FAZ 13.01.2026
09:50 Uhr

Auszeichnung für Mercedes: Sternstunde


Der Mercedes-Benz CLA gewinnt den Car of the year. Man muss eine solche Auszeichnung nicht überbewerten, aber sie sollte frisches Selbstvertrauen nach Stuttgart tragen.

Auszeichnung für Mercedes: Sternstunde

Mit Mercedes-Benz haben die Menschen schon so einiges erlebt. Das Auto erfunden, eine S-Klasse auf die Räder gestellt, die mit Peilstäben rückwärts manövriert werden musste, die ob der Dimension nicht auf den Autozug nach Sylt passte, einen 450 SEL, mit dem der Autor dieser Zeilen und seine Freunde zur legendären Pleite von Eintracht Frankfurt um die deutsche Fußballmeisterschaft nach Rostock gefahren sind. Seither wissen alle, die damals direkt oder emotional involviert waren: Lebbe geht weider. Der SEL, ein Statement, hat 1974 den Titel Auto des Jahres gewonnen. Seither, man glaubt es nicht, haben es die Schwaben nie mehr nach ganz oben auf das Siegertreppchen des prestigeträchtigsten Preises der Branche gebracht. Bis heute. 52 Jahre später besteigt der Mercedes CLA den Thron. Vielleicht hat die Mannschaft um Ola Källenius selbst nicht daran geglaubt, sonst hätte sich der Vorstandsvorsitzende die Gelegenheit nicht entgehen lassen dürfen, vor Ort vorstellig zu werden. Aber seine kleine, engagierte Truppe an Gesandten hat gute Arbeit geleistet. Vor allem leisten die Techniker gute Arbeit. Gerade als Modell mit Elektroantrieb kommt der CLA ausgezeichnet voran, sein Fahrverhalten ist spitze. Über das Design kann man streiten, jene zeitlose Selbstverständlichkeit, die besten Autos der Welt zu bauen, strahlt der CLA nicht aus. Diese Selbstverständlichkeit ist freilich der gesamten Firma ein wenig abhandengekommen. Man muss eine solche Auszeichnung nicht überbewerten, aber sie sollte frisches Selbstvertrauen nach Stuttgart tragen. Und die Erkenntnis, dass der preiswürdige Technologiesprung mit einem anderen Modell hätte erfolgen müssen. Mercedes, das ist ­S-Klasse. Nun aber erst mal: Sternstunde genießen, die eine ist für Mercedes und auch abstrahlt auf die deutsche Autoindustrie. Möge es bis zur nächsten nicht wieder 52 Jahre dauern.