FAZ 22.01.2026
19:16 Uhr

Autohandel: Hoffen auf mehr Umsatz durch neue E-Auto-Prämie


Autohändler beurteilen die beschlossene E-Auto-Prämie erst mal positiv. Die bisher bekannten Einkommensgrenzen allerdings sehen viele kritisch, wie auch die Tatsache, dass Gebrauchtwagen ausgenommen sind.

Autohandel: Hoffen auf mehr Umsatz durch neue E-Auto-Prämie

Die Autohändler in Hessen freuen sich. „Es ist gut, dass einfach Klarheit da ist“, sagt Alexander Funke vom Autohaus Funke in Kirchhain im Landkreis Marburg-Biedenkopf. „Auch, dass es keine Obergrenze beim Fahrzeugpreis gibt, sondern der Kunde sich frei entscheiden kann, welches Auto er kaufen möchte, sehen wir positiv.“ Funke ist im 102 Jahre alten Familienbetrieb zuständig für Vertrieb und Marketing. Das Haus verkauft Autos der Marke Hyundai. In dieser Woche hat die Bundesregierung Eckpunkte für ein neues Förderprogramm für E-Autos beschlossen. Demnach stehen drei Milliarden Euro zur Verfügung, was für rund 800.000 Fahrzeuge reichen soll. Die Förderung soll im Frühjahr beginnen und rückwirkend vom 1. Januar an gelten. Anträge sollen Kunden voraussichtlich vom 1. Mai an in einem Onlineportal stellen können. Beantragen können die Förderung Privatpersonen mit einem zu versteuernden Haushaltseinkommen bis 80.000 Euro. Je Kind steigt die Einkommensgrenze um 5000 auf maximal 90.000 Euro. Bei den Einkommensgrenzen sieht Händler Funke Korrekturbedarf, denn der Betrag sei „unter Umständen etwas wenig“ für Familien, in denen beide Partner voll im Berufsleben stünden. Offen bleibt für ihn zudem die Gruppe der Rentner, die keine klassische Einkommensteuererklärung abgeben. Schon die Ankündigung hat Nachfrage geweckt Im Autohaus machen sich die neuen Regeln bereits bemerkbar: Funke berichtet von ersten Anfragen, insbesondere zu Aufträgen aus dem vergangenen Jahr, deren Zulassung erst 2026 erfolgt. Wichtig sei vielen, dass jetzt das Zulassungsdatum zählt – ein Unterschied zu früheren Regelungen. Verbindliche Zusagen gibt das Haus dennoch nicht: Ob ein Kunde förderberechtigt ist, hänge vom jeweils zu versteuernden Einkommen ab. In der Praxis unterstützt Funke die Kundschaft nach der Zulassung beim Onlineantrag wie auch in früheren Förderphasen. Ein Vorab-Abzug der Prämie beim Kaufpreis sei nicht möglich. Das Geld fließe erst nach der Zulassung an die Käufer. Mit Blick auf die Nachfrage ist Funke vorsichtig optimistisch. Der Anteil reiner Elektrofahrzeuge habe 2025 bei rund 35 Prozent gelegen, inklusive Privat- und Gewerbekunden. Die neue Förderung richtet sich zwar an Private, dennoch erwartet er spürbare Impulse – vor allem im Kleinwagensegment von Hyundai, wo 4000 Euro schnell 15 Prozent des Fahrzeugpreises ausmachen können. Nach Einschätzung von Gerald Weil, dem Geschäftsführer des Autohauses Weil in Friedrichsdorf, hat schon die Ankündigung einer neuen E-Auto-Prämie im Herbst das Interesse der Kundschaft geweckt. Die genauen Förderkonditionen sind zwar erst seit Anfang dieser Woche bekannt, dass dieses Jahr eine Prämie kommt, war aber klar. „Wir sehen seit Jahresbeginn eine um etwa 50 Prozent höhere Nachfrage nach E-Autos als in den letzten Monaten des Jahres 2025.“ Allerdings genieße sein Haus in der Umgebung auch eine gewisse Bekanntheit als Anbieter von E-Autos, fügt Weil hinzu, der im Vorstand des Landesverbandes des hessischen Kfz-Gewerbes aktiv und dort für das Thema Elektromobilität zuständig ist. Zudem hat der Renault-Händler mit der Renault-Marke Dacia Fahrzeuge im Angebot, die für die Einkommensgruppen, die gefördert werden sollen, preislich attraktiv sind. Weil empfiehlt Interessierten, mit einer Bestellung nicht zu warten, bis das Onlineportal für die Förderanträge freigeschaltet ist: „Es könnte dann zu längeren Lieferzeiten kommen.“ Dacia habe schon mitgeteilt, dass selbst bei einer Bestellung zum jetzigen Zeitpunkt die Auslieferung eventuell bis Oktober dauern könnte. Kritisch beurteilt der hessische Kfz-Verband den Ausschluss gebrauchter Elektrofahrzeuge von der Förderung. Eine Einbeziehung von Gebrauchtwagen würde die Nachfrage verbreitern und Elektromobilität für weitere Käufergruppen erschwinglicher machen, schreibt der Verband in einer Pressemitteilung. „Zudem könnte sie einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Restwerte von Elektrofahrzeugen leisten.“ Gebrauchte E-Autos dürften durch den Ausschluss von der Förderung an Attraktivität und damit auch an Wert verlieren. Vor allem für Händler, die viele Fahrzeuge über Leasingverträge vertreiben und sie anschließend gebraucht zurückbekommen, ist das problematisch. Mehrere Autohersteller bieten auf E-Autos schon seit Längerem spezielle Rabatte oder werben nun anlässlich der neuen staatlichen Förderung mit Sonderkonditionen. So hat Ford am Montag einen Bonus von 5000 Euro für E-Auto-Käufer eingeführt. Opel kündigte vergünstigte Leasingraten für Stromer und für Plug-in-Hybride an.