FAZ 20.12.2025
12:30 Uhr

Auswärtsspiel in Hamburg: Eintracht mit letzter Kraft zur Weihnachtsruhe


Dino Toppmöller ist überzeugt, dass sich die Eintracht schnell wieder fängt – wenn Freude und Leichtigkeit ins Spiel zurückkehren. Ob das gelingt, wird auch davon abhängen, wer in den nächsten Wochen seine Chance nutzt.

Auswärtsspiel in Hamburg: Eintracht mit letzter Kraft zur Weihnachtsruhe

Zwischenzeitlich schien es, als müsste Trainer Dino Toppmöller im letzten Bundesligaspiel des Jahres gegen den Hamburger SV die ganze Tiefe seines Kaders ausschöpfen, um eine Startelf zusammenzustellen. Am Tag vor der Auseinandersetzung in Hamburg an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) haben sich die Personalsorgen insoweit reduziert, als für die erste Elf keine ganz gewagten Lösungen gefunden werden müssen. Farès Chaïbi, Ellyes Skhiri (beide Afrika-Cup), Arthur Theate (fünfte Gelbe Karte), Jonathan Burkardt und Michy Batshuayi (beide verletzt) werden wie erwartet fehlen. Aber die am vergangenen Wochenende ernsthaft angeschlagenen Hugo Larsson und Robin Koch haben überraschenderweise im Laufe der Woche so gut regeneriert, dass sie aussichtsreiche Kandidaten für die Anfangsformation sind. Nach dem 1:0-Heimsieg über den FC Augsburg herrscht keine besinnlich-entspannte Vorweihnachtsstimmung in Fußball-Frankfurt, dazu stand der Erfolg auf zu wackligen Füßen, dazu war die Mannschaftsleistung zu schwach. Aber immerhin verhinderte der Videoassistent durch die Aberkennung zweier Augsburger Tore am dritten Advent Panikattacken unter den Eintracht-Fans. Die könnten bei einer Niederlage aber durchaus noch am vierten Advent folgen. Nicht bei Toppmöller und seinen Assistenten. Ihre Wahrnehmung und Bewertung der Hinrunde unterscheiden sich recht deutlich von der des Publikums. „Wir sind mit der Punktausbeute in der Bundesliga sehr zufrieden“, sagte Toppmöller am Donnerstag vor den Medien. „Wir wollen gegen den HSV unbedingt gewinnen. Dann hätten wir dieselbe Punktzahl wie zum selben Zeitpunkt in der Hinrunde des Vorjahres und hätten im Kalenderjahr 60 Punkte geholt.“ Dass die Fans so fühlen, wie sie fühlen, habe seine Gründe, gibt der Eintracht-Trainer zu. „Auch ich würde gerne sehen, dass wir besser Fußball spielen.“ Dennoch beharrt Toppmöller darauf, dass sein Team viele Dinge auch gut gemacht habe. „Die Zahlen sprechen ihre eigene Sprache, da muss ich nicht viel erklären.“ Er stelle jedoch eine unterschiedliche Definition von Erfolg zwischen manchen Fans und ihm fest. Die Frage, wie sehr ihn die Diskrepanz zwischen Punkten und Stimmung im Eintracht-Umfeld störe, beantwortete Toppmöller nicht. „Ich will nicht so viel über meine Gefühlswelt sprechen. Wir können die Stimmungslage mit Worten nicht beeinflussen, wir können die Antwort nur auf dem Platz geben.“ „Das schleppst du ein, zwei Tage mit“ Dass dies in den nächsten Wochen geschehen wird, davon gibt sich Toppmöller überzeugt – wenn die Freude und Leichtigkeit ins Spiel seiner Mannschaft zurückkehrten. Die sind in den vergangenen Monaten durch einige hohen Niederlagen – vor allem in der Champions League – verloren gegangen. „Im vergangenen Jahr kamen wir durch unsere Siege in der Europa League mit breiter Brust aus der Woche, jetzt bekommen wir immer wieder mal auf die Nuss. Das schleppst du ein, zwei Tage mit, da fehlt die Positivität.“ Weniger bei ihm, mehr bei den Spielern. Toppmöller widerspricht, im letzten Spiel des Jahres in einem besonderen Maße unter Druck zu stehen. „Wir wollen unbedingt gewinnen, aber wir spüren nichts Außergewöhnliches.“ Gegen den heimstarken Hamburger SV (13 Punkte aus sieben Spielen) müsse seine Mannschaft an ihre Leistungsgrenze gehen, um zu punkten. Es sollte ihr etwas leichter fallen als zuletzt, zwei Wochen ohne Champions-League-Belastung erleichtern es, die letzten Kräfte zu sammeln. In der Abwehr werden entweder Nnamdi Collins oder Aurèle Amenda den gesperrten Theate ersetzen. Toppmöller mochte sich nicht festlegen, wer – „vielleicht spielen auch beide“. Der Eintracht-Trainer sieht beide im Aufwind: „Aurèle hat es sehr gut gemacht am Samstag, es war kein leichtes Spiel gegen Augsburg, um hereinzukommen und Robin Koch zu ersetzen.“ Collins habe sich im Training stark angeboten. Von beiden Spielern forderte er aber auch Konstanz in ihren Leistungen ein. Das Gleiche gilt für Oscar Højlund, der ebenfalls gegen Augsburg nach langer Wettkampfpause in der zweiten Halbzeit ins Spiel kam und durch seine Dynamik und Zweikampfstärke beeindruckte. „Seine Power und Energie tun uns gut“, sagt Toppmöller, aber nur selten kam es in der Vergangenheit dazu. Der Däne wurde immer wieder von Verletzungen gebremst. „Oscar wird in den kommenden Wochen viel Spielzeit erhalten, weil mit Chaïbi und Skhiri zwei Konkurrenten beim Afrika-Cup sind. Er muss seine Chance beim Schopf packen.“ Genau das gelang Elye Wahi nicht. Burkardts Verletzung bedeutete für den Franzosen keine Chance zur eigenen Entwicklung, sondern die Bestätigung, sich in Frankfurt in einer Sackgasse zu befinden. Flügelstürmer Ansgar Knauff wurde ihm als Ersatzmittelstürmer vorgezogen, und selbst nach Batshuayis Ausfall erhielt Wahi kaum Einsatzzeit. Und jetzt ist er auch noch erkrankt. Die Zeichen stehen auf Abschied in der Winterpause. Mit Knauff ist Toppmöller sehr zufrieden auf der ungewohnten Position im Sturmzentrum. „Es hilft ihm, dass er schon immer flexibel war, rechts und links als Schienenspieler oder Flügelstürmer im 4-3-3.“ Der frühere Dortmunder zeige eine gute Entwicklung in der Spitze: „Jedes Spiel hilft ihm, sein Torabschluss ist schon deutlich besser geworden. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm mehr als zehn Saisontreffer in allen Wettbewerben zutraue“, so Toppmöller. Ein paar Wochen wird Knauff seine Mittelstürmerfähigkeiten noch erweitern können. Burkardt wird zwar im Januar das Mannschaftstraining wieder aufnehmen, jedoch eher in der Mitte des Monats. Und dann dauert es noch zwei bis drei Wochen, bis der frühere Mainzer wieder wettbewerbstauglich ist. Aber das ist Zukunftsmusik. Toppmöller will unbedingt den positiven Jahresabschluss: „Wir wollen uns oben in der Tabelle festbeißen. Da geht es nicht um einen Schönheitspreis oder Fußball 3000, sondern nur um die drei Punkte.“