auflagen frei kam. Ermittelt wird auch gegen den Sicherheitschef der Gemeinde Crans-Montana und seinen Vorgänger. Mehrere Opferanwälte fordern weitere Untersuchungen zu möglichen Versäumnissen bei den Behörden.
